Euro Spezial 2012

Die WirtschaftsWoche und der Bayerische Rundfunk beantworten gemeinsam die 20 drängendsten Fragen zum Euro und Europa.

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Schuldenkrise: Europa passt nicht unter ein Dach

von Malte Fischer

Der Euro ist als Währung gescheitert. Die Länder Europas sind wirtschaftlich und politisch zu verschieden, als dass sie unter das Dach einer gemeinsamen Währung passten.

Mal ehrlich, würden Sie mit fremden Menschen in ein Haus ziehen, von denen einer ein Kettenraucher ist, ein anderer hingegen ein überzeugter Nichtraucher, von denen einer Schlagzeug spielt, während ein anderer die Ruhe schätzt, von denen einer ein Putzteufel, ein anderer dagegen ein Messi ist? Wohl kaum! Schon nach wenigen Tagen hinge der Haussegen schief,  Streitereien machten das Leben unerträglich -  und die ersten Bewohner zögen aus.   

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Kein vernünftiger Mensch ließe sich darauf ein, mit einer bunt zusammen gewürfelten Truppe von Zeitgenossen eine Wohngemeinschaft zu gründen. Doch die Politiker Europas haben genau das vor 13 Jahren getan. Damals  haben Sie ein Haus bezogen, um unter dem Dach einer gemeinsamen Währung, dem Euro, zusammenzuleben. Warnungen von Ökonomen, die Bewohner seien zu verschieden, als dass die WG Bestand haben könnte, schlugen sie in den Wind. Der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl suggerierte den Bürgern sogar, der Euro sei die Voraussetzung dafür, dass „künftige Generationen in Deutschland und in Europa in Frieden und Freiheit, in sozialer Stabilität und auch in Wohlstand leben können“. 

Katalonien

Einwohner: 7,5 Millionen

BIP (2011): 200 Milliarden Euro

BIP per Einwohner (2011): 27,430 Euro (Quelle: INE)

Es ist die wirtschaftsstärkste Region Spaniens. Die Katalanen haben bisher das Ziel für Unabhängigkeit mit friedlichen und demokratischen Mitteln verfolgt.

Die Forderung haben sich zugespitzt, vor allem seit dem in der Schuldenkrise Katalonien mit Forderungen über einen neuen Fiskalpakt bei der Zentralregierung abprallte. Der amtierende Chef der Regionalregierung, Artus Mas (im Bild), wollte erreichen, dass Madrid die geforderten Steuerabgaben Kataloniens zugunsten der weniger entwickelten Regionen (Andalusien, Galicien) mäßigen würde. Der spanische Ministerpräsident Rajoy erteilte Mas jedoch eine klare Absage.

Nun haben die Bürger Kataloniens am 25. November 2012 ein neues Parlament gewählt. Die Partei des amtierenden Präsidenten Mas ging als Favorit in die Abstimmung - und verlor haushoch. Im neuen Parlament hat seine Partei nur noch 50 Sitze - statt 60, wie vor den Wahlen. Der Grund: Mas hatte einen rigiden Sparkurs vertreten.

Sein Vorhaben, ein Referendum zur Unabhängigkeit Kataloniens durchzuführen, könnte trotzdem gelingen. Die Parteien, die für das Referendum sind, erhielten eine Zweidrittelmehrheit im neuen Regionalparlament. Die katalanische Regierung sieht der Gunst der Stunde gekommen: Eine von ihr beauftragte Umfrage ergab, dass knapp 74 Prozent der Bevölkerung die Gründung eines eigenen Staates möchten.

Ein (unbewaffnetes) Heer hat Katalonien schon: Der FC Barcelona.

Bild: dpa

Der Traum vom vereinten Europa

Seit den Siebzigerjahren schon träumen die Politiker von den Vereinigten Staaten von Europa. Eine gemeinsame Währung, so lautete ihre Idee, sollte den Weg dorthin verkürzen und als Katalysator für die wirtschaftliche Integration dienen.  Die meisten Ökonomen dagegen plädierten dafür, eine gemeinsame Währung erst dann einzuführen, wenn die beteiligten Länder sich wirtschaftlich und politisch hinreichend angenähert haben. Sie beriefen sich auf die Erkenntnisse der Wissenschaft,  denen zufolge eine Einheitswährung  ökonomisch nur Bestand hat, wenn die Mitglieder einen „optimalen Währungsraum“ bilden.

Dazu müssen die Löhne und Preise flexibel und die Arbeitskräfte mobil sein. Güter- und Kapitalmärkte müssen stark vernetzt sein. Außerdem müssen die teilnehmenden Länder über eine diversifizierte Branchenstruktur verfügen und eine gleichgerichtete Wirtschaftspolitik verfolgen. Nur dann können sie wirtschaftliche Schocks ohne Rückgriff auf Währungsabwertungen abfedern.  

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Die Regierungen setzten sich jedoch über die Bedenken der Wissenschaft hinweg. Sie opferten ihre nationalen Währungen, obwohl die Euro-Zone weit davon entfernt war, einen optimalen Währungsraum zu bilden. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Statt unter dem Dach des Euro wirtschaftlich stärker zusammenzuwachsen, haben sich die Euro-Länder  voneinander entfernt. Wichtige Kenngrößen wie Pro-Kopf-Einkommen, Löhne, Preisniveau und Steuersätze klaffen heute stärker auseinander als bei der Euro-Einführung 1999.

38 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 26.12.2012, 05:42 UhrSilverager

    Darum ist klug, wer sein Geld bereits vor dem Bank-Run abgezogen hat. Noch klüger ist, wer diese bunten Papierzettel in echtes Geld, sprich Gold- und Silbermünzen getauscht hat.

  • 01.11.2012, 20:02 UhrProEuro

    Was glauben sie denn, wie viel Geld sich die Bürger bei ihren Banken holen können, wenn die dank panischem Bank-Run nach 10 Minuten pleite sind und die Automaten kein Geld mehr ausspucken. Da bleibt dann nur noch eins: Währungsreform und Depression.

  • 28.10.2012, 08:19 UhrLuetzowerJaeger

    Mit Sachverstand ist die EUR-Politik schon lange nicht mehr zu erklären.
    Vielmehr führt die Frage nach den Profiteuren direkt ans Ziel; Wer die Kredite beherrscht (Papiergeld ohne Substanz), beherrscht die Politik. Ein Blick in die Historie belegt dies überdeutlich:
    “Das moderne Bankensystem produziert Geld aus dem Nichts. Dieser Prozess ist möglicherweise der verblüffendste Taschenspieler-Trick, der je erfunden wurde. Das Bankgeschäft wurde gezeugt von Ungerechtigkeit und geboren in Sünde. Aber solltet ihr weiter Sklaven der Banken bleiben und die Kosten eurer Sklaverei selbst zahlen wollen, dann lasst die Banker weiterhin Geld produzieren und Kredite kontrollieren” Josiah Charles Stamp, Präsident der Bank of England in den 1920ern.

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