Währungsunion: Spaltet der Euro Europa? Ja!

Währungsunion: Spaltet der Euro Europa? Ja!

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RundschauBrauchen wir einen europäischen Finanzminister?
von Ferdinand Knauß

Der Euro sollte die Europäer verbinden. Tatsächlich offenbart die Eurokrise nun eher die fundamentalen Unterschiede. So viel Zwietracht wie heute gab es noch nie in der Geschichte der Europäischen Einigung.

Ausschließlich ökonomische Gründe waren es von Anfang an nicht, die die führenden Politiker der damaligen Europäischen Gemeinschaft seit den 1970er Jahren dazu motivierten, eine gemeinsame europäische Währung anzupeilen. Der Zweck war von Anfang an auch ein politischer: Gedacht war der Euro als ein unauflösbares Band der Harmonisierung, dass dafür sorgt, dass die europäischen Staaten über das gemeinsame Geld zusammenwachsen. Der Euro sollte den Weg zurück in die Nationalstaatlichkeit verstellen.

Nicht erst die Währungsunion, sondern die gesamte wirtschaftliche Integration (West-)Europas, die mit der Montanunion 1951 begann, war von Anfang an kein Selbstzweck zum Wohle der europäischen Industrien. Schon die Urväter der Europäischen Einigung, allen voran Frankreichs Außenminister Robert Schuman und der Spiritus Rector der europäischen Bewegung, Jean Monnet, wählten das Feld der Wirtschaft als Vehikel der politischen Einigung – zumal nachdem die Idee einer gemeinsamen Armee am Einspruch des französischen Parlaments 1954 gescheitert war.

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Der Weg ist das Ziel

Monnet war zwar in seinem Habitus ein grauer Bürokrat, aber sein Konzept war unfassbar kühn: Wir fangen auf einem Gebiet mit der europäischen Verflechtung an und zwingen uns damit selbst zu immer neuen Integrationsschritten. Was am Ende stehen sollte, wusste er selbst nicht so genau. Über ein endgültiges Ziel der Europäischen Bewegung schweigt man seit Monnets Zeiten in Brüssel am liebsten. Der Weg ist das Ziel, und irgendwie muss es eben immer mehr Einheit geben. 

Der Euro war eine Schöpfung ganz im Geiste Monnets: Europas politische Eliten schlagen ohne die Bürger zu fragen, einen Pfad ein, der den Weg in eine gemeinsame Zukunft vorgibt, von der man aber den Bürgern nicht zu viel erzählt. Und ein Rückwärtsgang ist nicht eingebaut.  

Geprägt von diesem Monnetschen Geist war auch Helmut Kohl. Wie sein Biograph Hans-Peter Schwarz schreibt, motivierte ihn die Überzeugung, dass eine gemeinsame Währung die Europäische Einigung unumkehrbar machen würde. Dem habe er alles andere untergeordnet. Das andere waren zum Beispiel die Bedenken angesichts der sehr unterschiedlichen volkswirtschaftlichen und währungspolitischen Gegebenheiten innerhalb Westeuropas, die auch in den 1970er und 80er Jahren, als der Euro ausgebrütet wurde, schon jedem vor Augen stehen mussten, der sie sehen wollte.

Die politische Elite Europas glaubte aber den Prognosen der Ökonomen, die prophezeiten, dass die Öffnung der Märkte zu Investitionen in den schwächeren Ländern und zu einer allgemeinen Harmonisierung führen werde. Das Gegenteil war der Fall. Der Rückstand in der Wettbewerbsfähigkeit zu den hoch entwickelten Ländern Mittel- und Nordeuropas hatte sich schon seit dem Beitritt Griechenlands, Spaniens und Portugals zur Europäischen Gemeinschaft trotz gewaltiger Subventionen aus den Brüsseler Töpfen nicht entscheidend verringert.

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