EZB: Draghi redet sich um Kopf und Kragen

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Der Präsident der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi, ist auf der Pressekonferenz am Mittwoch redseliger als gewohnt - und verwickelt sich teilweise in Widersprüchen.

von Anne Kunz

Er lässt sich als Disziplinfanatiker mit preußischer Pickelhaube in der BILD-Zeitung ablichten, beteuert immer wieder seine angebliche Bewunderung für die Bundesbank. Manch einer nimmt dem Italiener an der EZB-Spitze ab, dass er sich tatsächlich in dieser Tradition sieht. Doch bei der Ratssitzung am Mittwoch hat Mario Draghi sein wahres Gesicht gezeigt.

Was hinter der Maske zum Vorschein kommt, sind alles andere als preußische Tugenden: Zum wiederholten Male kommt Draghi zu spät zur Pressekonferenz nach der EZB-Ratssitzung. Der Italiener, sonst bekannt für seine knappen Antworten, ist in Plauderstimmung. Er redet viel und ungewohnt offen – vielleicht zu offen.

Draghi räumt ein: Die EZB ist machtlos

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Denn der EZB-Chef verwickelt sich in Widersprüche. Kritiker behaupten schon lange, dass Draghi mit den Drei-Jahres-Tendern, die er im Dezember und Februar vergeben hat, heimlich vor allem Finanzinstitute aus Schuldenstaaten wie seinem Heimatland gerettet hat. Bankchefs aus Italien und Spanien sollen ihn überhaupt erst auf die Idee mit der Billionen-Euro-Spritze gebracht haben. Draghi hat das abgestritten und immer wieder behauptet durch den Schuss mit der „Dicken Bertha“ eine Kreditklemme in der Realwirtschaft zu verhindern. Heute aber hat er zugegeben, dass die EZB eigentlich machtlos ist und nichts gegen eine Kreditklemme ausrichten kann. Die Banken würden keine Kredite vergeben, weil sie nicht genügend Kapital hätten und aufgrund des schwierigen Marktumfelds zu vorsichtig seien. Dagegen könne die EZB nichts tun. Sie könne die Banken nur mit Liquidität, nicht aber mit Kapital ausstatten. Der Hauptursache für die geringe Kreditvergabe sei sowieso vor allem die mangelnde Kreditnachfrage – und gegen die könne die EZB nun wirklich gar nichts tun. Was aber heißt das im Umkehrschluss? Dass die „Dicke Bertha“ wirklich das ist, was Draghis schärfste Kritiker behaupten: eine Einladung an die Finanzindustrie zur Selbstbereicherung durch die Notenbankpresse und damit letztlich auf Kosten der Steuerzahler.

Die größte Bombe hat sich der Italiener bis zum Schluss aufgehoben. Schon seit 16 Monaten ist die Inflationsrate im Euroraum über dem Stabilitätsziel von zwei Prozent. Draghi gibt offen zu, dass daraus mindestens 25 Monate werden könnten. Doch beunruhigt ihn das? Hier hat die Zentralbank klammheimliche neue Maßstäbe festgelegt: Aufgrund der Energiepreise, orientiere man sich nicht mehr an der Inflationsrate. Wichtiger seien die Preise für nicht transportfähige Güter und die Lohnentwicklung.

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Einmal mehr macht sich der Südländer die Welt wie sie ihm gefällt und verschleiert die wahre Dramatik der Situation. Eine EZB nach Vorbild der Bundesbank wird es unter dem Ex-Goldman-Sachs-Banker Draghi nie geben.

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7 Kommentare zu EZB: Draghi redet sich um Kopf und Kragen

  • Unsere Politiker sowie die Politik der EZB wird uns schon zu Grunde richten. Nach dem großen Knall werden unsere Ersparnisse sowie Renten und Vermögen beim Teufel sein. Einen Trost habe ich, denn nach dem Finanzcrash werden wir ohne einen gemeinsamen Markt wieder auf uns gestellt mit der DM ganz von vorne anfangen können.

  • AN ALLE DIE ES NOCH NICHT WISSEN SOLLTEN, DRAGHI IST EIN BANGSTER

  • Ich persönlich finde, man sollte die Preisentwicklung deutscher Solaraktien als Bemessungsgrundlage der Inflation hernehmen.

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