Athen benötigt einen Neuanfang
Bild: dpaAndrew Haldane, führender Banker in Sachen Finanzstabilität bei der Bank of England, hat vor dem Platzen der größten Anleihe-Blase der Geschichte gewarnt. Diese sei von den Zentralbanken erzeugt worden, indem sie massiv elektronisches Geld in die Wirtschaft gepumpt hätten. Das Platzen dieser Blase sei ein akutes Risiko, zitiert ihn der "Guardian". "Lassen Sie uns ganz deutlich sein: Wir haben bewusst die größte Staatsanleihen-Blase in der Geschichte aufgeblasen“, sagte Haldane.
Bild: Darren SohStar-Investor Marc Faber, auch bekannt als "Dr. Doom", zeigt sich beunruhigt durch die anhaltende Geldflut der Notenbanken. Hierdurch sei eine Blase bei Aktien, Anleihen und Immobilien, aber auch bei Kunstobjekten entstanden. Das Problem sei, dass das Notenbanken-Geld nicht gleichmäßig im System ankomme. "Die wirtschaftliche Aktivität und die Preise der Geldanlagen steigen nicht im Gleichschritt. Diese Entwicklung befeuert Exzesse in einzelnen Ländern und Assetklassen“, erklärt Faber. Das Gelddrucken habe schon die Blasen während den Dot-Com-Hypes, vor dem Immobiliencrash und bei Rohstoffen verursacht. "Noch ein oder zwei Monate, bevor der Kollaps kommt", sagte Faber in einem Interview mit dem US-Anlegermagazin „Barron's“. Anlegern stehen seiner Ansicht nach schwere Zeiten bevor.
Bild: dpaAltkanzler Helmut Schmidt ist ein Freund klarer Worte. Bei einem Treffen mit dem früheren französischen Präsidenten Valéry Giscard d'Estaing am Mittwochabend in Paris sagte er, es gebe zwar keine Euro-Krise, aber eine Krise der Institutionen in Europa. Giscard d'Estaing pflichtete Schmidt bei: Er sagte, die einzige Institution, die funktioniere, sei die EZB. Er warnte außerdem vor einem "Desaster" bei den Europawahlen 2014, sollte es bis dahin keine Verbesserungen geben. Der ehemalige französische Präsident schlug die Einrichtung einer Gruppe unter deutsch-französischem Vorsitz vor, die ein monatliches Treffen der Staats- und Regierungschefs der Euro-Zone organisiert.
Der frühere Bundeskanzler knüpft mit seiner Kritik an die Worte von EU-Kommissar Oettinger an...
Bild: dpaLaut einem Bericht der "Bild"-Zeitung äußerte sich EU-Kommissar Günther Oettinger (CDU) in einer Rede vor der Deutsch-Belgisch-Luxemburgischen Handelskammer sehr besorgt über die Lage in Frankreich und anderen EU-Ländern. "Europa ist ein Sanierungsfall", zitierte das Blatt Oettinger. "Mir macht Sorge, dass derzeit zu viele in Europa noch immer glauben, alles werde gut." Brüssel habe "die wahre schlechte Lage noch immer nicht genügend erkannt". Auch die Lage in einigen EU-Mitgliedsländern sei besorgniserregend. "Mir machen Länder Sorgen, die im Grunde genommen kaum regierbar sind: Bulgarien, Rumänien, Italien", zitierte die Zeitung Oettinger. Dazu komme, dass in vielen Ländern EU-kritische Bewegungen stärker würden. In Großbritannien regiere Premier Cameron mit einer "unsäglichen Hinterbank, seiner englischen Tea-Party". Besorgt äußerte sich Oettinger auch zur wirtschaftlichen Lage Frankreichs. Das Land sei "null vorbereitet, auf das, was notwendig ist."
Bild: dpaDie europäische Währungsunion kann nach Ansicht von EZB-Präsident Mario Draghi gestärkt aus der Krise kommen, wenn die Regierungen ihre Hausaufgaben machen und nationale Egoismen nicht die Oberhand gewinnen. Schon heute sei die Euro-Zone stabiler als noch vor einem Jahr, sagte Draghi. Nach der tiefen Finanz- und Wirtschaftskrise habe Europa damit begonnen, sich wieder auf seine Stärken zu besinnen und weitere Integrationsschritte unternommen. "Wir können heute mit Fug und Recht sagen, dass die Wirtschaft- und Währungsunion stabiler ist, als sie es vor einem Jahr war." Auch die Investoren an den Finanzmärkten seien nun davon überzeugt, "dass der Euro eine starke und stabile Währung ist".
Bild: REUTERSBundesbank-Präsident Jens Weidmann warnt vor nachlassenden Reform- und Sparbemühungen auch in Ländern, die unter hoher Jugendarbeitslosigkeit leiden. „Kurzlebige Konjunktur- und Ausgabenprogramme und immer höhere Schulden für nachfolgende Generationen schaffen aber keine nachhaltigen Arbeitsplätze, die dringend benötigt werden“, sagte Weidmann der „WAZ“-Mediengruppe. „Als Schwergewicht in der Währungsunion hat Frankreich eine besondere Vorbildfunktion. Gerade jetzt, da wir uns schärfere Regeln zum Defizitabbau gegeben haben, sollten wir deren Glaubwürdigkeit nicht dadurch in Frage stellen, dass wir deren Flexibilität voll ausreizen. Was wir jetzt brauchen ist Vertrauen in die Sanierung der Staatsfinanzen“, sagte Weidmann. Weidmann meinte: „Frankreich hat zwar in den vergangenen Jahren sein Haushaltsdefizit verringert, nach der Prognose der EU-Kommission beläuft es sich in Frankreich in diesem Jahr aber immer noch auf knapp 4 Prozent und wird im nächsten Jahr sogar wieder leicht steigen. Das ist für mich kein Sparen.“
Bild: REUTERSDer Chef des ifo Instituts für Wirtschaftsforschung, Hans-Werner Sinn, antwortete in einem Interview mit der Zeitung "Die Welt" auf die Frage nach der Zukunft des Euros: "Natürlich kann Deutschland auch ohne den Euro existieren. Die Horrorszenarien, die für einen Austritt gemalt werden, sind allesamt übertrieben. Insbesondere stimmt es nicht, dass die Exportindustrie dann kaputt ginge." Es gäbe sogar - rein technisch gesehen - allerlei Vorteile.
Allerdings, so sagt der Ökonom, sollte Deutschland den Euro aus politischen Gründen nicht verlassen. Der Euro sei ein zentrales europäisches Integrationsprojekt. Außerdem würde ein Deutscher Euro-Austritt die Auslandsforderungen der deutschen Banken und Versicherungen sowie die alten Target-Forderungen der Bundesbank entwerten. "Wenn ein Land mit dem Euro nicht zurechtkommt, weil es nicht mehr wettbewerbsfähig ist, sollte es besser selbst austreten. Deutschland sollte aufhören, solche Länder künstlich mit immer mehr öffentlichen Krediten, die nie zurückgezahlt werden, im Euro zu halten", so Sinn weiter.
Bild: dpaBundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hat Kritik an der Sparpolitik in Europa zurückgewiesen. „Die Schulden waren ja die Ursache der Krise, in der wir stecken“, sagte er am 25. April im Deutschlandfunk. „Jetzt zu sagen, wir machen wieder mehr Schulden, dann würde das Elend nur von neuem beginnen, das wäre genau die falsche Antwort.“ EU-Kommissionschef José Manuel Barroso hatte am Montag bei einer Diskussion in Brüssel gesagt, die gegenwärtige Politik stoße an ihre Grenzen. Schäuble betonte, die Jugendarbeitslosigkeit sei das größte Problem in Europa. Eine Abkehr von der Sanierung der öffentlichen Haushalte sei aber nicht der richtige Weg, um es zu lösen.
Bild: REUTERSBundesbank-Präsident Jens Weidmann hat angesichts der expansiven Geldpolitik der japanischen Notenbank vor der Gefahr eines weltweiten Abwertungswettlaufs gewarnt. "Die G20 haben jüngst unterstrichen, dass die Geldpolitik nicht darauf abzielen darf, den Wechselkurs zu manipulieren, und dass ein Abwertungswettlauf am Ende allen schadet", sagte Weidmann dem "Handelsblatt“. "Daran sollten sich alle Beteiligten orientieren.“ Eine nachhaltige Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit und der Wirtschaftskraft lasse sich damit auch nicht erreichen. "Vielmehr lenkt der Blick auf die Wechselkurse oder die Geldpolitik von den strukturellen Herausforderungen ab, denen sich viele Länder derzeit stellen müssen.“
Bild: dpaDer Präsident des Hamburger Weltwirtschafts-Instituts (HWWI), Thomas Straubhaar, hat vor einer Abschaffung des Euro gewarnt. Wenn die Euro-Zone zerbreche, dann würden die Zentrifugalkräfte in Europa größer. „Eine Renationalisierung würde Europa um Jahre zurückwerfen“, sagte Straubhaar. Der Euro sei besonders für einen Außenhandelsstandort wie Hamburg von immenser Bedeutung, sagte der Wissenschaftler. Durch den Euro könnten deutsche Unternehmen Milliarden im täglichen internationalen Zahlungsverkehr sparen.
Andrew Haldane, führender Banker in Sachen Finanzstabilität bei der Bank of England, hat vor dem Platzen der größten Anleihe-Blase der Geschichte gewarnt. Diese sei von den Zentralbanken erzeugt worden, indem sie massiv elektronisches Geld in die Wirtschaft gepumpt hätten. Das Platzen dieser Blase sei ein akutes Risiko, zitiert ihn der "Guardian". "Lassen Sie uns ganz deutlich sein: Wir haben bewusst die größte Staatsanleihen-Blase in der Geschichte aufgeblasen“, sagte Haldane.
Der Internationale Währungsfonds und die Euro-Zone sprachen damals von einer Trendwende. Griechenland – so die Prognose – werde bis 2020 seine Schuldenlast auf 120 Prozent des BIPs senken können. Doch die Hoffnung ist längst überholt. Athen konnte sich aus dem Schuldenstrudel nicht befreien. Die Haushaltslücke wird immer größer, die Steuereinnahmen schrumpfen stärker als man sparen kann. Zum Ende des Jahres wird Griechenland Schulden in Höhe 343,8 Milliarden Euro aufgetürmt haben, nur rund zwölf Milliarden weniger als Ende 2011, sprich vor dem Haircut für Hellas. „Die Wirkung des Schuldenschnitts ist verpufft“, sagt Martin Faust, Professor für Bankbetriebslehre an der Frankfurt School of Finance and Management.
Der Grund: „Viele der griechischen Anleihen wurden zuvor zurückgezahlt oder hatten den Besitzer gewechselt: weg von den privaten Gläubigern, hin zur EZB. Die privaten Gläubiger machten zum Zeitpunkt des Schuldenschnitts für Griechenland nur noch einen geringen Anteil aus. Und die Schulden, die bei der Notenbank lagen, wurden nicht entsprechend abgewertet.“
Faust hat keine Zweifel, dass Griechenland einen neunen, radikaleren Haircut braucht. „Das Land kann seine Probleme nicht selbst in den Griff bekommen. Ich denke, wir brauchen einen weiteren großen Schuldenschnitt – wohl auch unter Beteiligung der EZB und der Rettungsfonds. Die eingesparten Zinsen werden dringend zur Förderung der Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft benötigt.“

Keine Frage: Die griechischen Unternehmen sind nach wie vor nicht wettbewerbsfähig. Sie produzieren zu teuer, neue Impulse aus dem Ausland kommen kaum. Die Weltbank stuft Griechenland in der Rangliste der Wirtschaftsfreundlichkeit 2011 auf Platz 100 ein, weit hinter den weiteren Euro-Krisenländern Spanien und Italien und nur einen Platz vor Papua-Neuguinea. Die Weltbank kritisiert: Die Ausstellung von Baugenehmigungen dauert zu lange, Firmengründungen sind kompliziert und die Kreditvergabe intransparent.
Griechenland liegt am Boden. Das Land braucht einen Neuanfang. Das geht per Schuldenschnitt – oder durch einen Staatsbankrott und eine Rückkehr zur Drachme. Dann könnte das Land drastisch abwerten und sich Wettbewerbsvorteile verschaffen. Doch dieses Szenario schließen die Euro-Retter – siehe Wolfgang Schäuble – vehement aus. Bleibt nur der Schuldenschnitt. Je länger Athen zögert, desto teurer wird es für die Gläubiger.
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Alle Kommentare lesen25.10.2012, 11:06 UhrAnonymer Benutzer:V6yz
Für die zur Kreditvergabe gezwungenen Steuerzahler wäre es der DRITTE Forderungsverlust. Schaeuble ist nicht mehr zu halten!!
24.10.2012, 21:35 UhrAnonymer Benutzer:xmalnachgedacht
Das Berechnen eines Gleichgewichtsniveaus zwischen durch die Wirtschaft erzielbaren Staatseinnahmen bei gleichzeitiger Kompensation der durch die Kürzung von Staatsausgaben verursachten Wirtschaftskraftverluste scheint den diversen Rechenknechten wohl nicht zu gelingen.
Ein richtiges Formelergebnis wird auch kaum kalkulierbar, weil für die vorhandenen schwachen Kräfteverhältnisse im Prinzip untragbare Schuldenstände noch verringert werden sollen.
24.10.2012, 11:22 UhrRegistrierter Benutzer:NichtDumm
Es ist doch längst erkennbar. Die Nachbarländer pokern noch so lange um das Geld Deutschlands, bis sie erkennen, dass wir uns nicht länger benutzen lassen. Dann wird der Euro aufgelöst, weil er allen Euroländern unterm Strich nur geschadet hat.