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Ex-Chefvolkswirt: Jürgen Stark wettert gegen die EZB

von Katja Köllen

Kritik an der europäischen Notenbank hat der ehemalige EZB-Chefvolkswirt schon mehrfach geübt. Jetzt wendet er sich in einem Brief an die Mitarbeiter, warnt, und macht noch einmal klar, warum er von seinem Posten Abschied genommen hat.

Ex-EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark Quelle: REUTERS
Nachdem er mit dem Jahresende 2011 seinen Posten als Chefsvolkswirt der EZB abgegeben hatte, schrieb Jürgen Stark jetzt einen Abschiedsbrief an die Zentralbank-Mitarbeiter und übte dabei heftig Kritik. Quelle: REUTERS

Jürgen Stark ist bekannt für seine offenen Worte der Kritik. Vielfach äußerte der ehemalige Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank (EZB) seinen Unmut über die EZB-Strategie. Auch seinen Rücktritt begründete er letztlich politisch: aus Protest gegen die Staatsanleihenkäufe. Nun hat er die vermeintlichen Währungshüter in einem Abschiedsbrief an die 1.600 Beschäftigten der Notenbank erneut heftig kritisiert.

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In dem Brief, aus dem der "Spiegel" zitiert, schreibt Stark, die Mitglieder des EZB-Rats hätten Entscheidungen getroffen, „die das Mandat der EZB ins Extreme gedehnt haben". Außerdem sei es eine "Illusion zu glauben, dass die Geldpolitik große strukturelle und fiskalische Probleme in der Eurozone lösen kann“. Dadurch, dass die Notenbank durch Anleihen-Aufkäufe "unter fiskalischer Dominanz operiere", bestehe ein hohes Risiko.

Bereits im Dezember erklärte Stark in einem Interview mit der WirtschaftsWoche, dass sein Rücktritt vornehmlich politische Gründe habe. Bis zu diesem Zeitpunkt schwieg der ehemalige Chefvolkswirt der EZB über die Hintergründe seines Abschieds. Stark erklärte: "Da gibt es ein großes Thema, das dies begründet: dass ich nicht zufrieden bin, wie sich diese Währungsunion entwickelt hat. Punkt.“

Fed als leuchtendes Beispiel falsch

Weiterhin sprach Stark davon, dass es eine fundamentale Ausrichtung der europäischen Währungsunion sei, die monetäre Finanzierung von Staatsschulden durch die EZB nicht zuzulassen. "Es sind rund 90 Prozent der selbst ernannten oder wirklichen Experten rund um den Globus, die der EZB sagen, es geht jetzt nur noch mit der großen Bazooka - und dabei wird die Politik der US-Notenbank Fed als leuchtendes Beispiel hingestellt", so Stark. Dies sei aber falsch. Dahinter stecke ein Unverständnis des institutionellen Rahmens.

Wann immer in der Geschichte sich eine Notenbank der Haushaltspolitik untergeordnet habe, musste sie Zugeständnisse bei ihrer eigentlichen Aufgabe machen, den Geldwert stabil zu halten, schrieb Stark an seine ehemaligen Mitarbeiter.

1 KommentarAlle Kommentare lesen
  • 16.01.2012, 17:15 UhrAnonymer Benutzer: Malocher

    Die von Herrn Stark als einstigem Chefvolkswirt der EZB für unabhängig erachtete Institution mit dem Recht des Eingriffs in hoheitlich sich vollziehende Entscheidungen existiert längst in der Form ausdrücklich von der Generaldirektion Forschung der Kommission Europäischer Gemeinschaften anerkannten Einrichtungen, die nachweislich im Mindesten einschlägig sozioökonomisch und daher zum Vorteil der Allgemeinheit wissenschaftlich tätig sind; wobei allerdings bislang die Regierungsvertreter der Mitgliedsländer auf die dort erhobenen Befunde zumeist gleichsam einen feuchten Kehricht geben und auf diese Weise zum Schaden ausnahmslos von allen Bürger zutiefst illegitim nicht dazu angehalten sind, ihrerseits deren Arbeiten privat zu finanzieren.

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