Banken-Kenner Martin Faust: Euro-Retter spielen den Banken in die Karten

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InterviewBanken-Kenner Martin Faust: Euro-Retter spielen den Banken in die Karten

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"Die Banken machen profitable Geschäfte durch den Erwerb der Staatsanleihen, so lange die Staaten schwächeln, aber nicht wackeln", sagt Faust. Schlittern Euro-Länder aber gen Zahlungsunfähigkeit, werde es für die Banken bedrohlich.

von Tim Rahmann

Wer profitiert von den Euro-Rettungsschirmen: die Pleite-Staaten oder die Banken? Eindeutig der Finanzsektor, sagt Branchen-Kenner Martin Faust. Dass die Steuerzahler in Zukunft geschont werden, sei ein „frommer Wunsch“.

Herr Faust, wer trägt die Verantwortung für die Überschuldung von Privatpersonen oder Staaten: Diejenigen, die sich das Geld borgen – oder die Gläubiger, die trotz der Kenntnis über die vertrackte Lage der Schuldner immer neues Geld verleihen?

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Beide. Wer einen Kredit aufnimmt, muss sich Gedanken machen, ob er den Zins tragen und das Geld langfristig zurückzahlen kann - auch in wirtschaftlich kritischen Zeiten. Die Geldgeber haben ebenfalls eine hohe Verantwortung. Die Banken müssen sich bei jedem Kredit  die Frage stellen: Wie wahrscheinlich ist die Rückzahlung der Kredite und wie werthaltig sind die Sicherheiten? Vielfach wurden die Risiken unterschätzt und zu niedrige Zinsen verlangt. Auf beiden Seiten sind in den vergangenen Jahren viele Fehler gemacht worden.

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Obwohl sie Fehler gemacht haben, sind die Banken in der Schuldenkrise bislang gut davon gekommen. Kritiker sagen: Die Staatsverschuldung war bisher eine risikolose Profitmaschine für die Banken.

Die Währungsgemeinschaft hat sich dem Ziel verordnet, die Zahlungsfähigkeit der Mitgliedsstaaten zu sichern. Diese Politik wird mit allen Mitteln durchgezogen – im Zweifel auch mit Hilfe der Notenbank. Die Folge ist in der Tat, dass Banken hiervon profitieren, aber auch alle anderen, die Staatsanleihen besitzen oder erwerben. Dies sind neben den Banken, u.a. Hedgefonds, Versicherungsgesellschaften und private Anleger. Das kann man aber schwerlich den Banken vorwerfen, das ist ein Problem der Staats- und Regierungschefs.

Was man den Banken aber vorwerfen kann ist, dass sie die Gewinne nicht wieder in den Wirtschaftskreislauf bringen. Vor allem in den Euro-Krisenländern bekommen Unternehmen kaum noch Kredite. Wieso nicht?

Weil es den Banken vielerorts selbst nicht gut geht. Durch die Euro-Krisenpolitik der Staaten und der Europäischen Zentralbank ist die Verbindung zwischen den Geldinstituten und den Staaten immer enger geworden. Dies hat das Risiko nicht nur der Banken sondern in der gesamten Volkswirtschaft erhöht. Nun gilt: Die Banken machen profitable Geschäfte durch den Erwerb der Staatsanleihen, so lange die Staaten schwächeln, aber nicht wackeln. Sobald Staaten in ernste Schieflage kommen, färbt das direkt auf Banken ab. Und zwar nicht nur, in dem entsprechenden Krisenland, sondern europaweit.

Die EZB hat versucht gegenzulenken und hat den Banken Geld zu einem Mini-Zinssatz zur Verfügung gestellt. Wieso hat der Schritt nicht gefruchtet?

Die EZB stärkt mit ihrer Zinspolitik die Banken. Der Gedanke dahinter: Wenn die Banken Gewinne machen stärken sie damit ihr Eigenkapital und sind so auch wieder in der Lage, Kredite zu vergeben. Das Finanzierungsproblem kann somit gelöst werden, nicht aber das Bonitätsproblem. Die Banken müssen sich Gedanken machen, welche Risiken sie bei der Kreditvergabe an Unternehmen und private Haushalte eingehen können und wollen. Offenbar halten sie derzeit in den Krisenländern das Risiko für sehr hoch, ihr Geld zurückzubekommen. Diesen Eindruck kann nicht die EZB wegwischen. Das gelingt nur, wenn die Konjunktur sich wieder erholt. Dies ist Aufgabe der Wirtschaftspolitik in den Staaten. 

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