Euro Spezial 2012

Die WirtschaftsWoche und der Bayerische Rundfunk beantworten gemeinsam die 20 drängendsten Fragen zum Euro und Europa.

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Schuldenkrise: Drastische Lohnsteigerungen

Schuldenkrise: Die griechische Tragödie

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Drastische Lohnsteigerungen

„Die Rettungsschirme laufen aus. Das haben wir klar vereinbart“

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble versicherte in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung im Juli 2010, dass die Rettungsschirme nicht von Dauer sein werden. Inzwischen ist klar: Der Euro-Rettungsschirm EFSF wird zwar abgelöst, aber ersetzt durch den permanenten Rettungsschirm ESM.

Bild: dpa

Die Inflation galoppierte. Nirgends in der Euro-Zone zogen die Preise schneller und steiler an. Um 3,6 Prozent verteuerten sich die Produkte zwischen dem Sommer 2001 und Juni 2002. Zum Vergleich: In der gesamten Euro-Zone lag die Inflationsrate im gleichen Zeitraum bei knapp 1,8 Prozent. Die Gewerkschaften reagierten – und setzen drastische Lohnsteigerungen durch.

Unternehmen und Notenbank warnten, zu hohe Abschlüsse könne sich das Land nicht leisten. "Sollte sich diese Entwicklung fortsetzen, wird Griechenland seine Wettbewerbsfähigkeit verlieren", bat der ehemalige Chef der griechischen Zentralbank Nikolaos Garganas im August 2002 um Mäßigung. Denn: "Die Möglichkeit einer Abwertung, um den Verlust der Wettbewerbsfähigkeit zu kompensieren, besteht nicht mehr."

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"Einmal ein schönes deutsches Auto besitzen"

Doch Garganas Worte verhallten, viele Griechen hatten genug vom Sparen. Immerhin habe man ja auch – wenn auch nur halbgar – vor der Euro-Einführung zurückgesteckt, um die Stabilitätskriterien nicht allzu dramatisch zu reißen, so die Mehrheitsmeinung. "Der Grieche war heiß auf den Euro. Er wollte einmal im Leben ein schönes deutsches Auto besitzen", erklärte Schlagersänger Costa Cordalis einst in der Talkshow "Menschen bei Maischberger". Die Folge: Die Löhne und damit auch die Lohnnebenkosten zogen spürbar an.

In der Gesamtwirtschaft schossen laut ifo-Institut die Lohnkosten zwischen 1999 und 2008 um sagenhafte 95 Prozent nach oben. Das sind mehr als 7,6 Prozent pro Jahr. Zum Vergleich: In Deutschland stiegen im gleichen Zeitraum die Lohnkosten um 15 Prozent.

Athens Agenda

  • Gesundheit

    Um fast 1,1 Milliarden Euro sollen die Arzneimittelausgaben staatlicher Kliniken beschnitten werden, weitere 50 Millionen bei den Überstunden der Ärzte eingespart werden.

  • Militär

    Im Militäretat sind Kürzungen von 600 Millionen geplant.

  • Renten

    Sie werden um bis zu 15 Prozent gekürzt.

  • Stellenabbau

    Bis 2015 sollen 150.000 Stellen im Staatsdienst gestrichen werden. Überflüssige Behörden werden aufgelöst.

  • Löhne

    Der Mindestlohn von 751 Euro wird um 22 Prozent, für bis zu 25-Jährige sogar um 32 Prozent gesenkt. 17 sogenannte geschlossene Berufe vom Fremdenführer bis zum Optiker sollen dereguliert werden.

  • Steuereinnahmen

    Von einem vereinfachten Steuersystem verspricht man sich Erfolge im Kampf gegen Steuerhinterziehung.

Die Politik schaute zu. Schließlich galt es nicht nur, das Volk zu beruhigen, sondern auch die Olympischen Sommerspiele 2004 auszurichten. Halbfertige Stadien oder Autobahnen dank streikender Arbeiter: Darauf konnte man in Athen gut verzichten. Folglich durften auch die Staatsbediensteten einen großen Schluck aus der Lohnpulle nehmen. Um 94 Prozent stiegen die Lohnkosten pro Staatsbediensteten.

Unterentwickelte Industrie

Griechenland wurde teurer, ohne das die Produktivität merklich stieg. Die Wirtschaft verlor mehr und mehr ihre Wettbewerbsfähigkeit. Hinzu kommt: Produkte, die weltweit gefragt sind und auch zu hohen Preisen abgesetzt werden können, stellten und stellen die Hellenen nicht her. Die Industrie ist im Vergleich zum Rest von Europa unterentwickelt. Nur 16 Prozent der Griechen arbeiten im verarbeitenden Gewerbe. Ihr Anteil an der gesamten Wertschöpfung liegt bei mauen 22 Prozent.

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Kunden kauften woanders ein, Touristen flogen fortan lieber in die Türkei oder nach Tunesien, statt nach Athen.  

7 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 25.10.2012, 12:29 UhrNichtDumm

    Es ist doch längst erkennbar. Die Nachbarländer pokern noch so lange um das Geld Deutschlands, bis sie erkennen, dass wir uns nicht länger benutzen lassen. Dann wird der Euro aufgelöst, weil er allen Euroländern unterm Strich nur geschadet hat.

  • 11.10.2012, 12:07 Uhrxmalnachgedacht

    wenn ich die Berichte zu Griechenland über die Rettungsprognosen und Rettungsmaßnahmenergebnisse der vergangenen Jahre betrachte, stelle ich fest, daß fast nie die Zielmarken der Prognosen oder Maßnahmen erreicht wurden. Daraus ergibt sich, dass entweder die Rettungsdiagnosen und/oder die Rettungsvorschläge falsch sind. Wenn dies so bleibt oder ist und nicht geändert werden kann oder geändert wird, kann auch zusätzliche Zeit keine Besserung für Griechenland erbringen. Daher ist ohne Illusion zu entscheiden, wie und wie lange ein nicht oder nicht ausreichender Iststand in Griechenland behandelt werden soll. Es ist besser, die Realität schonungslos und vorurteilsfrei zu bewerten und nicht weiter das Prinzip einer nicht durch Fakten belastbaren Hoffnung fortzuführen. Hilfreich hierfür wäre es, zuerst die tatsächliche Leistungsfähigkeit Griechenlands zu ermitteln, sofern dies überhaupt möglich ist. Wenn dies nicht möglich ist, bleibt nur die Entscheidung auf unsicherer Datenbasis, wieviel Subvention man sich noch zumuten will.

  • 10.10.2012, 18:31 UhrProEuro

    Tja, da bleibt wohl nur eine Lösung: Griechische Banken verstaatlichen mut Hilfe des ESM, das Land pleite gehen lassen und sämtliche Finanzhilfen mit Ausnahme einer einmaligen Kapitalisierung der Banken und gelegentliche gering dosierten Investitionen vom Wachstumspaket der Euro-Zone (Umfang ca. 25 Mrd Euro) stoppen. Dann kommt der große Bankrott, Griechenland kann aber weil die Banken ja nicht pleite gehen den Euro behalten und weil Griechenland danach weder von der EZB, noch den Euro-Staaten noch von den Finanzmärkten Kredite bekommen dürfte, werden Reformen, Einsparungen und Korruptionsbekämpfung danach wie von selbst laufen. Der Staat kann nicht mehr ausgeben als er einnimmt, wenn niemand von außen hilft.

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