EZB-Forum in Sintra: Mario Draghi hat den Finger am Abzug

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EZB-Forum in Sintra: Mario Draghi hat den Finger am Abzug

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Mario Draghi

von Angela Hennersdorf

Wie sollte die Notenbank auf den starken Euro und die niedrige Inflation reagieren? Auf einer Konferenz deutet EZB-Präsident Mario Draghi Antworten an - doch die entscheidende Frage ignoriert er.

Mario Draghi ist ein exzellenter Ökonom und ein exzellenter Geldpolitiker, keine Frage.  Er weiß genau, wie er die Dinge einfädelt, so dass sie für ihn passen.

Es ist noch eine gute Woche bis zur nächsten EZB-Ratssitzung am 5. Juni in Frankfurt. Seit Wochen schon bereitet der EZB-Präsident die Finanzmärkte auf eine Ausweitung der  Geldpolitik vor. Dass er das nicht leichtfertig und unbedacht tut, erläuterte Draghi nun in einer ausführlichen Analyse.

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Nicht nur zugucken

Ruhig und konzentriert zementiert Draghi auf dem von ihm ins Leben gerufenen Forum von Notenbankern, Ökonomen und Politikern im portugiesischen Sintra, wie entschlossen er ist, nicht weiter zuzusehen, wie Europa in die nächste Krise schlingert. „Wir werden uns nicht damit abfinden, dass die Inflation zu lange auf zu niedrigem Niveau bleibt“, sagte Draghi auf der Konferenz.

Seine Analyse spiegelt die Lage in den unterschiedlichen Euroländern mit ihren Risiken exakt wider. Sicherlich hat Draghi recht, wenn er sagt, es gäbe eine Missverhältnis zwischen der ökonomischen Lage und der gegenwärtigen niedrigen Inflation. Die Lage sei heterogen in den jeweiligen Ländern, doch die Gefahr sei, dass sich die niedrige Inflation verfestige und zu einer allgemeinen Abwärtsspirale im Euroraum führe.

In seiner „Anatomie der Inflation“ analysiert Draghi im Detail die möglichen Gefahren und die Möglichkeiten, mit denen die EZB reagieren kann - auf die niedrige Inflation, den starken Euro und die immer noch geringe Kreditvergabe der Banken. Ursache für die anhaltend niedrige Inflation sei der starke Euro, kombiniert mit sinkenden Energie- und Lebensmittelpreisen.  

Zwar erwarte die Zentralbank,  dass die Inflationsrate auf mittlere Sicht wieder in Richtung der von ihr angestrebten zwei Prozent anziehe, sagte Draghi. „Es ist aber unsere Verantwortung, die Risiken für dieses Szenario zu sehen und uns darauf vorzubereiten, falls nötig zu handeln.“

Heikles Timing

Die schwierige Frage ist nur: Wann ist der richtige Zeitpunkt? Wann ist die Inflation zu lange zu niedrig? Wann verfestigt sie sich und entwickelt sich zu einer Preisabwärtsspirale im Euroraum?

Draghis offene Frage nach dem richtigen Zeitpunkt lässt vermuten, die EZB überlege noch, ob sie am 5. Juni wirklich handeln werde. Doch um die niedrige Inflation in den Griff zu bekommen, erwarten die Finanzmärkte längst, dass Draghi erneut an der Zinsschraube drehen wird; dass er den Leitzins abermals senkt und damit erstmals auch Strafzinsen für Banken erhebt, die ihr Geld kurzfristig bei der EZB parken.

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Sicher, so führt Draghi zum Schluss seiner Ausführungen auf dem Forum in Sintra aus, müsse man Kosten und Nutzen der geldpolitischen Instrumente debattieren und abwägen. „Aber es gibt keine Debatte darüber, dass wir unser Ziel, die Inflation mittelfristig wieder auf zwei Prozent zu bringen, erreichen wollen.“

Das sagt eigentlich alles. EZB-Präsident Draghi hält den Finger am Abzug, und ist längst wild entschlossen, mit neuen unkonventionellen Maßnahmen in die Wirtschaft einzugreifen.  

Was Draghi weglässt, sind die Folgen und Wirkungen der Maßnahmen - auf die Märkte, auf die einzelnen Euroländer und letztlich auf den Verbraucher.

Das ist doch eigentlich die entscheidende Frage - auf die ein Notenbank-Chef ausführlich Antwort geben sollte.

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