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Haircut: Athen benötigt einen Neuanfang

Haircut: Braucht Griechenland den nächsten Schuldenschnitt?

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Athen benötigt einen Neuanfang

Andrew Haldane, führender Banker in Sachen Finanzstabilität bei der Bank of England, hat vor dem Platzen der größten Anleihe-Blase der Geschichte gewarnt. Diese sei von den Zentralbanken erzeugt worden, indem sie massiv elektronisches Geld in die Wirtschaft gepumpt hätten. Das Platzen dieser Blase sei ein akutes Risiko, zitiert ihn der "Guardian". "Lassen Sie uns ganz deutlich sein: Wir haben bewusst die größte Staatsanleihen-Blase in der Geschichte aufgeblasen“, sagte Haldane.

Bild: dpa

Der Internationale Währungsfonds und die Euro-Zone sprachen damals von einer Trendwende. Griechenland – so die Prognose – werde bis 2020 seine Schuldenlast auf 120 Prozent des BIPs senken können. Doch die Hoffnung ist längst überholt. Athen konnte sich aus dem Schuldenstrudel nicht befreien. Die Haushaltslücke wird immer größer, die Steuereinnahmen schrumpfen stärker als man sparen kann. Zum Ende des Jahres wird Griechenland Schulden in Höhe 343,8 Milliarden Euro aufgetürmt haben, nur rund zwölf Milliarden weniger als Ende 2011, sprich vor dem Haircut für Hellas. „Die Wirkung des Schuldenschnitts ist verpufft“, sagt Martin Faust, Professor für Bankbetriebslehre an der Frankfurt School of Finance and Management.

Schuldenberg voraus Die Euro-Rettung führt in die Katastrophe

Die Schuldenprobleme der Euro-Zone sind viel größer, als die Politiker zugeben. Die sogenannte „Euro-Rettung“ erkauft ihnen nur Zeit. Tag für Tag wächst die Gefahr einer Havarie.

Schuldenberg voraus: Warum die „Euro-Rettung“ in die Katastrophe führt

Der Grund:  „Viele der griechischen Anleihen wurden zuvor zurückgezahlt oder hatten den Besitzer gewechselt: weg von den privaten Gläubigern, hin zur EZB. Die privaten Gläubiger machten zum Zeitpunkt des Schuldenschnitts für Griechenland nur noch einen geringen Anteil aus. Und die Schulden, die bei der Notenbank lagen, wurden nicht entsprechend abgewertet.“

Faust hat keine Zweifel, dass Griechenland einen neunen, radikaleren Haircut braucht. „Das Land kann seine Probleme nicht selbst in den Griff bekommen. Ich denke, wir brauchen einen weiteren großen Schuldenschnitt – wohl auch unter Beteiligung der EZB und der Rettungsfonds. Die eingesparten Zinsen werden dringend zur Förderung der Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft benötigt.“

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Keine Frage: Die griechischen Unternehmen sind nach wie vor nicht wettbewerbsfähig. Sie produzieren zu teuer, neue Impulse aus dem Ausland kommen kaum. Die Weltbank stuft Griechenland in der Rangliste der Wirtschaftsfreundlichkeit 2011 auf Platz 100 ein, weit hinter den weiteren Euro-Krisenländern Spanien und Italien und nur einen Platz vor Papua-Neuguinea. Die Weltbank kritisiert: Die Ausstellung von Baugenehmigungen dauert zu lange, Firmengründungen sind kompliziert und die Kreditvergabe intransparent.

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Griechenland liegt am Boden. Das Land braucht einen Neuanfang. Das geht per Schuldenschnitt – oder durch einen Staatsbankrott und eine Rückkehr zur Drachme. Dann könnte das Land drastisch abwerten und sich Wettbewerbsvorteile verschaffen. Doch dieses Szenario schließen die Euro-Retter – siehe Wolfgang Schäuble – vehement aus. Bleibt nur der Schuldenschnitt. Je länger Athen zögert, desto teurer wird es für die Gläubiger.

6 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 25.10.2012, 11:06 UhrV6yz

    Für die zur Kreditvergabe gezwungenen Steuerzahler wäre es der DRITTE Forderungsverlust. Schaeuble ist nicht mehr zu halten!!

  • 24.10.2012, 21:35 Uhrxmalnachgedacht

    Das Berechnen eines Gleichgewichtsniveaus zwischen durch die Wirtschaft erzielbaren Staatseinnahmen bei gleichzeitiger Kompensation der durch die Kürzung von Staatsausgaben verursachten Wirtschaftskraftverluste scheint den diversen Rechenknechten wohl nicht zu gelingen.
    Ein richtiges Formelergebnis wird auch kaum kalkulierbar, weil für die vorhandenen schwachen Kräfteverhältnisse im Prinzip untragbare Schuldenstände noch verringert werden sollen.

  • 24.10.2012, 11:22 UhrNichtDumm

    Es ist doch längst erkennbar. Die Nachbarländer pokern noch so lange um das Geld Deutschlands, bis sie erkennen, dass wir uns nicht länger benutzen lassen. Dann wird der Euro aufgelöst, weil er allen Euroländern unterm Strich nur geschadet hat.

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