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Kommentar EZB-Ratssitzung: Showdown für den Euro

von Anne Kunz

Noch nie war der Druck auf Mario Draghi so groß: Er allein soll den Euro retten. Kann er das schaffen?

Mario Draghi Quelle: REUTERS
Mario Draghi steht heute im Mittelpunkt des Interesses. Quelle: REUTERS

EZB-Chef Mario Draghi wählte große Worte: Er werde alles tun, um den Euro zu retten, hatte er vergangene Woche getönt. Die Märkte goutierten dies mit einem Kursfeuerwerk - Vorschusslorbeeren, denn es folgten keine Taten. Heute ist EZB-Ratssitzung und der Tag an dem Draghi liefern muss.

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So ist die Lage: Fast alle südländischen Länder haben ehrgeizige Reformprogramme auf den Weg gebracht. Die Löhne sinken, die Staatsausgaben werden gekürzt, die Steuern erhöht. Doch kurzfristig bringt das nichts: Es dauert zu lange, die tief verwurzelten und fest gefahrenen Strukturen, die in der das Wachstum hemmen, aufzubrechen. Manche glauben sogar, dass es überhaupt nicht gelingen kann. Die Finanzmärkte bestrafen diese Länder mit hohen Zinsaufschlägen. Das erhöht zwar den Reformdruck, doch treibt die Staaten auch endgültig an den Abgrund und macht sie damit zum Sanierungsfall.

Die Hilfsmittel der EZB

  • Billige Kredite

    Draghi senkte den Zinssatz für wöchentliche Kreditgeschäfte auf ein Rekordtief von 0,75 Prozent. Banken, die dringend frisches Geld brauchen, können sich so leichter refinanzieren.

  • Unbegrenzte Liquidität

    Seit dem Herbst 2008 verleiht die EZB unbegrenzt Geld. Draghi setzte noch eins drauf: Die Institute durften sich zusätzlich mit dreijährigen Krediten von insgesamt einer Billion Euro eindecken.

  • Weniger Sicherheiten

    Die EZB hatte die Anforderungen an Wertpapiere, die Banken bei den Refinanzierungsgeschäften mit der Zentralbank als Sicherheiten benutzen dürfen, deutlich gesenkt. Draghi hat diese nun noch weiter gelockert.

  • Kauf von Pfandbriefen

    Die EZB hat für 70 Milliarden Euro Pfandbriefe gekauft und belebte so den Markt für dieses sehr wichtige Refinanzierungsinstrument der Banken.

  • EZB zahlt keine Zinsen mehr

    Draghi hat den Zinssatz für Einlagen der Geschäftsbanken auf null gesenkt. Die Geldhäuser sollen ihre überschüssige Liquidität lieber an Konkurrenten verleihen – oder als Kredite an die Realwirtschaft geben. So will er den Geldmarkt wiederbeleben.

  • Strengere Aufsicht

    Draghi hat es satt, von nationalen Aufsehern beschummelt zu werden. Er will auf wichtige Bankdaten zugreifen können.

Mittlerweile ist fast alles Geld aufgebracht und nach Spanien könnte Italien noch stärker ins Visier der Finanzmärkte geraten. Wenn Italien kippt, dann kippt auch der Euro. Denn für eine Ausweitung des Rettungsschirms  gibt es innenpolitisch keine Mehrheit. Der Euro steht kurz vor dem Aus. Draghi will das Blatt wenden.

Was könnte die EZB tun? Die EZB könnte die Zinsen senken oder ein weiteres Geschäft zur langfristigen Refinanzierung für Banken (LTRO) anbieten. Beide Varianten sind jedoch unwahrscheinlich. Der Leitzins ist bereits mit 0,75 Prozent auf Rekordtief und der LTRO wurde stark kritisiert, weil viele Banken mit dem Zentralbankgeld zockten, statt es als Kredite an die Realwirtschaft weiterzugeben. Viel wahrscheinlicher ist deshalb, dass Draghi das SMP - das Aufkaufprogramm von Staatsanleihen aus finanzschwachen Mitgliedsländer der Eurozone - neu auflegt.

Wofür die Deutschen bei der Euro-Rettung haften

Die EZB würde dann allerdings nicht mehr tröpfchenweise und ohne es vorher anzukündigen kaufen, sondern mit großen Volumina auf den Märkten eingreifen – allerdings nicht ohne Gegenleistung: Nur die Länder, die sich an die Reformvorgaben halten, werden in den Genuss der Stützungskäufe kommen.

Für diese Länder wird Draghi dann ein bestimmtes Zinsniveau – beispielsweise fünf Prozent – festlegen.  Steigen die Renditen darüber, obwohl sich die Regierung sich an die Vorgaben hält, drückt die EZB durch Interventionen die Zinsen wieder nach unten.

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Kann das funktionieren? Nein. Abgesehen davon, dass die EZB mit dieser Strategie Fiskalpolitik betreiben würde und somit ihr geldpolitisches Mandat verletzt, kann man Märkte nicht steuern. Die Geschichte hat uns das eindrucksvoll bewiesen. Früher hat man versucht Wechselkurse zu verteidigen, heute eben Renditen von Staatsanleihen. Beides funktioniert nicht. Es gibt immer Spekulanten, die dagegen wetten.

Für die Zentralbank könnte das sehr teuer werden. Übersteigt das Volumen der Käufe – und das kann bei dieser Strategie leicht passieren – die 500 Milliarden Euro-Grenze,  ist die Zentralbank nicht mehr in der Lage, das zusätzlich in Umlauf gebrachte Geld auf anderem Wege wieder einzusammeln. Das Geldmengenwachstum  würde spürbar beschleunigt  und die Inflation angeheizt.

11 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 02.08.2012, 20:44 Uhrunbekannt

    Genau mein Vorschlag, Deutschland sollte aus dem Euro austreten
    a) Draghi weint weil wir bösen Deutschen uns nicht für alle Zeiten verpflichten wollen den legeren Lebensstil der Griechen und Italiener zu finanzieren,
    b) da uns die Griechen drohen der Euro würde platzen wenn wir sie pleite gehen lassen, was sie ohnehin schon sind
    c) die Spanier, Franzosen und Italiener durch die Deutschen gestört werden weil wir keine Euro-Bonds wollen und keinen unbegrenzten, unkotrollierten Zugriff auf unsere Rentenkassen, Spargroschen etc,

    Dann sollten wir uns von selbst als ungeliebte Deutsche aus dem Euro verabschieden und AUSTRETEN

  • 02.08.2012, 14:12 UhrSteigenberger

    Draghi wettet darauf, dass Spanien + Italien genauso diszipliniert

    reformieren, wie

    Irland + Portugal sowie das Baltikum, alle haben zähneknirschend tiefe

    Einschnitte in die Renten/-Sozialsysteme sowie Subventionsabbau hinnehmen müssen - sie haben sich sehr diszipliniert gezeigt u. sollten

    für diese Fortschritte von der EZB "belohnt" werden durch
    akzeptable Zinsen ( 3 -5%)!
    Aber was haben Italien u. Spanien bisher geleistet ?
    Monti hat gerade mal ein Sparprogramm von ca. 25 Milliarden Eu. zustande
    gebracht bei 1900 Milliarden Staatsschulden !
    In Spanien wird zwar gespart, aber die Produktion ist schon sosehr
    "kaputtgespart" worden, dass ein rascher Aufstieg sehr unwahrscheinlich
    ist u. die Regionen spielen nicht mehr mit, sh. Andalusien ( tradition-
    ell das Armenhaus Spaniens mit der Extremadura u. Murcia!) u. auch
    Katalonien - mit die industriereichste Region des Landes, sie sabotieren
    die Sparauflagen der Zentralregierung !
    Für beide Länder reichen kurzfristige Hilfsmassnahmen nicht aus zumal
    die EZB nicht das Mandat hat auf Dauer Staatsschulden zu finanzieren!
    Dazu wäre ein sinnvoll u. mit harten Auflagen bei Verstoss versehener
    SCHULDENTILGUNGSFONDS, der mit SICHERHEITEN unterlegt ist, besser ge-
    eignet, so hätte die EZB auch den Freiraum die Target2salden zu re-
    duzieren = 750 Milliarden Eu. momentan, die unnatürlich u. gefährlich sind!
    Warum die rote Linie beim Staatsanleihenkauf durch die EZB bei 500 Mia.
    Eu. liegen sollte - wie Frau Kunz schreibt-bleibt unverständlich bei
    bereits erfolgtem quantitative easening von über 1500 Mia. Eu. durch die
    EZB!
    Die Zentralbank muss die Fungibilität u. Solvabilität der Währung sichern, nicht aber sich in langjährige Entschuldungsmaßnahmen ein-
    mischen, denn das führt zur Inflation durch unkontrolllierte Geldmengen-
    ausweitung! - Alle Maßnahmen haben nur Sinn wenn der disziplinierende,
    flankierte GREXIT im Herbst stattfindet!

  • 02.08.2012, 12:39 UhrOlivaWeber

    Ein guter Artikel, der sachlich analysiert, warum es so wie die EZB vorgeht nicht klappen kann.
    Nun, wenn Draghi aus der EZB eine bad bank machen will, entfällt allerdings die Geschäftsgrundlage mit allen Konsequenzen: Kein Geld, kein Ankauf von maroden Staatsanleihen keine Nachschüsse, keine Haftung für die EZB. Herr Weidmann sollte das Herrn Draghi sagen - das ist die Sprache, die Herr Draghi und seine Kollegen bestimmt verstehen.
    Ist dieser Herr übrigens überhaupt befugt, solche Entscheidungen zu treffen, solange der EU-Ombuds-mannes prüft, ob Draghi als Mitglied der G30, einer Lobbyorganisation für Grossbanken, in seiner EZB-Funktion in einem Interessenkonflikt steht?
    Das laute Schweigen von Schäuble und Merkel, vor allem Merkels Aussage, die EZB sei "unabhängig", ist empörend. Die EZB ist zutiefst abhängig - von den Schuldnerstaaten. Und Deutschland soll es werden. Am 18. /19. August ist Tag der offenen Tür des Kanzleramts und der Bundesministerien in Berlin. Jeder kann sich im Netz über die Tagesprogramme informieren und Merkel, Schäuble u.a. persönlich ansprechen. Ich werde da sei. - Andere hoffentlich auch.

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