EZB-Entscheid: Mario Draghi senkt Leitzins auf 0,25 Prozent

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EZB-Entscheid: Mario Draghi senkt Leitzins auf 0,25 Prozent

, aktualisiert 07. November 2013, 14:18 Uhr

Mit Spannung wurde die Zinssitzung wartet. Die EZB hat den Leitzins im Euroraum überraschend auf das Rekordtief von 0,25 Prozent gesenkt. Der Dax schoss auf ein neues Rekordhoch, der Euro stürzte ab.

Die Europäische Zentralbank (EZB) senkt den Leitzins im Euroraum überraschend auf das Rekordtief von 0,25 Prozent. Das beschloss der EZB-Rat nach Angaben der Notenbank am Donnerstag in Frankfurt. Prompte Reaktion der Märkte: Der Dax schoss auf ein neues Rekordhoch und stieg zeitweise bis auf 9162,08 Punkte. Der Euro stürzt dagegen um mehr als ein Prozent auf 1,3359 Dollar ab. Der niedrigere Zins sorgt für billigere Liquidität im Finanzsystem der Euro-Zone, dass von den Investoren unter anderem an den Aktienbörsen untergebracht werden dürfte. Der EZB-Rat gehe davon aus, dass die Zinsen im Euroraum für einen längeren Zeitraum auf dem aktuellen Niveau oder darunter liegen werden, sagte EZB-Präsident Mario Draghi am Donnerstag in Frankfurt. "Wir haben die Untergrenze noch nicht erreicht und könnten den Zins grundsätzlich weiter senken." Die Notenbank erwarte eine „längere Phase niedriger Inflation“, erklärte Draghi. Als Reaktion auf die zuletzt kräftig gesunkene jährliche Teuerungsrate im Euroraum hatte der EZB-Rat zuvor beschlossen, den bereits extrem niedrigen Leitzins im Euroraum nochmals zu senken: auf das Rekordtief von 0,25 Prozent.
Angesichts der extrem niedrigen Inflation im Euroraum von zuletzt 0,7 Prozent im Oktober hatten einige Beobachter diese weitere Lockerung der Geldpolitik gefordert. So könnte die Notenbank eine deflationäre Abwärtsspirale aus fallenden Verbraucherpreisen und schwachem Wirtschaftswachstum verhindern.

Das sind die drei Leitzinssätze der EZB

  • Der Hauptrefinanzierungssatz

    Der wichtigste Leitzins ist der Hauptrefinanzierungssatz. Er legt den Mindestzins fest, den Geschäftsbanken der EZB für einen Kredit mit einwöchiger Laufzeit im Rahmen der sogenannten Tenderauktionen bieten müssen. Änderungen wirken sich in der Regel direkt auf die Zinsen am Geld- und am Kapitalmarkt aus.

  • Die Spitzenrefinanzierungsfazilität

    Für Banken, die sehr kurzfristig Geld brauchen, wird es teurer, hier bietet die EZB die sogenannte Spitzenrefinanzierungsfazilität an. Diese Kredite haben eine Laufzeit von einem Tag. Der Zins, den Banken für das über Nacht geliehene Geld zu zahlen haben, ist der Spitzenrefinanzierungssatz. Er liegt in der Regel rund einen Prozentpunkt über dem Hauptrefinanzierungssatz.

  • Die Einlagefazilität - der Strafzins für Banken

    Die Einlagefazilität ist das Gegenstück zur Spitzenrefinanzierungsfazilität. Sie gibt Banken die Möglichkeit, einen Überschuss an flüssigen Mitteln bis zum nächsten Geschäftstag bei der Zentralbank zu parken. Die Verzinsung gibt der Einlagefazilitätssatz an. Spitzen- und Einlagefazilität sind Instrumente, mit denen die EZB weitere Feinsteuerung verwirklichen kann. Wenn die Banken zum Beispiel nur sehr wenig oder gar keinen Zins auf das Geld bekommen, das sie bei der EZB parken, dann steigt der Anreiz, es an einen Kunden zu verleihen. Derzeit ist der Einlagezins negativ - und bestraft somit Banken, die Geld bei der EZB parken.

Das belgische Ratsmitglied Luc Coene hatte kürzlich betont, dass „ein weiterer Fall der Inflation ein geldpolitisches Handeln rechtfertigen“ könne. Die meisten Ökonomen hatten dennoch mit einer Zinspause gerechnet.

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Niedrige Zinsen verbilligen tendenziell Kredite und Investitionen und kurbeln so die Wirtschaft an. Das stärkt den Preisauftrieb. Die EZB sieht Preisstabilität bei knapp unter 2,0 Prozent Jahresteuerung.

Den sogenannten Einlagesatz, zu dem Banken ihr Geld bei der EZB parken können, beließen die Währungshüter bei null Prozent. Der Satz, zu dem sich die Institute kurzfristig Geld bei der Zentralbank leihen, kappten die Notenbanker um ein Viertelpunkt auf 0,75 Prozent. EZB-Chef Mario Draghi wird die Gründe für den Beschluss am frühen Nachmittag vor der Presse erläutern.

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