Schuldenkrise: Die griechische Tragödie

Schuldenkrise: Die griechische Tragödie

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RundschauKönnen die Griechen ihre Schulden jemals zurückzahlen?
von Tim Rahmann

Griechenland kommt nicht auf die Beine. Der Staat ist de facto pleite, die Unternehmen sind marode, die Bürger verarmt. Aus der Wiege der Demokratie ist ein gescheiterter Staat geworden. Wie konnte das passieren?

Die Griechen flüchten vor der Krise. Die Reichen haben ihr Geld längst ins Ausland geschafft: Sie haben Konten in der Schweiz eröffnet, Immobilien in Berlin und London gekauft oder sich in internationale Fonds eingekauft. Der Mittelstand versetzt seinen letzten Besitz und tauscht Porzellan, Zahngold und Ringe in Pfandstuben gegen Geld ein. All jene Bürger, die nichts mehr abzugeben haben, flüchten aufs Land und versuchen sich als Selbstversorger. Die Zahl der Bauern ist seit dem Ausbruch der Krise um rund 40.000 gestiegen.

Knapp zweieinhalb Jahre nach dem ersten Rettungspaket für das Euro-Land ist Griechenland dem Abgrund näher als der Rettung. 380 Milliarden Euro sind bislang als Hilfen an die Regierung in Athen geflossen. Umgerechnet sind das 33.000 Euro für jeden einzelnen Griechen. Dennoch wird das Land mindestens noch weitere drei Jahre – weniger von der Hoffnung geleitete Wirtschaftsexperten sprechen von acht Jahren – auf die Geduld und das Geld der europäischen Partner angewiesen sein.

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Probleme mit Griechenland waren vorhersehbar

Besonders erschütternd ist, wie vorhersehbar – zumindest für einige – die griechische Tragödie war. Wirtschaftsprofessoren, Notenbanker und Politiker warnten um die Jahrtausendwende herum, das Griechenland nicht bereit für die Währungsgemeinschaft sei. Die Zahlen gaben ihnen Recht. 1999 betrug die Staatsverschuldung bereits 104,4 Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Die Maastricht-Kriterien aber schreiben vor, dass ein Land höchstens bei 60 Prozent liegen darf.

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Der damalige Vizepräsident der Europäischen Zentralbank, Christian Noyer, mahnte die griechische Regierung, die Sanierung der öffentlichen Finanzen entschlossener voranzutreiben. "Es bestehen nach wie vor Bedenken, ob die Verschuldungsrate schnell genug verringert wird", sagte Noyer.

"Aufnahme verschieben", verlangte der ehemalige BDI-Präsident Hans-Olaf Henkel im Mai 2000 in der "Berliner Zeitung". "Auch für Griechenland müssen die Konvergenzkriterien gelten, die für alle anderen Staaten aufgestellt wurden." Zwar habe sich Athen "in vorbildlicher Weise dafür eingesetzt, die Grundlagen für eine bis dahin in Griechenland unbekannte Stabilitätskultur zu schaffen". Aber es bleibe "eine Herkulesaufgabe für die Regierung, die Stabilitätskriterien dauerhaft zu erfüllen".

Zukunftsszenarien für Griechenland

  • Szenario 1: Die Rettungspläne funktionieren

    Die Eurogruppe billigt einen Schuldenschnitt, die Banken erlassen dem Land daraufhin 100 Milliarden Euro. Somit gibt es auch grünes Licht für weitere Hilfen der Eurozone in Höhe von insgesamt 130 Milliarden Euro. Die Europäische Zentralbank (EZB) füllt eine Finanzlücke, damit Griechenlands Schuldenstand bis 2020 wie angepeilt sinken kann. Im Gegenzug unterwirft sich Griechenland einer strikten Überwachung der EU und gibt Kompetenzen in der Haushaltspolitik ab. Das Land leidet noch jahrelang unter Einsparungen, innenpolitischer Unruhe und Rückschlägen. Der Weg zu einer Erholung ist lang und mühsam.

  • Szenario 2: Rettung auf Raten

    Die Eurozone will zunächst keine weitere Hilfe zusagen. Problem ist der für 2020 trotz Hilfspaket und Gläubigerverzicht erwartete Schuldenstand von 129 Prozent der Wirtschaftskraft, anstatt der angestrebten 120 Prozent. Der Rettungsplan muss also überdacht werden. Zudem wählen die Griechen im April. Die Euro-Länder wollen das Votum abwarten und mit den dann regierenden Parteien Vereinbarungen über Einsparungen und Reformen treffen, bevor sie weiteres Geld überweisen. Mit restlichen Mitteln aus dem ersten Hilfsprogramm wird ein im März drohender Bankrott vorerst verhindert.

  • Szenario 3: Die Rettung scheitert, Griechenland bleibt aber im Euro

    Nach zwei Jahren Schuldenkrise nimmt die Eurozone einen Kurswechsel vor: Griechenland soll kontrolliert in die Pleite geführt werden, jedoch in der Eurozone bleiben. Nun kommen Milliardenkosten nicht nur auf die privaten Gläubiger, sondern auch auf die EZB zu: Athen ändert per Gesetzesänderung die Haftungsklauseln für seine Staatsanleihen - und erzwingt einen Verzicht. Die EU arbeitet an einem finanziellen und wirtschaftlichen Neustart des Landes, der ebenfalls viel Geld kostet.

  • Szenario 4: Athen geht bankrott und steigt aus dem Euro aus

    Der Rettungsplan scheitert, die Griechen haben zudem Vorschriften und Kontrolle der Euro-Länder satt. Das Land erklärt seinen Bankrott und die Rückkehr zur Drachme. Wirtschaft und Finanzbranche werden über das Land hinaus erschüttert, Firmen und Banken gehen pleite. Die Kaufkraft der Griechen nimmt massiv ab, soziale Unruhen sind die Folge. Mit der Drachme sind griechische Produkte auf dem Weltmarkt zwar billiger, ein positiver Effekt auf die marode Wirtschaft zeigt sich jedoch nur sehr langsam. Die Europäische Union bemüht sich mit Konjunkturprogrammen, den weiteren Absturz des Landes zu mildern.

Euro wurde für Griechen zum Teuro

Rund 18 Monate später, im Januar 2002, wurde der Euro als neue Währung in zwölf Ländern als Bargeld eingeführt – auch in Griechenland. Der Umrechnungskurs lag bei 340:1. Wer Anfang des Jahrtausends 3400 Drachmen bei sich trug, hatte viel Geld. Ob als Grieche in Thessaloniki oder als Tourist auf Rhodos: Mit der Summe ließ sich ohne Schwierigkeiten ein Mittagessen in einer gemütlichen Taverne bezahlen, das Glas Bier oder Wein inklusive. Doch die Zeiten sollten sich schnell ändern. In Restaurants und Gaststätten, im Kino und im Theater wurde großzügig aufgerundet, der Euro wurde zum Teuro.

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