Europäische Zentralbank: EZB wird Zinszügel trotz Brexit nicht lockern

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Europäische Zentralbank: EZB wird Zinszügel trotz Brexit nicht lockern

Die Europäische Zentralbank (EZB) wird Experten zufolge ihr Pulver trotz höherer Konjunkturrisiken nach dem Brexit-Votum vorerst trocken halten. Ein Spiel um Zeit?

Die Europäische Zentralbank (EZB) wird Experten zufolge ihr Pulver trotz höherer Konjunkturrisiken nach dem Brexit-Votum vorerst trocken halten. Volkswirte gehen davon aus, dass die Währungshüter auf ihrer Ratssitzung am Donnerstag die Leitzinsen nicht antasten werden, die seit März auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent liegen. Sie halten es aber für möglich, dass EZB-Chef Mario Draghi Stellschrauben für das umstrittene Anleihen-Kaufprogramm nachjustiert oder dies zumindest in Aussicht stellt. Denn nach der Entscheidung der Briten für einen EU-Austritt waren viele Investoren in als sicher geltende deutsche Staatsanleihen geflüchtet. In der Folge sanken die Renditen. Der EZB könnten damit bald Engpässe bei ihren Käufen drohen - und so eines ihrer wichtigsten Instrumente ins Stocken geraten.

Rede in Sintra Draghi ignoriert den Brexit

Die Rede von EZB-Präsident Mario Draghi in Portugal war wenige Tage nach dem Brexit-Votum mit Spannung erwartet worden. Stattdessen hielt er einen Vortrag über sein Lieblingsthema.

Mario Draghi bei der Ankunft in der portugiesischen Kleinstand Sintra, wo das EZB-Forum stattfindet. Quelle: Reuters

"Das EZB-Treffen nächste Woche wird von der Brexit-Abstimmung dominiert werden", sagt Carsten Brzeski, Deutschland-Chefvolkswirt des Bankhauses ING. Die Sitzung komme aber zu früh, um das Ausmaß negativer wirtschaftlicher Folgen für die Euro-Zone schon abzuschätzen. "Wir glauben, dass die EZB schlichtweg versuchen wird, Zeit zu kaufen." Nach Einschätzung von Helaba-Volkswirt Ulf Krauss hat die EZB auch die Bank von England fest im Blick. Die Hauptbetroffenen eines Brexit müssten sich als erstes bewegen. "Alles andere würde nur Fragen bezüglich der Stabilität des Euro-Raums provozieren." Großbritanniens Notenbank hatte am Donnerstag ihre Zinszügel trotz drohender Rezession im Land still gehalten und eine Leitzinssenkung erst für August angedeutet.

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Anna Grimaldi von der italienischen Großbank Intesa Sanpaolo glaubt, dass die EZB auf gestiegene Gefahren für das Wirtschaftswachstum und die Inflationsentwicklung im Euro-Raum hinweisen wird. Im Juni lag die Teuerung hier lediglich bei 0,1 Prozent. Die EZB strebt aber als Idealwert für die Wirtschaft knapp zwei Prozent Inflation an. Viele Fachleute gehen davon aus, dass die erwartete Konjunkturabkühlung in Großbritannien auch auf die Euro-Zone durchschlagen wird. Draghi hatte bereits von einem verringerten Wachstum um insgesamt bis zu einem halben Prozentpunkt in den kommenden drei Jahren gewarnt.

Stellenschrauben des Anleihen-Kaufprogramms im Blick

Im Kampf gegen ein schwaches Wirtschaftwachstum und die aus EZB-Sicht zu niedrige Inflation hält die Notenbank ihre Geldschleusen schon lange weit offen. Seit März 2015 pumpen die Euro-Wächter Woche für Woche über Anleihenkäufe Milliarden in das Bankensystem, um Institute zur stärkeren Vergabe von Krediten zu bewegen. Das inzwischen auf 1,74 Billionen Euro angelegte Programm umfasst seit kurzem auch Firmenanleihen und soll noch bis mindestens Ende März 2017 laufen.

EZB senkt Leitzins auf null Prozent Draghi schafft die Zinsen ab

Paukenschlag in Frankfurt: Die Europäische Zentralbank (EZB) hat den Leitzins erstmals auf null Prozent gesenkt. Zunächst jubelte die Börse, der Euro ging in die Knie. Später stürzte der Dax ab, der Euro kletterte.

Mario Draghi vor der Bekanntgabe der EZB-Entscheidung Quelle: rtr

Inzwischen fragen sich aber Volkswirte, ob die EZB ihre Wertpapierkäufe überhaupt im geplanten Umfang umsetzen kann. Denn zuletzt rentierten Bundesanleihen mit einer Laufzeit von bis zu sieben Jahren unter dem sogenannten Einlagensatz von minus 0,4 Prozent. Damit sind sie nach den EZB-Regeln im Rahmen des Programms nicht mehr kauffähig. Passende Anleihen drohen damit rar zu werden. "Als Reaktion hierauf wird die EZB vermutlich auch Anleihen kaufen, deren Renditen unter dem Einlagensatz liegen", schätzt Commerzbank-Volkswirt Michael Schubert. Geldhäuser müssen bereits seit 2014 Strafzinsen zahlen, wenn sie über Nacht bei der EZB Geld parken. BayernLB-Ökonom Johannes Mayr hält es für möglich, dass die EZB die Ankaufgrenze pro Emission nach oben setzt, die aktuell bei 33 Prozent liegt.

Europäische Zentralbank nach dem Brexit Die EZB kann Europa nicht alleine retten

Beim Treffen der internationalen Notenbanker-Elite in Portugal spart Gastgeber Draghi das Thema Brexit aus. Trotzdem liefert er eine wichtige Erkenntnis: Die EZB kann Europa und Euro-Zone nicht allein am Leben halten.

Mario Draghi auf dem "ECB Forum on Central Banking" Quelle: EZB

Für unwahrscheinlich halten Experten, dass die Währungshüter das Grundgerüst der Käufe über Bord werfen - die Orientierung am Kapitalschlüssel. Dies würde sonst bedeuten, dass mehr Anleihen jener Länder aufgekauft werden, als diese der Zentralbank Eigenkapital zur Verfügung stellen. Würden die Käufe etwa nach dem ausstehenden Marktvolumen organisiert, wären besonders hoch verschuldete Länder im Vorteil. "Damit würde sich die EZB dem Verdacht der monetären Staatsfinanzierung aussetzen", so Commerzbank-Volkswirt Schubert.

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