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EZB: EZB greift in den Markt ein

EZB: "Notenbanken werden politisch erpressbarer"

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EZB greift in den Markt ein

Rendite der 10-jährigen Bundesanleihe seit Januar 2010

Des einen Leid, des anderen Freud: Die Bundesrepublik Deutschland kann sich so billig verschulden wie nie zuvor. Damit Anleger ihre Euros in vergleichsweise sicheren Bundesanleihen parken durften, zahlten sie sogar zeitweise einen negativen Zins für kurzlaufende (bis zu einem Jahr laufende) Papiere. Anders gesagt: Die Bundesregierung zahlte auf neue Schulden keine Zinsen, sondern bekam sogar noch Geld geschenkt. Bei der Bundesanleihe mit zehn Jahren Laufzeit stieg die Rendite nach dem ersten Rettungspaket der EU zwar wieder bis auf 3,5 Prozent an. Mit dem Schuldenschnitt bei griechischen Staatsanleihen und der wachsenden Sorge um die Euro-Länder Italien und Spanien sanken sie aber auf rund 1,2 Prozent. Seit diesem Tief ging es nur wenig aufwärts.

Bild: Bloomberg

Befürworter der Anleihekäufe argumentieren, die EZB müsse gar nicht so viele Anleihen kaufen – weil schon die Ankündigung die Märkte beruhige.

Das halte ich für optimistisch. Schauen Sie sich die Schweizer Zentralbank an. Deren Ankündigung, den Wechselkurs des Franken zum Euro zu verteidigen, hat die Märkte zunächst beeindruckt und die Notenbank musste kaum intervenieren. Dann verschärfte sich die Euro-Krise und immer mehr Anleger flohen in den Franken. Die Notenbank war und ist gezwungen, in größerem Umfang Euros zu kaufen. Ähnlich könnte es der EZB ergehen: Kocht die Krise unverhofft weiter hoch, müsste die EZB in großem Stil Anleihen der Krisenländer kaufen. Im Gegenzug flösse noch mehr Zentralbankgeld in das Finanzsystem. Die Geister, die die EZB gerufen hat, wird sie dann nicht mehr los.

Die Chronik der Schuldenkrise

  • 10. Mai 2010

    Um die Schuldenkrise einzudämmen, spannen die Finanzminister und der IWF einen Rettungsschirm (EFSF) für pleitebedrohte Euro-Mitglieder. Insgesamt 750 Milliarden Euro sollen im Notfall fließen. Der damalige Kanzleramtsminister Thomas de Maizière resümiert, jetzt komme „Ruhe in den Karton“.

  • 21. November 2010

    Als erstes EU-Land schlüpft Irland unter den EFSF. Europäer und IWF schnüren ein Hilfspaket von 85 Milliarden Euro. EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy hält Sorgen vor einem Überschwappen auf Portugal für unbegründet: „Gerede über eine Ansteckung hat keine wirtschaftliche oder rationelle Grundlage.“

  • 8. April 2011

    Nach einem Hilferuf aus Lissabon setzt die EU ein Rettungspaket für Portugal in Gang. Höhe: Rund 80 Milliarden Euro. Schäuble sieht die Gefahr einer Ausbreitung der Krise zunächst als gebannt an: „Die Ansteckungsgefahr ist geringer geworden.“

  • 20. Juni 2011

    Die EU-Finanzminister beschließen eine Ausweitung des EFSF. Deutschlands Anteil steigt von 123 auf 211 Milliarden Euro. Damit bis zu 440 Milliarden Euro an Krediten gezahlt werden können, müssen die Euro-Länder ihre Garantien auf 780 Milliarden Euro erhöhen. Merkel verteidigt das: „Scheitert der Euro, scheitert Europa.“

  • 23. Juni 2011

    Athen beantragt ein zweites Hilfspaket. Es beläuft sich schließlich auf 159 Milliarden Euro. Erstmals beteiligen sich auch private Gläubiger Athens, ihr Anteil beträgt rund 50 Milliarden Euro.

  • 8. August 2011

    Die Europäische Zentralbank (EZB) kauft nun auch Staatsanleihen von Italien und Spanien auf, um beide Länder zu stützen.

     

  • 23. - 27. Oktober 2011

    Nach einem Doppelgipfel beschließen die Euro-Länder das bislang dickste Paket zur Eindämmung der Krise: Griechenlands Schulden werden um 50 Prozent gekappt. Das im Juli beschlossene 109-Milliarden-Programm wird modifiziert: Nun soll es zusätzliche öffentliche Hilfen von 100 Milliarden Euro geben, sowie Garantien von 30 Milliarden Euro, mit denen der Schuldenschnitt begleitet wird. Die Schlagkraft der EFSF soll auf rund eine Billion Euro erhöht werden. Zudem müssen Europas Banken ihr Kapital um mehr als 100 Milliarden Euro aufstocken. „Ich bin sehr zufrieden mit den Ergebnissen“, bilanziert Merkel. Und Frankreichs Finanzminister François Baroin sagt erleichtert: „Es gab ein Explosionsrisiko. Das Abkommen von heute Nacht ist eine freundschaftliche, globale und glaubwürdige Antwort.“

  • 8. November 2011

    Silvio Berlusconi steht vor dem Aus. Bei der Abstimmung über den Rechenschaftsbericht 2010 verfehlt er im italienischen Parlament die absolute Mehrheit. Am Abend kündigt er seinen Rücktritt an. Zuvor sollen aber noch die Brüssel zugesagten Reformen beschlossen werden.

  • 9. November 2011

    Griechenlands Regierungschef Giorgos Papandreou kündigt in Athen seinen Rücktritt an.

  • 09. Dezember 2011

    Nahezu alle Mitgliedstaaten einigen sich beim EU-Gipfel in Brüssel nach zähen Verhandlungen auf eine Fiskalunion. Großbritannien steht im Abseits. Eine Spaltung der EU wird abgewendet.

  • 14. März 2012

    Die Eurogruppe gibt ein zweites Griechenland-Paket frei. Der IWF beteiligt sich daran mit 28 Milliarden Euro.

  • 09. Juni 2012

    Spaniens Regierung kündigt an, zur Sanierung der maroden Banken ein Rettungspaket "light" zu beantragen. Die Eurogruppe sagt Madrid bis zu 100 Milliarden Euro zu.

  • 25. Juni 2012

    Nach langem Zögern flüchten Spanien und auch Zypern unter den Euro-Rettungsschirm. Der Finanzierungsbedarf beider Länder zur Rekapitalisierung ihres Bankensektors ist noch unklar.

  • 12. September 2012

    Das deutsche Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe genehmigt den ESM-Rettungsschirm unter Vorbehalten. Die Bedingung: Es müsse sichergestellt werden, dass die Haftung Deutschlands auf die vereinbarten 190 Milliarden Euro beschränkt bleibe. Ohne erneute Zustimmung Deutschlands - und damit des Bundestags - dürfen keine höheren Zahlungsverpflichtungen begründet werden. Damit kann Deutschland dem permanenten Euro-Rettungsschirm ESM beitreten. Bis zur Entscheidung aus Karlsruhe hatte Deutschland bislang als einziges Euro-Land den Vertrag über den „Europäischen Stabilitätsmechanismus“ ESM noch nicht ratifiziert. Erst mit der Beteiligung des größten Mitgliedsstaats kann der Rettungsschirm in Kraft treten.

Wäre es besser, wenn die EZB den Zinsabstand der Krisenländer zu Bundesanleihen stabilisiert oder wenn sie eine feste Zinsobergrenze verteidigt?

In beiden Fällen greift die EZB in die Preisfindung an den Märkten ein. Damit würde sie den Sanktionsmechanismus des Marktes teilweise ausschalten. Implizit unterstellt sie, dass die Finanzmärkte übertreiben. Zugleich maßt sie sich an, besser als diese zu wissen, wo die richtigen Zinsen für die Krisenländer liegen. Entscheidet sich die EZB, den Zinsabstand zu Bundesanleihen zu stabilisieren, folgen die Zinsen für die Krisenländer immerhin dem allgemeinen Markttrend und erlaubt auch dauerhaft eine gewisse Preisfindung über die Märkte.

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Verteidigt die EZB dagegen absolute Zinsobergrenzen, könnten sich im Ernstfall die Renditen auf Staatsanleihen allmählich sogar angleichen und sich die Finanzierungskosten für Krisenländer eventuell gänzlich vom Markt abkoppeln. Somit ist von den beiden Varianten die erste sicherlich zu befürworten.

4 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 06.09.2012, 03:39 UhrBRDigung

    Wieso glauben Politiker und Banker, dass sie mit den gleichen Fehlern wie vorher ein anderes Ergebnis erhalten würden?

    Die EZB ist zur Bad Bank verkommen und unsere Politiker tun alles, damit auch Deutschland den Staatsbankrott erleidet.
    Ist es wirklich unser Schicksal, uns permanent ausplündern zu lassen?

    Wieso können die etablierten Parteien immer noch so viel Stimmen auf sich vereinigen? Ist die Masse Mensch immer noch nicht aufgeklärt genug, um zu verstehen, wohin uns das führen wird?

    Hier teilnehmen, das wäre wichtig.Gegen den Wahnsinn der Euro-Wahnsinnigen:

    http://eurodemostuttgart.wordpress.com/2012/09/02/stopp-esm-miteinander-fur-unsere-demokratie/

    Gegen den Wahnsinn der Euro-Wahnsinnigen:

  • 05.09.2012, 20:59 UhrhalloTri

    Zweitwährung einführen und den Euro auf ECU-Maß schrumpfen

  • 05.09.2012, 20:35 Uhrcosmowiwo

    Stimmt genau. Es ist ein RIESENDILEMMA!

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