Europawahl: Warnung vor dem Wahl-O-Mat

Europawahl: Warnung vor dem Wahl-O-Mat

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Sich durch den Wahl-O-Mat zu klicken macht anfangs Spaß. Bei der Auswertung weicht der Spaß zuweilen dem Frust.

von Tim Rahmann

Die Entscheidungshilfe zur Europawahl ist kurzweilig und macht anfangs Spaß. Doch bei der Auswertung werden Schwächen offenkundig. Ein Selbsttest zeigt: Aus Lust wird schnell Frust.

Nur 8,4 Prozent der Wahl-O-Mat-Nutzer erzielen bei dem interaktiven Tool, das seit gestern online ist, ein überraschendes Ergebnis - so das Fazit einer umfangreichen Studie. Ich gehöre dazu. Ich weiß schon heute ziemlich sicher, wen ich wählen werde – und ganz sicher, welche vier oder fünf der etablierten Parteien (Splitterparteien und die Extremisten vom linken und rechten Rand kommen eh nicht in Frage) ich nicht meine Stimme geben werde.

Umso erstaunter bin ich, dass der Wahl-O-Mat mir ein Ergebnis ausspuckt, das mit meiner mutmaßlichen Wahlentscheidung nicht zusammen passt.

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Grund genug, sich die Ergebnisse im Einzelnen anzuschauen – nicht, weil mir das Ergebnis nicht passt, sondern weil ich neugierig bin, wie das Resultat zustande kommt.

Ein paar Sätze zum besseren Verständnis vorneweg: Ich habe mich schnell durch das Tool geklickt. Zu den meisten der 38 Thesen hatte ich sofort eine klare Haltung, bei fünf Fragen habe ich länger nachgedacht, bei drei konnte ich keine Entscheidung treffen.

Nur ein Aspekt von vielen

Drei Fragen – zu den Themen Euro, Eurobonds und Frauenquote – habe ich für besonders wichtig erachtet und deshalb doppelt gewichten lassen.

Überraschung: Auf das Endergebnis hatte dies keinen Einfluss. Die Auswertung meines Resultates ohne die Doppel-Gewichtung brachte genau das gleiche Ergebnis, so die Gegenprobe.

Damit aber zum eigentlichen Problem: Wie konkret sind die Thesen und wie genau bilden diese meine politische Einstellung ab?

Gleich bei Behauptung 4 komme ich ins Stocken: „Die EU-Mitgliedsstaaten sollen mehr Flüchtlinge aufnehmen“, heißt es dort. Tja, wenn das so leicht mit „Ja“ oder „Nein“ zu beantworten wäre. Ich finde, dass die Europäische Union zu zaghaft im Umgang mit Kriegsflüchtlingen, etwa aus Syrien, ist. Während im Nachbarland Libanon die Camps überfüllt sind, weigern sich die meisten EU-Staaten schnell und unbürokratisch zu helfen. Ein Unding.

Doch was ist mit Wirtschaftsflüchtlingen, was ist mit ungelernten Kräften, die in Deutschland keine Aussicht auf einen Job haben?

Ich entscheide mich für ein „neutral“ – und stehe mit meiner Meinung offensichtlich alleine da. Union und AfD sind laut Wahl-O-Mat dagegen, SPD, Grüne, Linksparten und Piraten dafür. Die Erklärungen aus den Parteizentralen helfen mir nicht weiter. Sowohl einzelne Sätze der CDU und der AfD, als auch von SPD und Piraten kann ich unterschreiben.

So unterstreichen etwa die Piraten: „Zuflucht vor politischer Verfolgung und den Folgen von Krieg und Bürgerkrieg zu gewähren gehört zu den elementaren Verpflichtungen des Völkerrechts. Diese Pflicht ist eine europäische Gemeinschaftsaufgabe, für die wir uns einsetzen.“ Schön und gut, aber nur ein Aspekt von vielen.

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