EZB-Präsident: Draghi redet die Krise schön

EZB-Präsident: Draghi redet die Krise schön

Für EZB-Chef Mario Draghi ist die Euro-Krise weitgehend ausgestanden. "Das Schlimmste ist vorüber", sagte der Italiener in einem Interview. Das gerade die EZB einen riskanten Kurs fährt, verschweigt er.

Der Präsident der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi, sieht die Euro-Zone im Kampf gegen die Schuldenkrise auf einem guten Weg. „Das Schlimmste ist vorüber, aber es gibt auch noch Risiken“, sagte Draghi im Interview mit der der „Bild“-Zeitung. „Die Lage stabilisiert sich. Das Vertrauen der Investoren kehrt zurück und die EZB hat seit Wochen keine Staatsanleihen mehr klaufen müssen."

Die Gründe dafür allerdings verschweigt der Italiener. Denn das Staatsanleihenkaufprogramm SMP wird durch Draghis "Dicke Bertha", die unbegrenzte Versorgung der Banken mit billigem Zentralbankgeld für drei Jahre, immer mehr in den Hintergrund gedrängt. Mit diesem Trick hat der Italiener die Banken dazu verleitet, ihrerseits renditestarke Staatsanleihen aus den Peripherieländern zu kaufen. Die EZB selbst muss sich die Hände nicht mehr schmutzig machen und sich dem Vorwurf der verbotenen "monetären Staatsfinanzierung" aussetzen.

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Sinn sieht EZB auf der "schiefen Bahn"

Auch Ökonom Hans-Werner Sinn sieht die EZB auf der "schiefen Bahn". In der WirtschaftsWoche sagte er: "Kein System überlebt ein Regime der lockeren Budgetbeschränkungen, bei dem staatliche Instanzen die tatsächlichen Knappheiten der Ökonomie dauerhaft mit der Notenpresse übertünchen. Die EZB treibt Europa mit dieser Politik in die Inflation oder in eine Transferunion, mindestens verzerrt sie die Allokation der Ressourcen", so der ifo-Chef.

Und weiter: "Die EZB versucht, den schier unermesslichen Kredithunger der Volkswirtschaften in der Peripherie und neuerdings auch Frankreichs und Italiens mit Refinanzierungskrediten zu stillen. Mit der Notenpresse pumpt sie die Spargelder, die über den Interbankenmarkt freiwillig nicht mehr von Deutschland dorthin fließen wollen, gegen den Strom weiter nach Lateineuropa. Der mediterrane Lebensstandard wird so weiterfinanziert, und zudem wird den begünstigten Ländern die Möglichkeit gegeben, sich von ihren deutschen und holländischen Gläubigern unabhängig zu machen."

Draghi widerspricht dem - indem er überschwänglich die Rolle Deutschlands lobt: „Deutschland ist ein Vorbild. Das alte europäische Sozialstaats-Modell ist nämlich tot, weil es viel zu oft nicht ohne Schulden auskam. Die Deutschen haben es neu erfunden - ohne übermäßige Schulden.“

Ein Exportschlager in der Eurozone war die preußische Tugend trotz allen Lobes nicht.

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