
Seit seinem Amtsantritt im Herbst 2011 hat Mario Draghi, Chef der Europäischen Zentralbank (EZB) bereits dreimal eine Leitzinssenkung sowie Milliarden schwere Aufkaufprogramme für europäische Staatsanleihen verkündet. Staaten, die in der Schuldenkrise feststecken, sollen sich somit billig refinanzieren und Unternehmen zu Investitionen angeregt werden. Mit anderen Worten: Wer viel Geld braucht, bekommt es heute so billig, wie noch nie in der Geschichte der Gemeinschaftswährung.
Das gilt nicht nur für Staaten und Industrie, sondern insbesondere auch für Banken. Die sind nach den Schwierigkeiten der Branche daran interessiert, dass ihr Geld sicher und solide investiert ist. Hohe Risiken stehen einer Branche, die mit Staatshilfen vor dem Kollaps bewahrt werden musste, nicht gut zu Gesicht. Für Banken und Finanzdienstleister macht das billige EZB-Geld aber nur dann einen Sinn, wenn es relativ krisenfest von ihren Kunden angelegt wird. Und was bietet sich da zurzeit besser an, als die Finanzierung von Immobilienkäufen.
Häuser, Wohnungen und Grundstücke gelten neben Gold schließlich als der sicherste Schutz von Inflation und Konjunkturschwäche, da ihre Preise grundsätzlich mit der Inflation ansteigen. Die Immobilie bleibt in ihrem Wortsinn einfach unbeweglich: sie löst sich auch in den schlimmsten Währungs- und Wirtschaftsstürmen nicht einfach in Luft auf - so wie zeitweise der Wert griechischer Staatsanleihen oder heiße Wetten mit Lehman-Zertifikaten. Ein Immobilienkredit ist dagegen für den Finanzierer über Jahrzehnte sicher kalkulierbar – vorausgesetzt der Kreditnehmer bleibt zahlungsfähig.

Das Gute für die Banken: In breiten Bevölkerungsschichten hat ebenfalls der Wunsch nach Werterhalt und Inflationsschutz im Zuge der Schuldenkrise dazu geführt, dass die Nachfrage nach Immobilien – und damit nach passenden Finanzierungen – massiv zugenommen hat. Waren Immobilien über lange Jahre im Vergleich zu anderen vermeintlich sicheren Anlageklassen wie Rentenpapieren oder festverzinslichen Anlagen für Privatanleger eher unattraktiv, weil ihre Rendite im Vergleich niedrig und die Kapitalbindung hoch war, so hat sich das Bild heute gewandelt.
Die Verzinsung der alternativen Anlageklassen ist entweder zu niedrig und teilweise sogar unterhalb der aktuellen Inflationsrate – was unweigerlich zum Wertverlust der Anlage führt. Oder aber die Investments sind mit Risiken verbunden, die Investoren in der noch andauernden Krise nicht eingehen wollen.
Bild: dpaPlatz 20: Nürnberg
Wer sich im idyllischen Nürnberg niederlassen und ein Einfamilienhaus erwerben will, muss schon tiefer in die Tasche greifen. Der Quadratmeterpreis lag 2012 bei 2844 €. 2007 waren die Käufer mit 2755 € noch ein ganzes Stück günstiger dabei – im nationalen Vergleich lag die mittelfränkische Stadt damals jedoch noch auf Platz 9.
Quelle: empirica Kauf- und Mietpreis Ranking für das zweite Quartal 2012
Bild: dpaPlatz 19: Fürth
In Fürth tat nicht nur die Fußballmannschaft einen großen Sprung in die 1. Bundesliga. Auch die Kaufpreise für Eigentumswohnungen sind gehörig angestiegen. Zahlte man 2007 noch 2541€ für den Quadratmeter (Platz 20), sind es in diesem Jahr schon 2931.
Bild: dpaPlatz 18: Hamburg
Nicht jeder wird sich in der Hansestadt mit einem Hausboot zufrieden geben – mag es auch noch so pittoresk erscheinen. Wer ein „richtiges“ Eigenheim erwerben will, zahlt 2012 2938 € für den Quadratmeter. Auch hier wäre es 2007 mit 2501 € (Platz 23) günstiger gewesen.
Bild: PRPlatz 17: Schwabach
Und noch ein Städtchen aus Mittelfranken, dass es in die Top 20 geschafft hat. Für ein Eigentumswohnhaus zahlte der Käufer 2012 im Schnitt 3005 € pro Quadratmeter. Im nationalen Schnitt lag die Stadt 2007 sogar noch weiter vorn – da brachte der Kaufpreis von 2622 € noch den 16. Platz ein. Im letzten Jahr war es dann allerdings nur Platz 30 (2582€).
Bild: dpaPlatz 16: Augsburg
Die Fuggerei in Augsburg zählt zu den ältesten Sozialsiedlungen der Welt. Zu einem unschlagbaren Preis von 88 Cent Kaltmiete im Jahr können hier Bedürftige unterkommen. Wer sich in Augsburg hingegen ein eigenes Heim leisten will, muss dafür schon deutlich mehr Geld einplanen: Im Durchschnitt kostet ein Quadratmeter dort 3065 €.
Bild: dpaPlatz 15: Baden-Baden
In dem bekannten Kurort steigen die Preise für Einfamilienhäuser stetig. 2007 zahlten Käufer noch 2318 € pro Quadratmeter, im vergangenen Jahr waren es schon 2793 €. In diesem Jahr überschreitet der Quadratmeterpreis erstmals 3000 €. Mit 3073 € kommt Baden-Baden auf Platz 15 im Ranking.
Bild: dpaPlatz 14: Erlangen
Auch in der kleinsten bayrischen Großstadt steigen die Kosten für ein Eigenheim. Trotzdem verliert Erlangen im Ranking an Boden. Schaffte es die Stadt 2007 mit Platz 10 noch knapp in die Top Ten, kommt sie mit 3129 € pro Quadratmeter in diesem Jahr nur auf den 14. Platz.
Bild: dpaPlatz 13: Regensburg
Die Regensburger Altstadt an der Donau mit dem Dom Sankt Peter und der Steinernen Brücke zählt seit 2006 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Vielleicht ist das ein Grund dafür, warum der Quadratmeterpreis eines Einfamilienhauses allein seit vergangenem Jahr um mehr als 300 € gestiegen ist. Interessierte müssen sich derzeit auf Beträge von 3147 € einstellen.
Bild: dapdPlatz 12: Darmstadt
Auch in Darmstadt müssen Familien deutlich mehr für ein Haus zahlen als noch 2007. Ein Quadratmeter kostet durchschnittlich 3172 €. Damit macht die Stadt vier Plätze gut und landet auf dem zwölften Platz.
Bild: dpaPlatz 11: Mainz
Zwar sind die Preise für ein eigenes Haus in der Heimat der Mainzelmännchen weiter angezogen, trotzdem verliert die Hauptstadt von Rheinland-Pfalz einen Platz im Ranking. Mit 3177 € pro Quadratmeter landet Mainz in diesem Jahr auf dem elften Platz.
Platz 20: Nürnberg
Wer sich im idyllischen Nürnberg niederlassen und ein Einfamilienhaus erwerben will, muss schon tiefer in die Tasche greifen. Der Quadratmeterpreis lag 2012 bei 2844 €. 2007 waren die Käufer mit 2755 € noch ein ganzes Stück günstiger dabei – im nationalen Vergleich lag die mittelfränkische Stadt damals jedoch noch auf Platz 9.
Quelle: empirica Kauf- und Mietpreis Ranking für das zweite Quartal 2012
Also lautet das Motto vieler Sparer: Nichts wie rein in den Immobilienmarkt. Mit den nun historisch niedrigen Zinsen wird der Immobilienkauf für breitere Käufergruppen finanzierbar. Vor allem für die Käufer eines selbstgenutzten Eigenheims sind so monatliche Raten möglich, die nur wenig über der monatlichen Miete liegen. Für eine vertretbare Mehrbelastung gibt es quasi die eigene Immobilie und damit einen wichtigen Baustein für die Vermögensbildung und Altersvorsorge einfach dazu.
Die niedrigen Zinsen verlocken allerdings dazu, auch eine vergleichsweise teure Immobilie zu kaufen. Vor wenigen Jahren waren die Zinsen noch doppelt so hoch, bei gleicher monatlicher Rate gab es entsprechend eine nur halb zu große Kreditauszahlung. Viel weiter sinken können die Zinsen aber wohl nicht mehr. Vorsichtige Hauskäufer sollten vorsichtshalber damit rechnen, dass am Ende der Zinsbindungsfrist die Zinsen wieder deutlich höher sein könnten – auch wenn zahlreiche Experten damit rechnen, dass die Zinsen noch auf Jahre so niedrig bleiben.
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