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EZB-Programm: Banken greifen sich 500 Milliarden Euro

von dpa und rtr

Liquidität über einen Zeitraum von drei Jahren für nur 1,0 Prozent: Das Angebot der EZB fruchtete unter den europäischen Banken. Deutlich mehr Institute als erwartet griffen zu.

Mario Draghi Quelle: dapd
Mario Draghi stellt niedrig verzinste Gelder zur Verfügung Quelle: dapd

Insgesamt liehen sich die wegen der Eurokrise verunsicherten Institute bei der Europäischen Zentralbank (EZB) zu günstigen Konditionen 489,2 Milliarden Euro für einen Zeitraum von bis zu drei Jahren. Das war deutlich mehr als erwartet: Im Schnitt hatten Volkswirte mit rund 300 Milliarden Euro gerechnet. An der Aktion beteiligten sich laut EZB insgesamt 523 Banken, ein sehr hoher Wert. Der Zins, den sie zahlen müssen, orientiert sich an den Sätzen der wöchentlichen Hauptrefinanzierungsgeschäften der Institute mit der EZB über die Laufzeit von drei Jahren. Derzeit liegt er bei 1,0 Prozent - das entspricht dem Leitzins im Euroraum.

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Kreditvergabe in unbegrenzter Höhe

Die EZB hatte die Kreditvergabe in unbegrenzter Höhe parallel zu ihrer letzten Zinssenkung angekündigt, um eine Verschärfung der Krise im Bankensektor - und in der Realwirtschaft - zu verhindern. Hintergrund: Die Geldinstitute leihen sich derzeit aus Angst vor Risiken in den Bilanzen nur ungern gegenseitig Geld. Zudem ist der Markt für neue Bankanleihen, mit denen die Häuser Fremdkapital aufnehmen könnten, fast ausgetrocknet. Experten befürchteten daher, dass die Banken die Kreditversorgung der Unternehmen drastisch einschränken.

Als Konsequenz aus dieser Aktion befinden sich die Renditen der großen Euro-Krisenländer Italien und Spanien befinden sich im Sinkflug. Experten sehen einen klaren Zusammenhang mit den jüngst beschlossenen Hilfsmaßnahmen der EZB für die Kreditinstitute der Eurozone. An den Börsen und beim Eurokurs schlug sich die aktuelle Nachricht allerdings nur kurzfristig in Kursaufschlägen nieder.

Sparprogramm der Schuldenländer

Griechenland

Immer neue EU-Hilfszahlungen fließen nach Athen - doch Griechenland bekommt seine Schulden nicht in den Griff. Nun hat der Premierminister Papademos sein Land zu neuen Anstrengungen aufgefordert.

„Die Finanzkrise in unserem Land ist kein Sturm, der vorbeizieht“, räumte Griechenlands neuer Regierungschef Lukas Papademos Anfang Dezember ein. Damals appellierte er vor dem Parlament: „Angesichts unserer Probleme dürfen wir unsere Anstrengungen 2012 nicht einstellen". Die Abgeordneten folgten dem Premier und stimmten mit großer Mehrheit für ein neues Sparprogramm.

Das sah vor, dass Athen 2012 keine neuen Schulden mehr macht. Dieses ehrgeizige Ziel soll durch Einsparungen im staatlichen Bereich und durch Privatisierungen erreicht werden. Zuvor führte der Land bereits eine Solidaritätssteuer ein und erhöhte die Kfz-Steuer um zehn Prozent. Freiberufler wie Rechtsanwälte sollen zusätzlich zu den bislang berechneten Steuern je nach Einkommen zwischen 100 und 300 Euro jährlich zahlen. Heizölsteuern sollen um fünf Cent erhöht werden, für Immobilien sollen die Steuern pro Quadratmeter in die Höhe gehen. Renten, die über 1700 Euro gehen, werden um zehn Prozent gekürzt. Staatliche Behörden wurden geschlossen und die Angestellten in andere staatlichen Betriebe eingesetzt. Die Zahl der angestellten Beamten wird radikal gekürzt – für jeden zehn Staatsdiener, die in Rente gehen, wird nur ein neuer Mitarbeiter eingestellt. 

Im Bild: Vom Gebäude der Bank of Greece tropft rote Farbe.

Quelle: REUTERS

Zumindest Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy scheint bereits sehr konkrete Vorstellungen zu haben, was mit dem frischen Geld geschehen soll: Zukünftig könnten sich die klammen Staaten im Währungsraum wieder an ihre Geldinstitute wenden, um frische Mittel aufzunehmen, sagte der französische Präsident nach dem jüngsten EU-Gipfel zu den kurz zuvor beschlossenen Notfallhilfen für die Geldhäuser. Auch Analysten hatten zuletzt die Hoffnung geäußert, die Kreditinstitute könnten wieder engagierter Staatsanleihen krisengeschüttelter Euro-Staaten kaufen.

Auf den ersten Blick erscheint das Angebot lukrativ: Im Stile eines sogenannten „Carry Trades“, der auf Zinsdifferenzen zielt, würden die Banken ihr günstig bei der EZB geliehenes Geld in deutlich höher verzinste Bonds beispielsweise aus Italien oder Spanien investieren. Dabei kämen besonders kurzlaufende Papiere in Betracht, deren Fälligkeit sich in etwa mit der Refinanzierung durch die EZB deckt. Der EZB selbst ist die direkte Staatsfinanzierung per Mandat verboten, deshalb kann sie keine neuen Anleihen kaufen, sondern nur die bereits in Umlauf befindlichen und dies in begrenztem Umfang - und selbst diese Maßnahme ist innerhalb der Zentralbank umstritten.

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