Euro Spezial 2012

Die WirtschaftsWoche und der Bayerische Rundfunk beantworten gemeinsam die 20 drängendsten Fragen zum Euro und Europa.

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Währungsunion: Warum die Euro-Krise so gefährlich ist

von Roland Tichy

Einer Reihe von Ländern in Südeuropa droht der Staatsbankrott. Die Euro-Volkswirtschaften laufen Gefahr, abgewürgt zu werden, Steuerzahler und Sparer müssen mit neuen Nachteilen rechnen.

„Die Rettungsschirme laufen aus. Das haben wir klar vereinbart“

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble versicherte in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung im Juli 2010, dass die Rettungsschirme nicht von Dauer sein werden. Inzwischen ist klar: Der Euro-Rettungsschirm EFSF wird zwar abgelöst, aber ersetzt durch den permanenten Rettungsschirm ESM.

Bild: dpa

Der österreichische Dramatiker Johann Nepomuk Nestroy hat die Fragen aller Fragen gestellt: "Die Phönizier haben das Geld erfunden. Aber warum so wenig?" Ja, das ist es, woran man zuerst bei Geld denkt – fast immer könnten wir mehr davon gebrauchen. Viel mehr. Aber Geld ist viel, viel mehr als nur zu wenig. Es ist  Recheneinheit, stellen wir uns eine Welt ohne Geld vor.

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Schon morgens beim Bäcker gibt es lange Gesichter statt Semmeln, wenn wir, sagen wir: Omas Silberlöffel oder einen gebrauchten Gameboy gegen Gebäck eintauschen wollen. Die Geldwirtschaft ist jeder Tauschwirtschaft überlegen, weil wir in Geld rechnen und abrechnen können, zählen oder bezahlt werden und wissen: Wenn wir das Geld von der Bank aufbewahren lassen, wird es wegen der Zinsen mehr und in einigen Jahren oder Jahrzehnten können wir also davon leben.

Das Nervensystem der Wirtschaft

Die Bank oder Sparkasse wiederum lässt das Geld nicht im Tresor liegen, sondern leiht es aus: An Unternehmer, die dafür Maschinen kaufen und Arbeitskräfte einstellen damit sie Güter herstellen, die sich gut verkaufen lassen. Geht das gut, kann der Unternehmer das Geld mit Zins und Zinseszins zurückzahlen - der Sparer freut sich. Geld ist damit so etwas wie das Nervensystem der Wirtschaft: wenn es fließt, ermöglicht es erst, dass unsere Wirtschaft funktioniert.

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Deshalb ist die Euro-Krise so ernst. Wird unser Geldsystem gestört, als gibt es Stress im Europäischen Währungssystem, bei der Europäischen Zentralbank oder im Zusammenspiel der Staaten, die letztlich die Geldordnung garantieren, dann ist das Funktionieren der gesamten Wirtschaft in Gefahr.

Die Kapitalflucht verschärft die Probleme

Und Stress gibt es genug. Eine Reihe von Staaten wie Griechenland, Irland, Italien, Portugal und Spanien haben sich so hoch verschuldet, und gleichzeitig ist ihre Wirtschaft so schwach, dass viele Sparer daran zweifeln, dass diese Länder ihre Schulden noch bedienen können. Deshalb droht  der "Staatsbankrott" - dann können Beamte nicht mehr bezahlt, staatliche Renten nicht mehr finanziert und keinerlei öffentliche Leistungen mehr erbracht werden. Viele Menschen fürchten das und bringen ihr Geld lieber in soliden Ländern in Sicherheit. Diese Kapitalflucht verschärft das Schuldenproblem.

"Der Euro – Ihr Geld" Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Euro

Wie geht es weiter mit dem Euro? Müssen wir für alle haften? Und: Ist mein Geld noch sicher? In unserem Euro-Spezial beantworten wir die brennendsten Fragen zur Gemeinschaftswährung.

"Der Euro – Ihr Geld": Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Euro

Wegen dieser wachsenden Unsicherheit werden auch die Sparer und Kapitalanleger in Spanien und Italien nervös, weil auch dort die Wirtschaft derzeit schwach ist, und der Staat, seine untergeordneten Regionen und Einrichtungen zu hoch verschuldet sind. Käme es zu einem Staatsbankrott von einem oder gar mehrerer Länder, würden Exporte nicht bezahlt. Deutschland könnte in diese Länder keine Autos und Maschinen mehr verkaufen – kurz, unsere Wirtschaft wäre ihrerseits in Gefahr.

12 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 02.10.2012, 13:15 UhrSuper-Angie

    George Soros hat den richtigen Weg gewiesen. D-Land wird aus dem Euro austreten um die PIIGS-F nicht resetten zu lassen; resettet SP zieht es alle anderen mit in den Abgrund; Siehe Rettungs-Kran im Video " Hans Werner Sinn"; Was momentan zu sehen ist an den Absätzen der Auto-Industrie ist die Halbierung der Kaufkraft seit EURO-Einführung; zudem drückt die Zurückhaltung der Käufer auch die Unsicherheit aus.

    Wohin will Merkel und Ihre hörigen Abgeordneten; Ihre Meinung andert sich im Minuten-Rhytmus.

    Diese Unsicherheit drückt sich nun an den Märkten aus. Absatzprobleme

    Nein der Euro ist nicht mehr zu retten--und wird durch Kapitalflucht ; Banken-run besiegelt werden, wenn die Menschen vollends das Vertrauen in die Merkel Politik verloren haben; dann heißt es nur noch retten was zu retten ist. Der Verursacher Steinbrück wird nichts an dieser Situation ändern können.

  • 02.10.2012, 11:06 UhrWegweiser

    Diese ökonomischen und auch politischen Entwicklungen zur Eurorettung kann man nur noch mit einem Kopfschütteln verfolgen. Diese Währungsunion war und ist nicht funktions- und überlebensfähig. Völlig unterschiedliche Volkwirtschaften mit gigantischen Leistungs- und Wettbewerbsunterschieden wurden in dieses Währungskorsett hingepresst.

    Insbesondere die Berichterstattungen in den öffentlich-rechtlichen Medienanstalten zu diesen Entwicklungen zeigen überdeutlich, dass man keine ernsthaften und sachlichen gesellschaftspolitischen Diskussionen über diese elementare Thema führen möchte. Die zahlreichen Talkshows und sonstigen Diskussionsrunden sind dafür ein sehr trauriger Beleg.

    Diese Währungszone mit ihren derzeitigen Mitgliedern und Währungsteilnehmern steht vor dem Kollaps, die sich auch nicht mehr mit den zahlreichen Instrumentarien der EZB und den Hilfsfonds verbergen lassen.

    Deshalb sollte noch in diesem Jahr eine Rückführung zu nationalen Währungen durchgeführt werden in einem gesamteuropäischen Wechselkurssystem. Diese Option ist die einzige, noch mögliche. Bis zur Bundestagswahl 2013 dürfte diese Währungsunion keinen Bestand mehr haben. Es geht nur noch um eine geordnete Rückabwicklung dieses europäischen Währungsexperiments. Der bereits eingetretene gesellschaftspolitische und ökonomische Schaden ist gigantisch. In allen Euroländern.

  • 02.10.2012, 09:10 UhrDerOekonom

    "Geld ist zur Erleichterung des Tausches von Schweinen
    gegen Esel erfunden worden – zur Verringerung der bei
    solchem Marktgeschehen anfallenden Transaktionskosten. Das zumindest
    behauptet die Wirtschaftswissenschaft einschließlich all
    ihrer Nobelpreisträger. Nach den Befunden der Geldhistoriker jedoch
    stimmt das nicht. Und gerade die interessanten Köpfe unter
    den Wirtschaftstheoretikern verschließen sich diesem Befund keineswegs.
    Beide Forschergruppen müssen allerdings einräumen,
    daß auch sie nicht verstehen können, wie das Geld entstanden
    ist und was es ist." (Prof. Heinsohn)

    Auch ich wage die Behauptung, dass über 99% der diskutierenden Experten "Geld" gar nicht verstehen.
    Daraus erklärt sich, dass jede Rettungsaktion der letzten Jahre so jämmerlich versagt hat.
    Es erinnert an einen Arzt, der die Vorlesung über Knochenbrüche versäumte und nun versucht, einen Beinbruch mit Aspirin zu heilen.

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