Euro Spezial 2012

Die WirtschaftsWoche und der Bayerische Rundfunk beantworten gemeinsam die 20 drängendsten Fragen zum Euro und Europa.

Kooperation mit dem Bayrischen Rundfunk

ThemaSchuldenkrise

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Der Euro - Ihr Geld: Welche Zukunft hat der Euro?

von Roland Tichy

Kritiker spekulieren über ein Ende des Euro. Doch die Politik hat sich festgelegt: Die Gemeinschaftswährung ist unumkehrbar. Der Euro also bleibt – doch in welcher Form und zu welchem Preis?

Der Euro wird bleiben. Doch mit welchen Mitgliedsstaaten und zu welchem Preis? Fest steht heute nur: Die Zukunft des Euro-Raums ist ungewiss.
Der Euro wird bleiben. Doch mit welchen Mitgliedsstaaten und zu welchem Preis? Fest steht heute nur: Die Zukunft des Euro-Raums ist ungewiss.

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Bleibt der Euro? Bleiben alle derzeitigen Länder im Euro – oder scheiden einzelne Länder wie Griechenland aus? Oder bilden sich zwei Euro-Blöcke – einer im Norden um Deutschland mit Holland, Belgien, Finnland und Österreich; und einer im Süden, mit Frankreich und Italien als Protagonisten? Diese Fragen können heute nicht abschließend beantwortet werden. Die Politik hat sich festgelegt: Der Euro ist unumkehrbar. Die Anstrengungen, die vielen hundert Milliarden Euro, die zur Rettung des Euro als Währungssystem mobilisiert wurden, bekräftigen den Anspruch der Politik. Der von ihr vorgezeichnete Weg ist deutlich: Schrittweise sollen die offenkundigen Fehler in der Euro-Konstruktion beseitigt werden.

Dabei geht es im Wesentlichen darum, zukünftig einzelne Länder daran zu hindern, sich zu hoch zu verschulden. Eine Vielzahl von Regelungen und Verträgen zwischen den Staaten, das so genannte „Sixpack“, soll dies verhindern. Das sind sicherlich die richtigen Schritte hin zu einer einheitlichen europäischen Wirtschaftspolitik, die notwendig ist, um eine einheitliche Währung zu ermöglichen. Aber dabei sind die Gemeinsamkeiten schon zu Ende.

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Die Südländer, angeführt von Frankreich, fordern einen weiteren Ausbau der Umverteilung aus Europa zu Lasten der nördlichen Stabilitätsländer, etwa durch Eurobonds, also einer gemeinschaftlichen Haftung aller für die Schulden – durch eine vereinheitlichte europaweite Bankaufsicht unter dem Dach der Europäischen Zentralbank und durch direkte Hilfsmaßnahmen für die wachstumsschwachen Länder Südeuropas. Außerdem soll Deutschland durch massive Lohnerhöhungen seinen Wettbewerbsvorsprung abbauen. Der Preis, den deutsche Politiker dafür verlangen, ist eine weitere Zentralisierung der Mitgliedsstaaten. So soll ein „Währungskommissar“ eingreifen können, wenn ein Euro-Mitgliedsland zu viele Schulden aufnimmt. Gerade das, die Abgabe nationaler Entscheidungsspielräume an Brüssel, wollen aber die anderen Staaten nicht.

Die Szenarien für den Euro-Raum

  • Szenario 1: Weiterwursteln

    Was passiert: Alles bleibt beim Alten
    Wahrscheinlichkeit: Hoch
    Folgen: Instabile Konjunkturentwicklung und hohes Maß an Planungsunsicherheit für europäische Unternehmen

  • Szenario 2: Grexit

    Was passiert: Griechenland verlässt die Euro-Zone
    Wahrscheinlichkeit: Mittel

    Folgen: Schwindendes Vertrauen in den Euro und Gefahr eines Dominoeffekts für Italien, Spanien, Portugal und Irland

  • Szenario 3: Fiskalunion

    Was passiert: Euro-Bonds mit gemeinsamer Schuldenhaftung
    Wahrscheinlichkeit: Mittel
    Folgen: Stabilisierung der Finanzmärkte, mehr Planungssicherheit für Unternehmen, aber mangelnde Akzeptanz in der Bevölkerung

  • Szenario 4: Nord-Euro

    Was passiert: Aufspaltung der Euro-Zone mit Nord- und Süd-Euro
    Wahrscheinlichkeit: Gering
    Folgen: Starker Nord-Euro gefährdet die Wettbewerbsfähigkeit der Nord-Zone und die Stabilität der innereuropäischen Lieferketten

Damit hat sich die Euro-Rettungspolitik festgefahren – bestenfalls. Denn viele Kritiker wie etwa der Chef des Münchner ifo-Instituts Hans-Werner Sinn befürchten, dass Deutschland schrittweise eben doch den südeuropäischen Forderungen nachgeben wird und immer neue Milliardentransfers akzeptieren muss. Deshalb fordert auch der SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück Bundeskanzlerin Angela Merkel auf, endlich die deutsche Bevölkerung über die wahren Lasten der Euro-Rettung zu informieren, die Steinbrück unvermeidlich auf Deutschland zukommen sieht.

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27 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 28.10.2012, 15:31 UhrJAN

    Sehr geehrter Herr Tichy,

    da Sie die Gedankengänge der Entscheider in Europa genauestens kennen, und auf Grund Ihrer Arbeit von diesen auch sehr geschätzt werden, verlieren Sie leider in meinen Augen an Glaubwürdigkeit.
    Sie vermeiden es, wie der Teufel das Weihwasser, sich kritisch mit den Verantwortlichen auseinander zu setzen.
    Ich bin kein Kritiker von Ihnen, sondern schätze Ihre Meinung sehr.
    Doch in Sachen Eurokrise verlieren Sie in meinen Augen langsam aber sicher Ihre Neutralität, die ich bei Ihnen immer so sehr geschätzt habe.
    Wo bleibt der Kämpfer, oder haben Sie den Kampf schon lange aufgegeben?
    Wenn man die Gefahr kennt, bleibt man lieber in Deckung, als seine Gesundheit aufs Spiel zu setzen. So ist sich Jeder selbst der Nächste!

    Gruß,
    JAN

  • 27.10.2012, 13:52 UhrMargrit

    Der Euro wird und vor allem kann nicht bleiben
    Ein Kunstgeld, denn das ist der Euro, lann nicht funktionieren
    Es war die größte kriminielle Tat nach 1945 dieses Kunstgeld einzuführen vor lauter EU-Hörigkeit
    Die Länder hatten immer eine unterschiedliche Wirtschaftsleistung, so war es eben ein Fehler, allen Ländern ein Geld aufzupfropfen zu gleichen Bedingungen, das konnte nicht gut gehen.
    Es waren vor Einführung genügend Warner da.
    Aber wo eben nur Dilettanten am Werk sind, die von Ideologie und Fanatismus getrieben sind, kann nichts gedeihen

  • 26.10.2012, 21:55 Uhrandesha

    Es könnte zur Erhellung des Szenarios äußerst hilfreich sein, der Frage nachzugehen, weshalb eine Währung eingeführt wurde, die rein logisch gar nicht funktionieren konnte.

    Wer hätte davon profitieren können? Wer hätte die Ergebnisse wollen können, die sich nun peu à peu entblättern? Wer ist der Nutznießer und welche Ziele könnten verfolgt werden?

    Es ist blauäugig zu glauben, es wäre schiere Dummheit gewesen, eine zum Scheitern verurteilte Währung einzuführen - das Gegenteil ist der Fall, es war sehr clever. Könnte dieser Euro nur Mittel zum Zweck gewesen sein? Dem Zweck der Machterhaltung der "Eliten" in einem sich bereits im Untergang befindlichen Geldsystem? Solcher Machterhalt ist nur möglich, wenn der "Gegner" vorab elementar geschwächt wird. Nun, Europa liegt am Boden - entweder bereits offensichtlich oder, wie im Falle D, absehbar.

    Es ist wichtig, auf den Kern der Sache zu kommen und sich nicht im Klein-Klein der täglichen und nur noch unwichtigen Entscheidungen und Abläufe zu verfangen. Das begünstigt nur einen weiteren womöglich erwünschten Effekt: die Feindseligkeit der Bürger Europas untereinander und das Verzetteln auf Nebenschauplätzen.

    Der einzige Weg gegen diktatorische Machenschaften besteht darin, wach, kritisch und hinterfragend zu sein, seine Werte zu vertreten und seine Fähigkeiten einzusetzen: die gesunde Mischung aus Menschenverstand, Empathie und Herz, Gerechtigkeitsgefühl und Mut.

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