Euro Spezial 2012

Die WirtschaftsWoche und der Bayerische Rundfunk beantworten gemeinsam die 20 drängendsten Fragen zum Euro und Europa.

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Inflation: Steigen die Preise – oder steigen sie nicht?

von Anne Kunz und Bert Losse

Die Deutschen fürchten wegen der Euro-Krise und überbordender Staatsschulden um den Wert ihres Geldes. Dabei sind die Preise noch sehr stabil. Sind die Ängste also überhaupt berechtigt? Wie lange dauert es, bis die Preise steigen – und wen trifft es dann besonders? Zehn Fragen und Antworten zu einem brennenden Thema.

Noch sind die Preise stabil - die Frage ist, wie lange noch. Quelle: Marcel Stahn für WirtschaftsWoche
Noch sind die Preise stabil - die Frage ist, wie lange noch. Quelle: Marcel Stahn für WirtschaftsWoche

Langsam und leicht gebückt kommt Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), in die Splendens Hall im slowenischen Kranj nahe Ljubljana, wo die Sitzung des EZB-Rates stattfindet. Er haucht ein zurückhaltendes Hallo in die Runde. Seine Gesichtszüge sind wie festgefroren, er verzieht keine Miene. „Darf ich anfangen?“, fragt er schüchtern.

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Was war da los mit Super Mario am Donnerstag vergangener Woche? Der sonst so selbstbewusste Italiener müsste eigentlich in Hochstimmung sein. Schließlich hat er ein großes Ziel erreicht und sich gegen Bundesbank-Präsident Jens Weidmann durchgesetzt. Um den Euro zu retten, hat die EZB ein unbegrenztes Anleihenkaufprogramm beschlossen. Draghi kann jetzt so viele Staatstitel überschuldeter Euro-Krisenländer kaufen, wie er will, und so deren Renditen drücken. Spanien und Italien könnten davon profitieren, wenn sie unter den Euro-Rettungsschirm ESM flüchten.

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Doch Draghi ist nicht in Feierlaune. Aus Deutschland schlägt ihm schlechte Stimmung entgegen. Nicht einmal jeder Fünfte vertraut laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa dem Italiener. Der Grund: Die Deutschen fürchten, die Euro-Rettung teuer bezahlen zu müssen. Nicht nur, weil sie die größten Finanziers der Euro-Rettung sind, auch ihre Angst vor Inflation ist besonders groß. Während die Krise für die Deutschen wegen des Wirtschaftsbooms und der niedrigen Arbeitslosigkeit bisher kaum spürbar war, würde sie eine Geldentwertung ins Mark treffen.

Sie sind ohnehin traumatisiert. Die Hyperinflation von 1923 hat massenhaft Ersparnisse vernichtet. Auch wenn nur noch wenige Zeitzeugen leben – die Erfahrung hat sich tief ins Gedächtnis des Landes eingebrannt: In Umfragen geben die Deutschen an, sich vor Inflation genauso zu fürchten wie vor Krankheit, Verbrechen und Krieg. Deshalb bunkern sie Goldmünzen, kaufen Wald und reißen sich um Immobilien. Das Ausland lästert schon über die Inflationsparanoia. Auf den ersten Blick scheint die Furcht tatsächlich übertrieben. Die Preise in Deutschland sind stabil. Erste Schätzungen ergaben für September, dass die Inflationsrate leicht auf 2,0 Prozent gefallen ist.

Eine Studie zeigt jetzt aufs Neue, dass die Angelsachsen mit der „German Angst“ grundsätzlich nicht falsch liegen: Auch 2012 wird in der Bundesrepublik wie eh und je gefürchtet. Anders als die Definition der „German Angst“ jedoch impliziert, sind es dabei aber keineswegs diffuse Ängste, die die Deutschen umtreibt. In der am Donnerstag veröffentlichten R+V-Langzeitstudie „Die Ängste der Deutschen“ erreichen in diesem Jahr ausschließlich wirtschaftlich-politische Sorgen Spitzenwerte.

Bild: AP

Durchschnitt stimmt

Doch wie lange geht das gut? Unermüdlich wiederholt Draghi, die stabilen Preise seien nicht in Gefahr. Für den Durchschnitt der Euro-Zone mag er recht behalten. Einige Staaten werden künftig voraussichtlich unter dem Zielwert von zwei Prozent liegen, andere aber zum Teil deutlich darüber: Zu denen wird Deutschland zählen. Das nimmt Draghi in Kauf. Solange der Durchschnitt stimmt, wird er nicht durch höhere Zinsen gegen die Inflation hierzulande vorgehen. Damit würde er die Preise in anderen Ländern weiter drücken und dort eine Deflation auslösen.

Die Deutschen sind gekniffen: Ihr Geldvermögen ist auf fast fünf Billionen Euro gewachsen. Schon leicht erhöhte Inflationsraten können sie bei niedrigen Zinsen schmerzen: Bei einer Inflationsrate von vier Prozent besitzt ein Vermögen nach zehn Jahren Nullverzinsung nur noch 68 Prozent seiner Kaufkraft. Kommt es so – oder noch schlimmer?

7 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 17.10.2012, 17:13 UhrDerOekonom

    Eine ganz "einfache" Frage meinerseits:
    wie werden diese Preissteigerungen finanziert?
    (ich frage ausdrücklich "Preissteigerungen", da Konsumartikel, nicht "Inflation" von Vermögenswerten)

    Nun, von den Schulden, die aufgetürmt werden, damit Preise steigen. Diese Schulden sind der Dreh- und Angelpunkt auf dem Weg in die Deflation.

  • 16.10.2012, 14:14 Uhrwulff

    Völlig richtig.
    Jemand, der zu anderen Ergebnissen kommt, lebt eben nicht in Deutschland.

  • 16.10.2012, 14:12 Uhrwulff

    Die Behauptung, wir hätten keine Preisinflation, ist einfach falsch.

    Selbstverständlich kann man sich einen Warenkorb stricken, in dem sich nur Produkte befinden, die entweder keine oder nur geringfügige Preissteigerung haben.

    Die Realität sieht aber anders aus:
    Alles wird seit Jahren teurer.

    Und zwar mehr als die 2%, die immer wieder genannt werden.

    Die Billionen an ungedecktem Papiergeld, die Frischgelddrucker Draghi in den Geldumlauf gebracht hat, werden spätestens innerhalb 1 Jahres die Inflation weiter antreiben.

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