Euro Spezial 2012

Die WirtschaftsWoche und der Bayerische Rundfunk beantworten gemeinsam die 20 drängendsten Fragen zum Euro und Europa.

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Euro-Krise: Profitiert Deutschland von der Euro-Krise?

von Konrad Fischer

Deutschland kann sich zum Nulltarif Geld leihen, die Wirtschaft brummt. Doch die Bundesrepublik sollte sich nicht zu früh freuen: Der Krisengewinner könnte schon bald zum großen Verlierer werden.

Sollte das Euro-Abenteuer am Ende gut ausgehen, dann gäbe es einen eindeutigen Gewinner: den deutschen Staat. Denn im Zuge der Krise haben sich die Refinanzierungskosten der Euro-Länder, die zuvor nahezu identisch waren, stark auseinander entwickelt. Deutschland bekommt frisches Geld beinahe zum Nulltarif, der spanische oder der italienische Staat muss den Gläubigern deutlich mehr als fünf Prozent Rendite bieten, um überhaupt Kreditgeber zu finden.

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Während die südeuropäischen Länder deshalb einen immer größeren Anteil ihres Haushalts für Zinszahlungen reservieren müssen, verkleinert sich dieser Posten in den Büchern von Finanzminister Wolfgang Schäuble. Nach jüngsten Berechnungen des Versicherungskonzerns Allianz spart der Bund allein durch die seit Beginn der Krise emittierten Anleihen in nächster Zeit über 10 Milliarden Euro Zinszahlungen pro Jahr. Insgesamt liegen die Einsparungen bereits bei 67 Milliarden Euro, mit jeder weiteren nahezu zinsfreien Kreditaufnahme wird es mehr.

Milliardenrisiko bringt Gewinne

Nicht nur über die günstige Kreditaufnahme profitiert der deutsche Staat von der Euro-Krise, im Moment bringt sogar das Milliardenrisiko Rettungsschirm Gewinne. Denn auch die Hilfskredite an Griechenland, Portugal und Irland sind mit Zinsen versehen – die anteilig auf die Gläubiger verteilt werden, auf Deutschland entfallen entsprechend des Finanzierungsanteils 27 Prozent. Mehr als 300 Millionen Euro Zinszahlungen hat Deutschland allein aus Athen bereits kassiert. Mit jedem weiteren Rettungspaket erhöht sich auch der deutsche Zinsgewinn – zumindest solange der Schuldner nicht pleitegeht.

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Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Denn auch in Deutschland gibt es Verlierer der außergewöhnlichen Zinssituation, und zwar millionenfach: die deutschen Sparer. Sie leiden darunter, dass ihnen – wie den institutionellen Anlegern an den Finanzmärkten – nur sehr niedrige Zinsen für ihr Geld geboten werden. Bei den meisten risikolosen Anlagen verlieren sie deshalb sogar real Geld, da die Inflationsrate bereits höher als die Zinsen auf Tagesgeld oder Staatsanleihen ist. Doch nicht nur diejenigen, die jetzt ihr Geld anlegen wollen, leiden unter den niedrigen Zinsen.

Auch Lebensversicherungen oder Pensionskassen, in denen Milliardensummen über einen langen Zeitraum gebunden sind, wirtschaften immer unprofitabler. Am Ende verringern sich auch die Auszahlungen entsprechend, nach Rechnung der Allianz mindestens in dem gleichen Umfang, in dem der Staat profitiert.

Zu den Gewinnern gehört auch hierzulande nur, wer sich gerade Geld leiht, zum Beispiel um das Eigenheim zu finanzieren. Die Zinsen dafür sind historisch niedrig – kein Wunder, dass der Bausektor gerade boomt wie kaum ein anderer.

6 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 10.10.2012, 07:32 Uhrder_Mahner

    Es ist mittlerweile kaum noch auszuhalten wie uns von Mainstreammedien versucht wird den Euro schmackhaft zu machen.
    Fakt ist das Projekt EURO ist längst gescheitert. Ein Feld bei dem die Pferde nicht auf der gleichen Seite des Pfluges ziehen kann nun mal nicht richtig beackert werden. Der Einheitswahn der Politik, die maßlose Gier der Banken zerstört innerhalb einer Dekade was in 60 jahren friedlicher Coexsistens mehr oder weniger Erfolgreich funktioniert. Der Euro ist für viele Länder (explizit die Südländer) nicht die Lösung sondern das Problem. Vor dem Euro konnten diese Länder ihre schwachen Handelsbilanzen mit der Währung ausgleichen. Dieser Effekt ging komplett verloren. Zudem ermöglichten die unrealistisch niedrigen Zinsen eine extreme Verschuldung welche ohne diese Niedrigzinsen nicht möglich gewesen wäre.
    Die Dt. Wirtschaft profitiert insofern natürlich kurzfristig vom Euro. Faktisch hat die BRD durch die enormen finanziellen Risiken (Verschuldung der anderen Länder) nichts anderes gemacht als einen von Ihr selbst geschaffenen kreditfinanzierten Markt zu schaffen.

    Der Arbeitnehmer hatte davon so gut wie nichts. Im Gegenteil, jahrelanger Lohnverzicht und jetzt darf er noch die aber Mrd. an Schulden (den Konsum, frühe Rente, abertausende leerstehende Wohnungen, Panzer U-Boote usw.) mit harter Arbeit zurückbezahlen.
    Der Bürger muss sich darauf einrichten das die Regierung weiterhin nahezu jedes selbst aufgestellt Gesetz brechen wird und die arbeitende Bevölkerung gnadenlos zu Kasse gebeten wird. Zwangsanleihe (Zenus als Datenquelle), PKW Maut, Energiegesetz usw.
    Es wäre zu wünschen dass der Bürger sich dieses mal früher auf die Strasse begibt solange das ganze noch einigermassen friedlich beendet werden kann. Ansonsten befürchte ich leider das beim unausweichlichen Crash schnell wieder ein vermeintlicher Heilsbringer auftaucht der viel viel leid über Europa bringen wird.

  • 10.10.2012, 06:27 UhrWegweiser

    Ökonomische Ungleichgewichte, steigende Verschuldungen, immer neue Garantien und Rettungsversuche, eine Notenbankpolitik, die nur noch dem bedingungslosem Erhalt dieser Währungsunion dient. Das ist die Realität innerhalb von Europa.

    EFSF, ESM, Target 2, ELA, LTRO ohne ausreichende Absicherung, eine real vorhandene Kapitalflucht aus vielen Ländern sind zu den Markenzeichen dieser Währungsunion geworden. Diese zeigen jedoch das wahre Ausmaß der tatsächlichen ökonomischen Problemstellungen an. Tragfähige Lösungsansätze sucht man vergebens. Der Euro ist und der Euro war ein rein politisches Projekt mit dem Versuch der Sachzwangeinigung hin zu mehr EUropa. Es erweist sich immer mehr als ein Sprengsatz für dieses Europa, das in Verarmung, in Überschuldungen und wachsenden politischen Konflikten mündet. Statt ökonomischer Prosperität entwickelt es sich zu einer Transfer- und Haftungsvergemeinschaflichungszone ohne jegliche Zukunftsperspektive.

  • 09.10.2012, 21:54 UhrEpping

    Vielleicht umschreibt ja dieser Artikel, wie so viele andere, das eigentliche Problem der Europa- EU- Euro- Schulden- Bankenkrise viel besser, als der Autor womöglich selber ahnt:
    Es geht nur um Geld!
    Geld, Geld, Geld!
    Gibt es denn gar nichts anderes mehr?
    Wenn es wirklich nur das ist: Sollen "sie" doch ersticken an ihrem Geld, kommt eh´nicht drauf an.
    Ich weiss, daß dies nur ein kleines Pamphlet ist, aber vielleicht regt es den Einen oder Anderen zum Nachdenken an.

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