Europagruppe: Dijsselbloem mit Fehlstart

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Europagruppe: Dijsselbloem mit Fehlstart

von Tim Rahmann

Der niederländische Finanzminister ist seit genau einem Jahr Chef der Eurogruppe. Die ersten Monate liefen verheerend, erst so langsam setzt der 47-Jährige die richtigen Akzente.

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Der Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem hatte einen schweren Start

Die Zweifel waren von Beginn an da. Kann ein Finanzminister, der kaum Erfahrung hat und dessen Land – die Niederlande – immer mehr in die Krise schlitterten und die Maastricht-Kriterien inzwischen verfehlt, den Euro retten? Kann Jeroen Dijsselbloem zwischen den Geberländern, zu dem die Niederlande gehören, und den Hilfsempfängern aus dem Süden vermitteln?

Die Antwort gab Dijsselbloem gut zwei Monate nach dem Amtsantritt, Ende März 2013. Nach langem Hin und Her einigte sich das von der Pleite bedrohte Zypern mit den anderen Euro-Mitgliedsländern auf ein Hilfsprogramm, das auch Sparer und private Gläubiger mit einbezog und zur Schließung von Banken führte. Der Niederländer erklärte daraufhin, der Plan könne künftig bei der Rettung anderer Euro-Krisenstaaten als Vorbild dienen. „Das Risiko vom Finanzsektor zu nehmen und es der Öffentlichkeit aufzubürden, ist nicht der richtige Ansatz“. Wenn Banken Risiken eingingen, mit denen sie nicht umgehen könnten, könne die Konsequenz daraus lauten: „Das ist das Ende der Geschichte“. Die Börsen hatten mit starken Kursverlusten reagiert, auch der Wert des Euro sank. Die Euro-Partner waren erschüttert, wie leichtfertigt der Niederländer das Vertrauen in die Euro-Zone aufs Spiel setzte.

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Das ist Jeroen Dijsselbloem

  • Langer Name

    Der niederländische Finanzminister heißt mit vollem Namen: Jeroen René Victor Anton Dijsselbloem. Er wurde am 29. März 1966 in Eindhoven geboren.

  • Mister Normen und Werte

    Dijsselbloem ist in einer katholischen Lehrerfamilie aufgewachsen. Er gilt als werte-konservativ. Seit seiner Attacke auf die Musiksender, die seiner Meinung nach sexistisch sind, wird er in den Niederlanden „Mister Normen und Werte“ genannt.

  • Mit 26 Jahren nach Brüssen

    1992 wurde Jeroen Dijsselbloem Mitglied der Delegation der Partei der Arbeit (PvdA) im Europäischen Parlament in Brüssel. Ab 1992 war er drei Jahre lang Referent für Raumordnungspolitik (Umwelt, Landwirtschaft, Natur) der PvdAFraktion im niederländischen Abgeordnetenhaus. Später kümmerte er sich um die Themen Bildung und Jugendhilfe.

„Es stört mich, wenn man so tut, als ob die Art und Weise, wie das Zypern-Problem zu lösen versucht wurde, als Blaupause für zukünftige Rettungspläne gilt“, sagte sein Vorgänger Jean-Claude Juncker. Und auch die Bundesregierung befand: „Zypern ist und bleibt ein Sonderfall, der die Eurogruppe, ihren Chef und vor allem die zypriotischen Bürgerinnen und Bürger vor besondere Herausforderungen gestellt hat und auch weiterhin stellen wird.“

Dijsselbloem ruderte zurück, doch der Fehlstart lies sich nicht mehr von der Hand zu weisen. Auch in seiner Heimat lief es nicht wirklich besser. Die Niederlande steckten im Mai 2013 in der Rezession, das Land musste plötzlich um seine erstklassige Bonität bangen. 

Die Regierung von Ministerpräsident Mark Rutte und Finanzminister Jeroen Dijsselbloem kündigten an, sich an die Arbeit zu machen, versprachen den Staat zu verschlanken und die Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern. Viel aber ist nicht passiert. Auch 2014 werden die Niederlande neue Schulden machen, die Wirtschaft dürfte sich nur minimal erholen. (+0,2 Prozent im Vorjahresvergleich)

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