Die Daten sprechen eine eindeutige Sprache: Der deutschen Wirtschaft steht eine Durststrecke bevor. Seit Frühjahr diesen Jahres haben sich die Geschäftsaussichten der Unternehmen deutlich eingetrübt. Der ifo-Index, das wichtigste Stimmungsbarometer der deutschen Wirtschaft, ist im Oktober den fünften Monat in Folge gefallen und erreichte mit 101,4 Punkten den niedrigsten Stand seit Februar 2010. Die schlechten Aussichten zeigen sich auch in der Entwicklung der Auftragseingänge. Diese sanken im August um 4,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Analysten der Commerzbank gehen deshalb davon aus, dass die deutsche Wirtschaft im vierten Quartal schrumpft.
Bild: APEine Studie zeigt jetzt aufs Neue, dass die Angelsachsen mit der „German Angst“ grundsätzlich nicht falsch liegen: Auch 2012 wird in der Bundesrepublik wie eh und je gefürchtet. Anders als die Definition der „German Angst“ jedoch impliziert, sind es dabei aber keineswegs diffuse Ängste, die die Deutschen umtreibt. In der am Donnerstag veröffentlichten R+V-Langzeitstudie „Die Ängste der Deutschen“ erreichen in diesem Jahr ausschließlich wirtschaftlich-politische Sorgen Spitzenwerte.
Bild: APSchuldenkrise
Fast drei Viertel aller Deutschen sind sich einig: Die Schuldenkrise einiger EU-Mitgliedsstaaten, wie Griechenland, Portugal, Spanien und Italien, sowie die Auswirkungen des Schuldenkrisenmanagements für den deutschen Steuerzahler bereiten die größten Sorgen. Mit 73 Prozent erreicht diese Angst den zweithöchsten Wert, der jemals in der Ängste-Studie gemessen wurde (2011: 70 Prozent).
Bild: dpaKonjunktureinbruch
Gleichzeitig liegt die Sorge vor einem Konjunktureinbruch gegenüber dem Vorjahr um vier Punkte höher: Sie kletterte von 48 auf 52 Prozent. „Die Sorgen der Mehrheit der Befragten sind verständlich“, so Professor Manfred Schmidt, Professor der Politikwissenschaften an der Universität Heidelberg: „Deutschlands Wirtschaft wächst langsamer als zuvor.“ Viele befürchteten, dass Europas Schuldenkrise Deutschlands Steuerzahler teuer zu stehen komme, so Schmidt.
Bild: dpaEuro-Zusammenbruch
Zudem befürchten 2012 zwei Drittel aller Deutschen (65 Prozent), dass der Euro durch die Schuldenkrise gefährdet ist. Diese Angst ist gegenüber dem Vorjahr um 5 Prozentpunkte gestiegen.
Bild: dpaEntscheidungen aus Brüssel
Darüber hinaus grassiert bei den Deutschen auch die Furcht vor politischem Missmanagement in Brüssel. 60 Prozent aller Befragten sehen die Finanz- und Wirtschaftskraft Deutschlands durch Beschlüsse der Europäischen Union gefährdet.
Bild: dpaSteigende Lebenshaltungskosten
Die Studie wird seit mehr als 20 Jahren im Auftrag der R+V-Versicherung erstellt, rund 2.500 Bürger werden dafür jedes Jahr nach ihren größten Ängsten befragt. Bei den Ängsten, die standardmäßig abgefragt werden, ist die Furcht vor steigenden Lebenshaltungskosten erneut mit 63 Prozent Spitzenreiter. Die Befürchtung, dass alles immer teurer wird, ist ein Dauerbrenner im Ängste-Ranking und war in den vergangenen 20 Jahren insgesamt 13 Mal auf dem ersten Platz.
Bild: dapdÜberforderung der Politiker
Seit Jahren zweifelt die Mehrheit der Deutschen zudem daran, dass die Volksvertreter ihren Aufgaben gewachsen sind. Mit 55 Prozent rangiert die Furcht vor der Überforderung der Politiker in diesem Jahr auf Platz 2, gefolgt von der Befürchtung, dass sich die Wirtschaftslage verschlechtern könnte.
Bild: dpaEigene Arbeitslosigkeit
Immerhin: Einige Schreckensgespenste haben in den vergangenen zwölf Monaten bezüglich ihres Bedrohungspotenzials eingebüßt. Trotz des sinkenden Vertrauens in die wirtschaftliche Entwicklung ist die Angst, den eigenen Job zu verlieren, gegenüber dem Vorjahr bundesweit um 4 Prozentpunkte zurückgegangen und erreicht damit den niedrigsten Wert der Studie – nur 1994 war diese Sorge schon einmal so gering. Im Bundesdurchschnitt treibt nur noch etwa jeden dritten Deutschen (32 Prozent) die Angst vor dem Verlust seines Arbeitsplatzes um. Das sei einerseits auf die aktuell vergleichsweise niedrige Arbeitslosenquote von unter sieben Prozent zurückzuführen, so Professor Schmidt: „Deutschlands Arbeitsmarkt ist insgesamt betrachtet robust – und die Arbeitslosigkeit ist seit einigen Jahren wieder niedriger als im Durchschnitt der westlichen Länder.“
Bild: APPflegefall im Alter
Ein weiterer Lichtblick: Trotz kontinuierlich steigender Pflegezahlen nimmt die Angst davor, später einmal zum Pflegefall zu werden, nicht zu. Sie liegt mit 50 Prozent auf Platz 5 der Ängste-Skala (2011: Platz 3). Das ist zwar der niedrigste Wert seit 14 Jahren, aber immer noch ein klares Zeichen dafür, dass mindestens die Hälfte der Befragten befürchtet, später einmal als Pflegefall anderen zur Last zu fallen. In dieser Frage zeigt sich auch einer der deutlichsten Unterschiede zwischen den Geschlechtern: 55 Prozent aller Frauen hegen hier große Befürchtungen, im Vergleich zu 45 Prozent der Männer. Hinzu kommt ein Alterseffekt: Erst ab einem Alter von 40 Jahren rückt das Thema Pflegefall stärker ins Bewusstsein und beschäftigt zumindest mehr als jeden zweiten Deutschen.
Bild: APTerrorismus
Weiter auf dem Rückzug ist die Furcht der Deutschen noch bei einem anderen Punkt. Mit jeweils 11 Prozentpunkten sind die Ängste vor Terroranschlägen und einem Krieg mit deutscher Beteiligung am stärksten gesunken. Die Furcht davor, dass Terroristen ein Attentat verüben, liegt mit 39 Prozent auf dem niedrigsten Wert seit den Anschlägen vom 11. September 2001. Sie rangiert damit in diesem Jahr nur noch im Mittelfeld aller Ängste.
Eine Studie zeigt jetzt aufs Neue, dass die Angelsachsen mit der „German Angst“ grundsätzlich nicht falsch liegen: Auch 2012 wird in der Bundesrepublik wie eh und je gefürchtet. Anders als die Definition der „German Angst“ jedoch impliziert, sind es dabei aber keineswegs diffuse Ängste, die die Deutschen umtreibt. In der am Donnerstag veröffentlichten R+V-Langzeitstudie „Die Ängste der Deutschen“ erreichen in diesem Jahr ausschließlich wirtschaftlich-politische Sorgen Spitzenwerte.
Im nächsten Jahr sieht es kaum besser aus: Die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute halbierten in ihrem Herbstgutachten ihre Wachstumsprognose für 2013 auf 1,0 Prozent. Wenn Investoren und Unternehmer noch heftiger an der Zukunft des Euro zweifeln, sei auch eine Rezession möglich, so die Institute in ihrem Gutachten. Die deutsche Wertschöpfung könnte um bis zu 0,5 Prozent schrumpfen. Auch die Bundesregierung senkte in ihrem Herbstgutachten die Wachstumsprognose für nächstes Jahr auf 1,0 Prozent. Bislang war sie von 1,6 Prozent ausgegangen.

Schon jetzt sind die Unternehmen verunsichert. Die Angst vor einem Auseinanderbrechen des Euro macht sie bei Neuanschaffungen wie etwa Maschinen sehr vorsichtig. So fallen die Ausrüstungsinvestitionen seit Ende des vergangenen Jahres. Im zweiten Quartal gaben diese um 3,1 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum nach. Vor allem die gut laufenden Exporte bewahren die Deutschen bisher vor einem Abschwung. Das liegt in erster Linie an der starken Nachfrage außerhalb des Euroraums.

Doch in den nächsten Monaten wird ein raueres weltwirtschaftliches Klima die Ausfuhren bremsen. Wenn dann noch die inländischen Investitionen weiter einbrechen, weil die Euro-Krise sich erneut zuspitzt, droht der deutschen Wirtschaft eine Rezession. Und das ist sehr wahrscheinlich, denn ein Ende der Krise ist fern. Mit dem neuen Anleihekaufprogramm gibt die EZB den Krisenländern noch mehr Zeit, die notwendigen Reformen auf die lange Bank zu schieben. Doch das notwenige Vertrauen von Investoren und Anlegern wird sie dadurch nicht dauerhaft gewinnen können.
Dabei ist die Ausgangslage für die deutsche Wirtschaft gut. Erneut sanken die ohnehin schon niedrigen Geldmarktzinsen. Zwar war der Euro zuletzt etwas stärker, doch der reale Außenwert einer fiktiven D-Mark ist immer noch drei Prozent niedriger als im Vorjahr - das erhöht die preisliche Wettbewerbsfähigkeit der Exporteure. Die Institute erwarten für 2013 steigende Einkommen, der reale Kaufkraftzuwachs wird bei 1,1 Prozent liegen. Die Arbeitslosenquote soll auf 6,7 Prozent sinken: Wäre die Euro-Krise nicht, würde unsere Wirtschaft kräftig boomen.











