Ex-EZB-Chefvolkswirt Stark: Zinsen für Krisenländer viel zu niedrig

ThemaEZB

exklusivEx-EZB-Chefvolkswirt Stark: Zinsen für Krisenländer viel zu niedrig

Bild vergrößern

Jürgen Stark, früherer Chef der EZB

von Malte Fischer

Der ehemalige Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank (EZB), Jürgen Stark, hat der EZB vorgeworfen, mit ihren jüngsten Zinsbeschlüssen die Märkte zu verzerren.

Zudem dränge die EZB die Banken durch die langfristigen Geldleihgeschäfte dazu, höhere Kreditrisiken einzugehen. „Man sollte Banken nicht in Risiken treiben, die sie ansonsten nicht eingehen würden“, kritisierte Stark im Interview mit der WirtschaftsWoche. Die langfristigen Geldleihgeschäfte drohten der Staatfinanzierung mit der Notenpresse Tür und Tor zu öffnen. „Wenn eine Bank keine zusätzlichen Kredite vergibt, muss sie das Geld nach zwei Jahren an die EZB zurückgeben. Dies fördert die Gefahr, dass die Banken in der Zwischenzeit das Zentralbankgeld in den Kauf von Staatsanleihen der Peripherieländer stecken und so deren Staatshaushalte finanzieren“, sagte Stark.

Die Folgen der EZB-Niedrigzinspolitik

  • Verminderter Reformdruck auf Krisenländer

    Werden die Zinsen künstlich abgesenkt, so verringert sich der Reformdruck auf Regierungen und Banken, ihre Haushalte beziehungsweise Bilanzen zu verbessern.

  • Fehlinvestitionen werden künstlich am Leben gehalten

    Ein künstlich tief gehaltener Zins verhindert, dass unprofitable Investitionsprojekte also Fehlinvestitionen aufrecht und befördert werden.

  • Spekulationswellen

    Künstlich tiefe Zinsen lösen (inflationäre) Spekulationswellen aus, führen zu „Boom-and-Bust“-Zyklen: überhitzte Situationen, in denen, wenn niemand mehr bereit ist, Kredite zu finanzieren, alles in sich zusammenbricht.

  • Schulden steigen

    Künstlich niedrig gehaltene Zinsen befördern die Schuldenwirtschaft, insbesondere die der Staaten und der Bankenindustrie.

Die geldpolitische Lockerung habe die Kreditzinsen für die Krisenländer viel zu stark gesenkt. „Die EZB hat mit ihrer Euro-Rettungspolitik die Märkte verzerrt. Das ist eine ungesunde Entwicklung, die irgendwann massiv zurückschlagen wird“, fürchtet der frühere EZB-Chefvolkswirt. „Es gibt keine Marktanreize mehr für die Regierungen, die Staatshaushalte zu konsolidieren. Die Schuldenstände dürften kaum sinken, in einigen Ländern werden sie gar steigen.“

Anzeige

Zudem warnte Stark die EZB davor, mit Kreditforderungen unterlegte Wertpapiere zu kaufen. „Es ist nicht die Aufgabe der Zentralbank, Teile des Kreditmarktes und einzelne ¬Finanzinstrumente zu fördern. Das ist ¬Sache des Marktes selbst und insbesondere der Regulierer. Diese müssen entscheiden, ob sie riskante Anlageinstrumente fördern wollen.“
Dass die Zinsbeschlüsse und die Einführung eines Negativzinses die Kreditvergabe ankurbeln werden, glaubt Stark nicht. „Die schwache Kreditvergabe in den Peripherieländern ist auch auf die geringe Nachfrage nach Krediten zurückzuführen. Dazu kommt, dass in den Bilanzen der Banken faule Kredite schlummern. Dagegen ist die Geldpolitik machtlos.“

Exklusiv: Alle Meldungen im Überblick
Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%