Euro Spezial 2012

Die WirtschaftsWoche und der Bayerische Rundfunk beantworten gemeinsam die 20 drängendsten Fragen zum Euro und Europa.

Kooperation mit dem Bayrischen Rundfunk

ThemaSchuldenkrise

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Währungsunion: Spaltet der Euro Europa? Ja!

von Ferdinand Knauß

Der Euro sollte die Europäer verbinden. Tatsächlich offenbart die Eurokrise nun eher die fundamentalen Unterschiede. So viel Zwietracht wie heute gab es noch nie in der Geschichte der Europäischen Einigung.

Ausschließlich ökonomische Gründe waren es von Anfang an nicht, die die führenden Politiker der damaligen Europäischen Gemeinschaft seit den 1970er Jahren dazu motivierten, eine gemeinsame europäische Währung anzupeilen. Der Zweck war von Anfang an auch ein politischer: Gedacht war der Euro als ein unauflösbares Band der Harmonisierung, dass dafür sorgt, dass die europäischen Staaten über das gemeinsame Geld zusammenwachsen. Der Euro sollte den Weg zurück in die Nationalstaatlichkeit verstellen.

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Nicht erst die Währungsunion, sondern die gesamte wirtschaftliche Integration (West-)Europas, die mit der Montanunion 1951 begann, war von Anfang an kein Selbstzweck zum Wohle der europäischen Industrien. Schon die Urväter der Europäischen Einigung, allen voran Frankreichs Außenminister Robert Schuman und der Spiritus Rector der europäischen Bewegung, Jean Monnet, wählten das Feld der Wirtschaft als Vehikel der politischen Einigung – zumal nachdem die Idee einer gemeinsamen Armee am Einspruch des französischen Parlaments 1954 gescheitert war.

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Der Weg ist das Ziel

Monnet war zwar in seinem Habitus ein grauer Bürokrat, aber sein Konzept war unfassbar kühn: Wir fangen auf einem Gebiet mit der europäischen Verflechtung an und zwingen uns damit selbst zu immer neuen Integrationsschritten. Was am Ende stehen sollte, wusste er selbst nicht so genau. Über ein endgültiges Ziel der Europäischen Bewegung schweigt man seit Monnets Zeiten in Brüssel am liebsten. Der Weg ist das Ziel, und irgendwie muss es eben immer mehr Einheit geben. 

Der Euro war eine Schöpfung ganz im Geiste Monnets: Europas politische Eliten schlagen ohne die Bürger zu fragen, einen Pfad ein, der den Weg in eine gemeinsame Zukunft vorgibt, von der man aber den Bürgern nicht zu viel erzählt. Und ein Rückwärtsgang ist nicht eingebaut.  

Platz 10: Finnland

16 von 27 Mitgliedsstaaten der Europäischen Union bekommen mehr Geld aus Brüssel, als sie in die Gemeinschaftstöpfe einzahlen. Erster nennenswerter Nettozahler (Luxemburg zahlt nur minimal mehr, als es an Gelder zurückerhält) ist Finnland. Der Euro-Musterschüler zahlte 2010 immerhin 300,2 Millionen Euro mehr gen Brüssel als es an Leistungen erhielt. Pro Kopf liegt der Fehlbetrag bei 55,54 Euro.

Quelle: „Die Finanzierung der Europäischen Union“, Bertold Busch.

Bild: dapd

Geprägt von diesem Monnetschen Geist war auch Helmut Kohl. Wie sein Biograph Hans-Peter Schwarz schreibt, motivierte ihn die Überzeugung, dass eine gemeinsame Währung die Europäische Einigung unumkehrbar machen würde. Dem habe er alles andere untergeordnet. Das andere waren zum Beispiel die Bedenken angesichts der sehr unterschiedlichen volkswirtschaftlichen und währungspolitischen Gegebenheiten innerhalb Westeuropas, die auch in den 1970er und 80er Jahren, als der Euro ausgebrütet wurde, schon jedem vor Augen stehen mussten, der sie sehen wollte.

Die politische Elite Europas glaubte aber den Prognosen der Ökonomen, die prophezeiten, dass die Öffnung der Märkte zu Investitionen in den schwächeren Ländern und zu einer allgemeinen Harmonisierung führen werde. Das Gegenteil war der Fall. Der Rückstand in der Wettbewerbsfähigkeit zu den hoch entwickelten Ländern Mittel- und Nordeuropas hatte sich schon seit dem Beitritt Griechenlands, Spaniens und Portugals zur Europäischen Gemeinschaft trotz gewaltiger Subventionen aus den Brüsseler Töpfen nicht entscheidend verringert.

11 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 19.10.2012, 18:52 UhrScheibenwischer

    Warum verschweigt der Artikel, daß der Euro mit einer atomaren Erpressung von Seiten Mitterrands und Attalis durchgesetzt wurde?

    Mitterrands ergänzende und weiterführende Drohung mit einer "Tripelallianz wie 1913" muß als unmißverständlicher Hinweis auf einen neuen Krieg mit Bombenholocaust betrachtet werden,(Jacques Attali, David Marsh).

  • 19.10.2012, 17:44 UhrMargrit

    Ein hervorragender Artikel, der es genau auf den Punkt bringt.
    Im Gegensatz zu den vielen manipulativen Beiträgen in der Presse, wo das Volk auf Linie gebracht werden soll, hebt sich dieser Artikel wohlwollend ab. Bravo. Endlich sagt es mal jemand
    Aber so lange in der Politik nur noch Ideologie und Fanatismus herrschen, wird sich nichts ändern bis zum allerbittersten Ende.
    Im Grunde genommen putschen unsre Politiker gegen das eigene Volk
    Die Grünen sind eine Gefahr für die Demokrtie, da hat der Forsa-Chef Güllner mit seinem Buch Recht.
    Die Grünen treibt dann zusätzlich noch der Hass auf alles Deutsche an. Sie hätten Deutschland lieber heute als morgen von der Landkarte getilgt
    Ich befürchte nur, das alles wird schlimm enden
    Die großen Friedenspolitiker de Gaulle und Adenauer, die die Aussöhnung zwischen Frankreich Deutschland betrieben, die eine Europ. Union des Miteinanders in guter Nahbarschaft und Frieden wollten, würden sich in ihren Gräbern umdrehen, wenn sie erleben müßten, wie gerade dieser Frieden beendet wird
    Das Schlimme ist auch, dass den Deutschen so jede Revolutions-Kultur fehlt, denn im Grunde genommen müßten wir massiv auf die Straßen gehen,um unsren Politikern Einhalt zu gebieten, damit sich ein zweites 1933 nicht wiederholt
    Aber wie sagte schon Lenin:
    "Die Deutschen und Revolution? Das wird nie was. Bevor die einen Bahnhof stürmen, kaufen sie sich erst eine Bahnsteigkarte"

  • 19.10.2012, 08:59 UhrGrinario

    Zitat: "Mitten durch sie verläuft eine Grenze zwischen den Gebern und Nehmern. Die Wünsche der Empfänger nach höheren Hilfen, um die sozialen Standards dort aufrecht und die eigene Kreditwürdigkeit aufrecht zu halten, und die Ansprüche der Geber nach Kontrolle dieser Gelder stellen ein dauerndes Konfliktpotenzial dar. Und je länger das Rettungsregime des ESM andauert, desto feindseliger dürfte die Stimmung innerhalb Europas werden."

    Das ist die brillante Zusammenfassung des Kernproblems, vor dem die EU und die Eurozone stehen. Wer das nicht sehen will, muss wirklich blind sein. Wer angesichts dieses fundamentalen Konflikts immer noch meint, das die Eurozone in der bisherigen Zusammensetzung aufrecht erhalten werden kann, ist m.E. ein purer Ideologe. Die Südperipherie kann innerhalb der Eurozone nicht abwerten, um ihre Wettbewerbsfähigkeit wieder herzustellen. Sie braucht aber zur Aufrechterhaltung der sozialen Standards weiterhin das Geld, das sie am Weltmarkt nicht mehr erwirtschaften kann, also sollen die Nordländer zahlen. Die Bürger Deutschlands aber, die seit Jahren keine steigende, sondern stagnierende oder fallende Einkommen haben, werden sich immer öfter fragen, warum sie vom Süden als das Ersatz-Sozialamt angesehen werden. Noch geht es den Deutschen in ihrer Gesamtheit vergleichsweise gut, aber sollte es irgendwann weiter bergab gehen, dann wird diese Politik der Daueralimentierung auf den Prüfstand kommen. Und es wird den Euro-Ideologen nichts nützen, auf irgendwelche Verträge zu pochen. Wo nichts mehr ist, ist auch nichts mehr zu holen.

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