Euro Spezial 2012

Die WirtschaftsWoche und der Bayerische Rundfunk beantworten gemeinsam die 20 drängendsten Fragen zum Euro und Europa.

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Interview Banken-Kenner Martin Faust: Euro-Retter spielen den Banken in die Karten

von Tim Rahmann

Wer profitiert von den Euro-Rettungsschirmen: die Pleite-Staaten oder die Banken? Eindeutig der Finanzsektor, sagt Branchen-Kenner Martin Faust. Dass die Steuerzahler in Zukunft geschont werden, sei ein „frommer Wunsch“.

Martin Faust Quelle: Presse
"Die Banken machen profitable Geschäfte durch den Erwerb der Staatsanleihen, so lange die Staaten schwächeln, aber nicht wackeln", sagt Faust. Schlittern Euro-Länder aber gen Zahlungsunfähigkeit, werde es für die Banken bedrohlich. Quelle: Presse

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Herr Faust, wer trägt die Verantwortung für die Überschuldung von Privatpersonen oder Staaten: Diejenigen, die sich das Geld borgen – oder die Gläubiger, die trotz der Kenntnis über die vertrackte Lage der Schuldner immer neues Geld verleihen?

Beide. Wer einen Kredit aufnimmt, muss sich Gedanken machen, ob er den Zins tragen und das Geld langfristig zurückzahlen kann - auch in wirtschaftlich kritischen Zeiten. Die Geldgeber haben ebenfalls eine hohe Verantwortung. Die Banken müssen sich bei jedem Kredit  die Frage stellen: Wie wahrscheinlich ist die Rückzahlung der Kredite und wie werthaltig sind die Sicherheiten? Vielfach wurden die Risiken unterschätzt und zu niedrige Zinsen verlangt. Auf beiden Seiten sind in den vergangenen Jahren viele Fehler gemacht worden.

Obwohl sie Fehler gemacht haben, sind die Banken in der Schuldenkrise bislang gut davon gekommen. Kritiker sagen: Die Staatsverschuldung war bisher eine risikolose Profitmaschine für die Banken.

Die Währungsgemeinschaft hat sich dem Ziel verordnet, die Zahlungsfähigkeit der Mitgliedsstaaten zu sichern. Diese Politik wird mit allen Mitteln durchgezogen – im Zweifel auch mit Hilfe der Notenbank. Die Folge ist in der Tat, dass Banken hiervon profitieren, aber auch alle anderen, die Staatsanleihen besitzen oder erwerben. Dies sind neben den Banken, u.a. Hedgefonds, Versicherungsgesellschaften und private Anleger. Das kann man aber schwerlich den Banken vorwerfen, das ist ein Problem der Staats- und Regierungschefs.

Geuro

Es war eine Idee des früheren Deutsche-Bank-Chefvolkswirts Thomas Mayer: Griechenland führt eine Parallelwährung ein, den Geuro, der neben dem Euro im Land zirkuliert. Unternehmen könnten dann ihre Beschäftigten mit dem Geuro bezahlen, diese sich  dafür Lebensmittel und andere Verbrauchsgüter kaufen. Da sich die neue Parallelwährung gegenüber dem Euro schnell abwerten würde, wären griechische Produkte und Dienstleistungen – hier vor allem der Tourismus – schnell wieder wettbewerbsfähig. Nach außen hin könnte das Land weiter in Euro rechnen. Es blieb eine Idee.

Bild: dapd

Was man den Banken aber vorwerfen kann ist, dass sie die Gewinne nicht wieder in den Wirtschaftskreislauf bringen. Vor allem in den Euro-Krisenländern bekommen Unternehmen kaum noch Kredite. Wieso nicht?

Weil es den Banken vielerorts selbst nicht gut geht. Durch die Euro-Krisenpolitik der Staaten und der Europäischen Zentralbank ist die Verbindung zwischen den Geldinstituten und den Staaten immer enger geworden. Dies hat das Risiko nicht nur der Banken sondern in der gesamten Volkswirtschaft erhöht. Nun gilt: Die Banken machen profitable Geschäfte durch den Erwerb der Staatsanleihen, so lange die Staaten schwächeln, aber nicht wackeln. Sobald Staaten in ernste Schieflage kommen, färbt das direkt auf Banken ab. Und zwar nicht nur, in dem entsprechenden Krisenland, sondern europaweit.

Die EZB hat versucht gegenzulenken und hat den Banken Geld zu einem Mini-Zinssatz zur Verfügung gestellt. Wieso hat der Schritt nicht gefruchtet?

Die EZB stärkt mit ihrer Zinspolitik die Banken. Der Gedanke dahinter: Wenn die Banken Gewinne machen stärken sie damit ihr Eigenkapital und sind so auch wieder in der Lage, Kredite zu vergeben. Das Finanzierungsproblem kann somit gelöst werden, nicht aber das Bonitätsproblem. Die Banken müssen sich Gedanken machen, welche Risiken sie bei der Kreditvergabe an Unternehmen und private Haushalte eingehen können und wollen. Offenbar halten sie derzeit in den Krisenländern das Risiko für sehr hoch, ihr Geld zurückzubekommen. Diesen Eindruck kann nicht die EZB wegwischen. Das gelingt nur, wenn die Konjunktur sich wieder erholt. Dies ist Aufgabe der Wirtschaftspolitik in den Staaten. 

8 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 04.10.2012, 11:28 UhrBauernopfer-Banken

    Der Grundfehler liegt bei den Eurokraten, die mit ihren Rahmenbedingungen "kein Euroland kann pleite gehen" ("Die Währungsgemeinschaft hat sich dem Ziel verordnet, die Zahlungsfähigkeit der Mitgliedsstaaten zu sichern....") eine "free profit machine" geschaffen hat. Noch immer gibt es keine Insolvenzverordnung für Staaten.
    Ohne Euro hätten sich die PIIGSZSLO nie so sehr verschulden können, denn die Zinsen für Spa und Ita lagen vor dem Euro bei über 12% (Gri über 20%), die Immoblase in Spa und Irl gäbe es nicht, nicht die maroden spanischen banken. Und ohne Euro hätten sich die nordeuropäischen Banken nie so sehr mit den PIGS eingelassen (hätten von vornherein hohe Risikoaufschläge gefordert). Gäbe es dennoch ein Pleite, wäre diese isoliert und würde nicht die Bankenlandschaft anderer Staaten ruinieren.
    Über den Euro durften die Menschen nicht abstimmen, genauso wenig darüber, ob sie für dessen Rettung zahlen wollen.
    Die Dilettanten, die den Euro einführten schreien immer lauter nach mehr Geld, anstatt Fehler einzugestehen und ihren Stuhl zu räumen, sind sie weiterhin Entscheidungsträger und stützen Lügen, betrügen, moral Hazard, Demontage der Demokratie und des Rechtsstaates.

  • 03.10.2012, 19:04 Uhrmelitaz

    Endlich hat sich die Bundesbank zu Wort gemeldet und das geplante Trennbankensystem bezweifelt! Es ist Schwachsinn in Deutschland ein System einführen zu wollen, dass es NIE gab, und dessen Folgen sowohl der Wirtschaft wie auch den Banken schaden wird. Gerade Steinbrück, der sich heute als "Retter der Steuerzahler" aufspielt, hat mehr als genug dazu beigetragen, dass Steuergelder, sei es bei der IKB, HRE, West-LB und anderen Banken, verbraten wurden! Von dem Deal mit der Commerzbank ganz zu schweigen, da hat man sogar auf die Verzinsung der Stillen Einlagen verzichtet, ohne irgendeine Nachzahlung zu fordern! Diesen Banken-Bashing ist mittlerweile unerträglich! Das Volk beschäftigt sich in der Mehrheit nicht mit Banken, bekommt den Begriff "Zockerei" vorgesetzt und springt auf den Zug auf! Doch hinterfragt man, was denn Investmentbanking ist, folgt das große Schweigen! Die Auswüchse, die es zweifellos gab, werden verallgemeinert und schon hat man den Sündenbock!
    Auch in einem Trennbankensystem wird es der Staat nich zulassen können, dass große Investmentbanken fallen! Das wissen die Politiker, aber sie sagen es ist! Was passiert eigentlich in wirtschaftlich schlechten Zeiten, wenn Geschäftsbanken in Schieflage geraten? Auch solche Fälle sind möglich, doch die blendet man aus, denn es sollen ja "nur die Investmentbanken" riskante Geschäfte betreiben, obwohl die Vergangenheit das Gegenteil belegt.

  • 03.10.2012, 14:18 Uhrconforma

    Rettungspläne, Rettungsgelder, Rettung durch Reformen - für die Staaten und deren Bevölkerungen.?? Das sind für mich die übelsten Lügen, Manipulationen und Volksverdummungen, ja sogar eine Volks-Verachtung ohnegleichen.
    Wer die kürzliche längere Dokumentation bei ARTE über GOLDMAN SACHS gesehen und gehört hat und auch die gestrige ARTE-Sendung "Der große Reibach" und gleich nachfolgend den zweiten Teil "Banken, Banker, Bankster" wird jede Illusion verloren haben über die gigantische Finanzmacht GOLDMAN SACHS und ein paar weitere der gleich-schmutzigen Ganoven-Finanz-Unternehmen. Es ist deren Interesse, sich die EU-Länder gefügig und abhängig zu machen, um ihre Finanzmacht weiter auszubauen. Und für GOLDMAN SACHS sind deren Leute eingeschaltet: Papademos, Monti, Draghi, genannt wurden auch Otmar Issing, Assmussen im EZB-Direktorium und etliche andere unter dem Einfluss von GOLDMAN SACHS stehende EU-Führungs-Leute. Ich persönlich glaube fest daran, dass Merkel, Schäuble, Steinbrück, der Banken- und "Bilderberger-Freund", unter dem Einwirkungs-Einfluss von GOLDMAN SACHS stehen. Und in den USA hat GOLDMAN SACHS eine ganze Reihe von ihren Leuten in den höchsten und hohen Regierungs-Ämtern platziert, die praktisch die Politik mittlerweile dominieren und weltweit wirken lassen. Ein Gesetz wurde erst kürzlich verabschiedet, demzufolge Politiker von Banken und Finanz-Instituten bezahlt werden können, damit sie ungestraft Auftrags-Politik betreiben können. Diese unheilvolle Entwicklung erleben wir gerade auch in Deutschland und der EU, wo schon genug Auftrags-Politiker platziert sind. FAZIT für mich: Die Rettungs-Gelder sind Volks-Ausbeutungs-Gelder, die den planmäßig und künstlich zu Gläubigern gemachten Banken und Finanz-Instituten zufließen und ihnen einen Milliarden-schweren Geld-Zufluss garantieren. Und in Deutschland sollten wir mittlerweile zur Genüge zur Kenntnis genommen und verstanden haben, wer diesem verbrecherischen System hilfreich zur Seite steht.

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