EZB-Chefvolkswirt: EZB sollte Sitzungsprotokolle veröffentlichen

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EZB-Chefvolkswirt: EZB sollte Sitzungsprotokolle veröffentlichen

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EZB-Chefvolkswirt Peter Praet.

Viel wird spekuliert, wie lange die Zinsen niedrig bleiben. Einen Zeitraum nennt EZB-Chefvolkswirt Praet zwar nicht, plädiert aber dafür, dass die Sitzungsprotokolle früher oder später veröffentlicht werden sollten.

Notenbanker und Kommunikation ist ein schwieriges Thema. Seit EZB-Präsident Mario Draghi in der vergangenen Woche ankündigte, den Leitzins für eine unbestimmte längere Zeit niedrig zu lassen, wird überall gerätselt, wie lange diese Zeit sein werde. Konkrete Anhaltspunkte blieb auch EZB-Chefvolkswirt Peter Praet schuldig.

"Der Zeitraum ist an unsere Einschätzung gebunden, dass die Inflationsentwicklung verhalten bleibt", sagte der Belgier dem "Handelsblatt". Auf eine solche Entwicklung wiesen die schwachen Trends bei der Geldmengen- und der Kreditentwicklung hin, wie auch die gesamtwirtschaftliche Nachfrageschwäche. "Solange diese Trends anhalten, werden die Leitzinsen auf dem gegenwärtigen Niveau bleiben oder aber gesenkt werden", ergänzte Praet. Der Maßstab für die Leistungen der EZB sei am Ende das Mandat, das wahren der Preisstabilität. Derzeit seien die Inflationsrisiken aber gering.

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Mario Draghi Quelle: dpa


Zwar hat die Notenbank mit ihrer im Fachjargon als "Forward Guidance" bezeichneten Ankündigung, die Zinsen vorerst niedrig zu lassen, deutlich klarer kommuniziert als früher. Dennoch wird nun wild über die Dauer der expansiven Geldspritze orakelt. Für Praet ein Grund, nach dem Vorbild der Fed über die Veröffentlichung der Sitzungsprotokolle nachzudenken. "Diese Spekulationen bestärken mich in meiner Meinung, dass wir früher oder später Protokolle veröffentlichen sollten", sagte Praet. Das Thema werde im EZB-Rat intensiv diskutiert, so der Chefvolkswirt. Aus den Protokollen würde klar hervorgehen, wie die Mehrheiten im Rat respektive der Zinsentscheidungen verteilt sind.

Eine Zinserhöhung käme laut Praet zum jetzigen Zeitpunkt aber in jedem Fall zu früh. Die Entwicklungen zeigten, dass es Angst vor einem Rückgang der überschüssigen Liquidität im Markt gebe. Auch weitere Maßnahmen wie einen negativer Einlagezins oder den Aufkauf verbriefter Kredite diskutiert die EZB weiterhin. Von letzterer Idee distanzierte sich Praet allerdings. "Bei der Frage des Aufkaufs von Krediten bin ich skeptisch. Ich denke, eine Notenbank sollte sich nicht in die Vergabe von Krediten einmischen", sagte Praet dem Handelsblatt. Dennoch hätte die EZB ja verkündet, sie schaue sich diese Möglichkeit an. Gleiches gilt auch für den negativen Einlagezins. "Wir haben die technischen Voraussetzungen für einen solchen Schritt geschaffen", so Praet. Ob es soweit komme, hänge von den weiteren Umständen ab. Das für und wider dürfte also noch eine Weile so weiter gehen.

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