Euro Spezial 2012

Die WirtschaftsWoche und der Bayerische Rundfunk beantworten gemeinsam die 20 drängendsten Fragen zum Euro und Europa.

Kooperation mit dem Bayrischen Rundfunk

ThemaEZB

alles zum Thema
_

Europäische Zentralbank: Bricht EZB-Präsident Draghi das Gesetz?

von Anne Kunz

Die juristischen Zweifel am Anleihe-Kaufprogramm der EZB wachsen. Ihre Kritiker wollen die unbegrenzten Hilfen mit allen Mitteln verhindern. Die Bundesbank teilt ihre Bedenken, schweigt aber öffentlich.

Die Diskussion über die unbegrenzten Käufe von Staatsanleihen ist nach wie vor in vollem Gange - Draghi sieht sich aber trotz der Kritik auf der sicheren Seite Quelle: dapd
Die Diskussion über die unbegrenzten Käufe von Staatsanleihen ist nach wie vor in vollem Gange - Draghi sieht sich aber trotz der Kritik auf der sicheren Seite Quelle: dapd

Der Streit darüber, ob die unbegrenzten Käufe von Staatsanleihen rechtmäßig sind, reißt nicht ab. Er könnte dafür sorgen, dass sich die im August angekündigte Rettungsmaßnahme deutlich verzögert. Kritiker fordern eine Klage vor dem Europäischen Gerichtshof. So äußerte etwa der hessische Europaminister und Vize-Ministerpräsident Jörg-Uwe Hahn (FDP) die Hoffnung, dass sich die Bundesbank einem Anleihekauf widersetzt, um so eine Überprüfung vor dem Europäischen Gerichtshof in Luxemburg zu erzwingen. Von Anwälten ist bekannt, dass sie eine Klage gegen die Anleihekäufe vorbereiten. Auf Seiten der Notenbanken hat das Verunsicherung hervorgerufen. EZB und Bundesbank überprüfen derzeit die Rechtmäßigkeit der Käufe.

Anzeige

Die EZB hatte im August beschlossen, notfalls unbegrenzt Anleihen von Euro-Krisenstaaten zu kaufen, um so die Zinslast für angeschlagene Schwergewichte wie Spanien und Italien zu drücken. Doch das halten viele für Staatsfinanzierung über die Notenpresse und damit für strengstens verboten.

EZB-Chef Mario Draghi streitet das ab: „Wir bewegen uns innerhalb unseres Mandats.“ Die Notenbank kümmere sich nur um die Preisstabilität, sie betreibe Geldpolitik, wie es ihre Aufgabe ist. „Wir finanzieren keine Regierungen“, beteuert Draghi.

Allgemeine Uneinigkeit
Bundesbank-Präsident Jens Weidmann hat seine Ablehnung der Anleihekäufe wiederholt öffentlich betont. Allerdings aus ökonomischen Gründen. Bisher hat er es vermieden, die Anleihekäufe öffentlich als rechtswidrig zu bezeichnen. Anders sein Vorstandskollege Carl-Ludwig Thiele. Als er in einer Rede im Frühjahr die Käufe als Staatsfinanzierung über die Notenpresse und damit dem Gesetz widersprechend bezeichnete, distanzierte sich Weidmann von ihm. Dies sei die Privatmeinung Thieles und nicht die der Bundesbank, hieß es damals.

6 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 08.10.2012, 10:23 Uhrdyndre53

    DEU kann die Pleiteunion gar nicht verlassen-die gibts nur wegen der antideutschen Interessen der westlichen Besatzungsmächte von jüdisch Bankengnaden-seit 1945!!! Fragen Sie mal die Kanzlerin! Ich habe bisher noch keine Antwort bekommen-noch nicht einmal ein vorgefertigtes Schreiben, wie eigentlich üblich in einer "Demokratie"! Denen kann man nur das Licht ausblasen, wenn man in DEU die Geldströme trockenlegt. Das geht bei der Steuerpflicht los, die angefangen beim GG quer durch alle StGesetzte gar nicht existiert-siehe AO: §"Inkrafttreten"-LEER!!!!! Laut Lizenzbedingungen der ELSTER-Software, auch Voraussetzung für die Nutzung durch Finanzamt-Sachbearbeiter, ist die Steuerzahlung ans FA eien Schenkung! Muß auch so sein, sonst wäre es Veruntreuung durch Schäuble und seine Behörde. Wir werden alle durch eine Privatfirma nach Handelsrecht mit 25,000€ Haftungskapital spätestens seit 1990 jämerlich verarscht. Name der Firma: BRD.

  • 07.10.2012, 20:12 UhrNoBailOut

    "Dem Euro geht es gut, er wird ewig bestehen, und es werden neue Mitglieder der Währungsunion beitreten." So spricht also der Generalsekretär der OECD - und gibt damit mehr über seinen Intellekt und seinen Charakter preis, als ihm lieb sein kann.

    - dem Euro geht es gut: Und was ist mit den 50% arbeitslosen Jugendlichen in Spanien, Portugal und Griechenland?

    - er wird ewig bestehen: Nun gut, ewige Wahrheiten kennt der Osten Deutschlands und Europas zur Genüge aus der Geschichte. Das Imperium Romanum, das Britische Empire, das Tausendjährige Reich und der Sozialismus waren ja bekanntlich auch für die Ewigkeit oder extrem lange Zeiträume konzipiert.

    - neue Mitglieder werden ihm beitreten: Ja klar, Großbritannien allen voran. Vor allem solche Staaten werden ihm beitreten, bei denen man die Bevölkerung wohlweislich vorher nicht gefragt hat.

  • 05.10.2012, 17:51 Uhrmichel

    Was jetzt ablaufen soll widerspricht jeder Logik und gesundem Menschenverstand. Wenn die EZB in großem Stil Staatsanleihen maroder Staaten aufkauft ist recht schnell der Punkt "of no return" erreicht. Ab da kann niemand mehr zurück und die wenigen, noch halbwegs soliden Eurostaaten, gehen auch noch pleite. Solidarität ist an sich nichts verwerfliches, es muss aber was vernünftiges dabei rauskommen. Ich denke, wenn die ersten Staaten nach Griechenland erst einmal unter den ESM geschlüpft sind, wird das eine Dauereinrichtung mit Suchteffekt. Da wird niemand mehr aussteigen und das ganze "Stabiltätsgeschwafel durch Schuldenreduktion und Schuldenabbau" ist nicht mehr als ein Märchen. Allen muss klar sein, Staaten die dermaßen verschuldet sind haben in einer gemeinsamen "Starkwährung" null Chancen sich zu entschulden. Spätestens in ein paar Jahren, wenn es überhaupt solange gut geht, wird uns allen klar sein, das wir von inkompetenten Dilettanten in den Ruin geführt wurden. Während 90% der Bevölkerung danach wieder bei Null beginnen dürfen, genießen diese Herrschaften ihre Pensionen und Altersversorgung dort wo es noch schön ist und das Elend nicht ständig sichtbar. Wir sollten nicht vergessen, das all die Versager, die für die aktuelle Katastrophe verantwortlich sind, immer noch an Bord sind und uns vermitteln wollen, sie hätten die Kompetenz die Krise zu lösen. Wenn es nicht so traurig wäre könnte man lachen. Man kann nur hoffen, das Deutschland, eventuell mit ein paar soliden Staaten, aus diesem unsoliden Schuldenkarussell aussteigt, damit wenigsten noch ein stabiler Kern von Europa erhalten bleibt. Ansonsten wird es bald zu nationalistischen Veränderungen kommen, bei denen man davon ausgehen kann, das sie gewalttätig enden. Damit ist keinem gedient. Irgendjemand scheint die Parole rausgegeben zu haben, wenn wir untergehen, dann gemeinsam. Dazur möchte ich als Bürger unseres Landes aber gefragt werden.

Alle Kommentare lesen

Das Aktuelle Heft

Wirtschaftswoche

WirtschaftsWoche 21 vom 18.05.2013

iTunes Vorschau - WirtschaftsWoche