Euro-Krise: Profitiert Deutschland von der Euro-Krise?

Euro-Krise: Profitiert Deutschland von der Euro-Krise?

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RundschauVerdient Deutschland an der Krise?
von Konrad Fischer

Deutschland kann sich zum Nulltarif Geld leihen, die Wirtschaft brummt. Doch die Bundesrepublik sollte sich nicht zu früh freuen: Der Krisengewinner könnte schon bald zum großen Verlierer werden.

Sollte das Euro-Abenteuer am Ende gut ausgehen, dann gäbe es einen eindeutigen Gewinner: den deutschen Staat. Denn im Zuge der Krise haben sich die Refinanzierungskosten der Euro-Länder, die zuvor nahezu identisch waren, stark auseinander entwickelt. Deutschland bekommt frisches Geld beinahe zum Nulltarif, der spanische oder der italienische Staat muss den Gläubigern deutlich mehr als fünf Prozent Rendite bieten, um überhaupt Kreditgeber zu finden.

Während die südeuropäischen Länder deshalb einen immer größeren Anteil ihres Haushalts für Zinszahlungen reservieren müssen, verkleinert sich dieser Posten in den Büchern von Finanzminister Wolfgang Schäuble. Nach jüngsten Berechnungen des Versicherungskonzerns Allianz spart der Bund allein durch die seit Beginn der Krise emittierten Anleihen in nächster Zeit über 10 Milliarden Euro Zinszahlungen pro Jahr. Insgesamt liegen die Einsparungen bereits bei 67 Milliarden Euro, mit jeder weiteren nahezu zinsfreien Kreditaufnahme wird es mehr.

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Milliardenrisiko bringt Gewinne

Nicht nur über die günstige Kreditaufnahme profitiert der deutsche Staat von der Euro-Krise, im Moment bringt sogar das Milliardenrisiko Rettungsschirm Gewinne. Denn auch die Hilfskredite an Griechenland, Portugal und Irland sind mit Zinsen versehen – die anteilig auf die Gläubiger verteilt werden, auf Deutschland entfallen entsprechend des Finanzierungsanteils 27 Prozent. Mehr als 300 Millionen Euro Zinszahlungen hat Deutschland allein aus Athen bereits kassiert. Mit jedem weiteren Rettungspaket erhöht sich auch der deutsche Zinsgewinn – zumindest solange der Schuldner nicht pleitegeht.

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Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Denn auch in Deutschland gibt es Verlierer der außergewöhnlichen Zinssituation, und zwar millionenfach: die deutschen Sparer. Sie leiden darunter, dass ihnen – wie den institutionellen Anlegern an den Finanzmärkten – nur sehr niedrige Zinsen für ihr Geld geboten werden. Bei den meisten risikolosen Anlagen verlieren sie deshalb sogar real Geld, da die Inflationsrate bereits höher als die Zinsen auf Tagesgeld oder Staatsanleihen ist. Doch nicht nur diejenigen, die jetzt ihr Geld anlegen wollen, leiden unter den niedrigen Zinsen.

Auch Lebensversicherungen oder Pensionskassen, in denen Milliardensummen über einen langen Zeitraum gebunden sind, wirtschaften immer unprofitabler. Am Ende verringern sich auch die Auszahlungen entsprechend, nach Rechnung der Allianz mindestens in dem gleichen Umfang, in dem der Staat profitiert.

Zu den Gewinnern gehört auch hierzulande nur, wer sich gerade Geld leiht, zum Beispiel um das Eigenheim zu finanzieren. Die Zinsen dafür sind historisch niedrig – kein Wunder, dass der Bausektor gerade boomt wie kaum ein anderer.

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