EZB: Gefährlicher Geldregen

KommentarEZB: Gefährlicher Geldregen

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Die EZB bietet billiges Geld an. Die Folge: Die Euro-Krisenländer konnten sich zunächst günstig, Geld leihen. Doch der EZB-Kurs birgt auch Gefahren.

von Anne Kunz

Mario Draghi fährt schwere Geschütze auf und bietet den Banken erneut billiges Geld für drei Jahre. Doch der Drei-Jahres-Tender ist alles andere als eine Erfolgsgeschichte. Er könnte die Krise sogar noch verschärfen.

Die Banken sollen mit dem Geld  Staatsanleihen kaufen, so die Renditen drücken und gleichzeitig ihre Kreditangebot konstant halten - und nicht eindampfen, wie aufgrund der Krise und den verschärften Regulierungsvorschriften befürchtet wird.

Nach Einschätzung der Investmentbank Morgan Stanley werden vor allem spanische und italienische Geldhäuser die EZB anzapfen. Mit welcher Summe ist noch unklar. Laut einer Umfrage der britischen Geschäftsbank Barclays gehen 42 Prozent der weltweit institutionellen Investoren davon aus, dass der Drei-Jahres-Tender zwischen 450 und 600 Milliarden Euro liegen wird. 29 Prozent erwarten 300 bis 450 Milliarden Euro. Bemerkenswert ist, dass alle Investoren aus der Euro-Zone, darunter auch Banken, damit rechnen, dass die Summe höher als 450 Milliarden Euro sein wird und davon 64 Prozent sogar davon ausgehen, dass es mehr als 600 Milliarden Euro sein werden.

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Alles andere als eine Erfolgsgeschichte

Die „dicke Bertha“, so hatte Draghi den Drei-Jahres-Tender getauft. Gemeint war der historische Mörser der Firma Krupp. Bereits im Dezember hatte er damit gefeuert und den Instituten 500 Milliarden Euro für drei Jahre geliehen. Besonders die Südländer zögerten nicht, sich eine ordentliche Dosis Zentralbankgeld zu verabreichen. Kein Wunder, schließlich hatten unter anderem die Chefs der südländischen Banken Unicredit, und Santander Draghi bei einem Geheimtreffen auf die Idee mit dem Dreijahrestender gebracht. So besorgte sich die Mailänder Großbank Unicredit zwölfeinhalb Milliarden Euro, die spanische Banco Popular aus Madrid brauchte sechs Milliarden.

Was passierte dann? Es war wie im Märchen. Die Renditen fielen tatsächlich. Die Lage am Interbankenmarkt entspannte sich spürbar. Madrid und Rom kommen wieder günstiger an Geld. Die Konjunktur-Frühindikatoren erholten sich. Trotzdem ist der Drei-Jahres-Tender alles andere als eine Erfolgsgeschichte und könnte die Krise sogar noch verschärfen. Hohe Renditen und die damit einhergehenden steigenden Refinanzierungskosten sind zwar schmerzhaft für die Krisenstaaten, doch sie haben eine wichtige, erzieherische Aufgabe: Sie erhöhen den Reformdruck auf die Länder. Sind die Risikoaufschläge jedoch erträglich, werden es sich die Südländer gut gehen lassen und weiter machen wie bisher.

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