EZB-Ratssitzung: So redet Mario Draghi seine Anleihekäufe schön

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EZB-Ratssitzung: So redet Mario Draghi seine Anleihekäufe schön

von Saskia Littmann

Am kommenden Montag startet die Zentralbank ihr milliardenschweres Anleihekaufprogramm. Während Mario Draghi alle Zweifel voller Zuversicht wegwischt, ignoriert er die Risiken.

Mario Draghi hatte am Donnerstag eine Mission zu erfüllen. Der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB) wollte nach der auswärtigen Ratssitzung der Zentralbank auf Zypern eigentlich nur eine Botschaft loswerden. Deren Kernaussage: die Anleihekäufe werden ihre Wirkung entfalten, Zweifel am Erfolg des Programms sind nicht angebraucht. Mögliche Risiken ignorierte der Italiener geschickt - die Rolle des "Mister Zuversicht" hat er fast perfektioniert.

Ab dem kommenden Montag, den 9. März, will Europas Notenbank die ersten Anleihen kaufen. Insgesamt, so hatte es Draghi im Januar angekündigt, plant die EZB monatliche Anleihekäufe in Höhe von 60 Milliarden Euro. Doch schon vor dem Start habe das Programm deutliche positive Effekte gehabt, erklärt Draghi und spielt damit auf die Situation an den Märkten an. "Wir haben bereits eine erhebliche Anzahl von positiven Auswirkungen dieser geldpolitischen Entscheidungen gesehen", erklärte der Italiener im Hinblick auf sein Maßnahmenpaket.

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Notenbanken rund um den Globus lockern ihre Geldpolitik

  • Immer mehr Notenbanken senken weltweit die Zinsen

    Im Kampf gegen einen gefährlichen Abwärtssog aus fallenden Preisen und schrumpfenden Investitionen senken immer mehr Notenbanken weltweit die Zinsen. Ein Überblick über die einzelnen Schritte seit dem 1. Januar.
    Quelle: Reuters; Stand März 2015

  • 1. Januar - Usbekistan

    Die Zentralbank von Usbekistan setzt ihren Refinanzierungssatz auf neun Prozent von bislang zehn Prozent nach unten.

  • 15. Januar - Schweiz

    Die Schweizer Notenbank (SNB) vollzieht eine radikale Kehrtwende und schafft den Mindestkurs des Franken zum Euro ab. Die Währungshüter begründen ihre überraschende Entscheidung mit dem immer stärker werdenden Dollar und dem anhaltend fallenden Euro. Gleichzeitig wird der Strafzins auf Einlagen von Banken bei der Notenbank auf 0,75 Prozent von 0,25 Prozent angehoben.

  • 15. Januar - Ägypten

    Die Notenbank von Ägypten senkt überraschend die Leitzinsen um 0,5 Punkte. Die Sätze für Übernachteinlagen und Kredite werden auf 8,75 beziehungsweise 9,75 Prozent gekürzt.

  • 16. Januar - Peru

    Perus Zentralbank senkt überraschend den Leitzins auf 3,25 von bislang 3,5 Prozent. Konjunkturdaten für das Land, die kurz vorher veröffentlicht wurden, waren sehr schwach ausgefallen.

  • 21. Januar - Kanada

    Die Bank von Kanada senkt die Zinsen auf 0,75 Prozent. Damit beendete sie den längsten Zeitraum mit unveränderten Zinsen seit 1950 - seit September 2010 hatte der Schlüsselzins bei einem Prozent gelegen.

  • 22. Januar - EZB

    Die Europäische Zentralbank (EZB) kündigt eines der bislang größten Anleihe-Kaufprogramme aller Zeiten an. Insgesamt wollen die Währungshüter Staatsbonds sowie andere Wertpapiere im Volumen von 1,14 Billionen Euro erwerben. Mit den Käufen soll im März begonnen werden.

  • 24. Januar - Pakistan

    Pakistans Zentralbank senkt den Leitzins auf 8,5 von bislang 9,5 Prozent. Sie begründete dies mit einem schwächeren Inflationsdruck im Zuge der weltweit sinkenden Ölpreise.

  • 28. Januar - Singapur

    Die Zentralbank von Singapur (MAS) lockert ihre Geldpolitik, um die niedrige Inflation anzuheizen. Sie kündigt an, den Kursanstieg des Singapur-Dollar gegen einen Korb ausländischer Währungsmittel einzudämmen. Die Inflationserwartungen hätten sich seit Oktober 2014 erheblich verändert, begründeten die Notenbanker des Stadtstaats den Schritt.

  • 28. Januar - Albanien

    Die albanische Notenbank setzt den Schlüsselzins herab auf das Rekordtief von zwei Prozent. Im vergangenen Jahr hatte sie die Zinsen bereits drei Mal gesenkt, zuletzt im November.

  • 30. Januar - Russland

    Russlands Notenbank kappt den Schlüsselzins für die Versorgung der Banken mit Geld auf 15 von 17 Prozent. Das ist eine scharfe Kehrtwende, da die Notenbank 2014 die Zinszügel erst kräftig angezogen hatte. Die westlichen Sanktionen wegen des Ukraine-Konflikts und der Ölpreisverfall haben eine Kapitalflucht aus Russland ausgelöst und den Rubel auf Talfahrt geschickt.

  • 3. Februar - Australien

    Die australische Zentralbank RBA senkt den Leitzins auf ein Rekordtief. Der Schlüsselzins liegt damit nun bei 2,25 Prozent. Mit dem Schritt wollen die Währungshüter unter anderem die Konjunktur ankurbeln.

  • 4. Februar/ 7. Januar - Rumänien

    Rumäniens Zentralbank senkt in zwei Schritten den Leitzins um insgesamt 0,5 Punkte auf ein Rekordtief von 2,25 Prozent.

  • 5. Februar/ 29. Januar/ 22. Januar/ 19. Januar - Dänemark

    Die dänische Zentralbank setzt vier Mal innerhalb weniger als drei Wochen ihre Leitzinsen herab. Sie interveniert zudem regelmäßig am Devisenmarkt, um die Koppelung der Krone an den Euro zu verteidigen.

  • 12. Februar - Schweden

    Schwedens Zentralbank senkt ihren Leitzins für Wertpapier-Rückkaufgeschäfte mit den Geschäftsbanken - den sogenannten Repo-Satz - auf minus 0,1 Prozent von zuvor null Prozent. Zugleich kündigt sie an, für zehn Milliarden Kronen Staatsanleihen zu kaufen.

  • 17. Februar - Indonesien

    Die Zentralbank von Indonesien setzt überraschend die Zinsen um 0,25 Punkte auf 7,5 Prozent herab. Es ist die erste Senkung seit drei Jahren. Volkswirte hatten dies nicht erwartet.

  • 18. Februar - Botsuana

    Die Notenbank von Botsuana senkt ihren Leitzins um einen Punkt auf 6,5 Prozent. Die Konjunkturentwicklung und die Inflationsaussichten würden einen solchen Schritt ermöglichen, erklärten die Währungshüter des afrikanischen Landes.

  • 23. Februar - Israel

    Die Bank von Israel kappt ihren Leitzins auf 0,1 von bislang 0,25 Prozent. Es ist die erste Senkung seit sechs Monaten. Hintergrund ist unter anderem der Kampf gegen Deflationsgefahren und die Aufwertung der Landeswährung Schekel.

  • 24. Februar/ 20. Januar - Türkei

    Die Zentralbank der Türkei senkt ihren Schlüsselzins in zwei Schritten um insgesamt 0,75 Punkte auf 7,5 Prozent. Ministerpräsident Ahmet Davutoglu forderte nach der zweiten Zinslockerung die Notenbank auf, noch größere Schritte einzuleiten, um die Wirtschaft anzukurbeln.

  • 28. Februar - 4. Februar - China

    Die chinesische Notenbank senkt ihren Schlüsselzinssatz auf 5,35 von zuvor 5,6 Prozent. Der neue Satz sei der Entwicklung des Wirtschaftswachstums, den Preisen und der Beschäftigungslage angemessen. Die Zentralbank hatte zuvor bereits Anfang Februar angekündigt, dass die Finanzinstitute künftig nicht mehr so viel Kapital als Mindestreserve bereithalten müssen. Damit soll für mehr Liquidität im Finanzkreislauf der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft gesorgt und die Kreditvergabe angeschoben werden.

  • 4. März/ 15. Januar - Indien

    Die indische Notenbank setzt den Leitzins in zwei Schritten um jeweils 0,25 Punkte auf 7,5 Prozent nach unten. Die Reserve Bank of India (RSB) reagiert mit der geldpolitischen Lockerung auf zuletzt magere Konjunkturdaten zur Produktion und Kreditvergabe. Indiens Wirtschaft durchläuft derzeit eine Phase vergleichweise schwachen Wachstums.

Im Mittelpunkt der Ratssitzung auf Zypern stand nicht der Leitzins - den beließ die EZB erwartungsgemäß auf seinem Rekordtief von 0,05 Prozent. Dagegen gab die Zentralbank wie erhofft ein paar weitere Details zum Anleihekaufprogramm bekannt. Denn schon vor der Sitzung waren Zweifel aufgekommen, ob die Käufe überhaupt funktionieren könnten. Im Mittelpunkt stand die Frage, welche Folgen das ganze für den Anleihemarkt haben würde.

Neutrale Käufe angestrebt

Dazu erklärt die Zentralbank, sie wolle Marktverzerrungen durch das Programm vermeiden und nicht in die Preisbildung eingreifen. Grundsätzlich steht ein breites Spektrum an Anleihen zur Verfügung, auch Bonds mit negativer Rendite könnten gekauft werden, so Draghi. Als Obergrenze gilt hier der Einlagezins, welchen die Banken zahlen, wenn sie kurzfristig Geld bei der Zentralbank parken. Dieser liegt aktuell bei minus 0,2 Prozent. Zudem werden nur Anleihen im Investment-Bereich gekauft.

Kritiker fürchten dagegen, dass die Renditen noch weiter sinken und Investorengelder daher in Aktien- und Immobilienmärkte fließen dürften. Das Wort Blase kam in Draghis Rede allerdings nicht vor.

Griechenlands Zahlungsverpflichtungen 2015

  • Die Rückzahlungen 2015

    Die griechische Regierung muss in diesem Jahr noch rund 17 Milliarden Euro an Krediten und Zinsen zurückzahlen. Der größte Batzen entfällt dabei mit rund 8,1 Milliarden Euro auf den Internationalen Währungsfonds (IWF). Daneben stehen Zahlungen an die Europäische Zentralbank (EZB), private Gläubiger sowie die Partner aus der Eurozone aus. Ungeachtet der Verlängerung des Hilfsprogramms mit den Euro-Partnern ist bisher unklar, wie Finanzminister Yanis Varoufakis die Mittel aufbringen will. Vor allem im Juli und August stehen Rückzahlungen über mehrere Milliarden Euro an. Es folgt eine Auflistung darüber, was Griechenland in welchem Monat dieses Jahres zahlen muss.
    Rundungsdifferenzen möglich, Quelle: Eurobank Athen, eigene Berechnungen (Reuters)

  • März

    Rund 1,5 Milliarden an den IWF, 75 Millionen Zahlungen an andere - insgesamt rund 1,6 Milliarden Euro.

  • April

    450 Millionen an IWF, 275 Millionen an Zinsen - insgesamt rund 0,7 Milliarden Euro.

  • Mai

    750 Millionen plus 196 Millionen an IWF, sowie 77 Millionen für bilaterale Kredite - insgesamt rund 1 Milliarden Euro.

  • Juni

    1,5 Milliarden an IWF plus 280 Milliarden an EZB und andere - insgesamt 1,7 Milliarden Euro.

  • Juli

    450 Millionen an IWF, 3,5 Milliarden an EZB, 700 Millionen an Zinsen für EZB - insgesamt rund 4,8 Milliarden Euro.

  • August

    Rund 170 Millionen an IWF, 3,2 Milliarden an EZB und andere Notenbanken, 190 Millionen an Zinsen - insgesamt rund 3,7 Milliarden Euro.

  • September

    1,5 Milliarden Euro an IWF.

  • Oktober

    450 Millionen an IWF, 200 Millionen an andere - insgesamt 0,65 Milliarden Euro.

  • November

    150 Millionen an IWF, 77 Millionen bilaterale Kredite - rund 0,23 Milliarden Euro

  • Dezember

    1,1 Milliarden Euro an IWF.

Dennoch wurden vor der Sitzung die Zweifel an Draghis Programm immer lauter: Funktioniert das, was in der Theorie gut klingt, überhaupt in der Praxis?

Theoretisch kauft die EZB Anleihen von Versicherungen, Banken und Investoren. Mit dem Geld, welches diese dafür erhalten, sollen sie Kredite vergeben. Am besten Darlehen an Unternehmen, die das frische Geld in Investitionen stecken und damit die Wirtschaft ankurbeln.

Gerade in den Peripheriestaaten war dieser Mechanismus zuletzt ins Stocken geraten. Aus Angst vor Reformen und erneuten Konjunkturabschwüngen hielten sich die Banken mit der Kreditvergabe zurück. Aber auch die Unternehmen horteten lieber ihre Reserven, als neu zu investieren. Zwar lobte Draghi am Donnerstag eine leicht positive Entwicklung bei der Kreditvergabe. Die DekaBank hatte allerdings zuvor gewarnt, der Anstieg beziehe sich vor allem auf Immobilienkredite. Auch an Finanzinstitute würden Darlehen vergeben, aber dort, wo die EZB für Wachstum sorgen will - bei Unternehmens- und Konsumentenkrediten - stagniere die Entwicklung.

Anleihekäufe Die EZB verklärt die Realität

Die Europäische Zentralbank erfüllt den Märkten ihren Wunsch und kauft für 60 Milliarden Euro monatlich Anleihen. Dabei bewertet sie die Chancen deutlich höher als die Risiken. Das kann fatale Folgen haben.

Mario Draghi vor der Bekanntgabe der EZB-Entscheidung Quelle: rtr

Noch ist Draghis Lockerung also weit davon entfernt, ein Denkmal der europäischen Geldpolitik zu werden. Dafür gibt es noch zu viele Knackpunkte. Zum einen fehlt weiterhin die Nachfrage der Unternehmen nach Krediten.

Verkaufspoker

Zum anderen - und das ist vor allem für den Start des Kaufprogramms viel entscheidender - gilt es bei Beobachtern als fraglich, ob die Banken und Versicherungen ihre Anleihen überhaupt an die EZB verkaufen wollen. Denn für die Geldinstitute sind Anleihen in der Bilanz nicht bedrohlich, im Gegenteil. Sie gelten als Sicherheiten und müssen daher nicht mit Eigenkapital hinterlegt werden. Auch Versicherer sind nicht die ersten Verkaufskandidaten, denn sie sind gezwungen, entsprechende Sicherheiten vorzuhalten. „Ein bisschen pokern werden die Banken bei den Verhandlungen mit der EZB vermutlich schon“, sagt Michael Schubert. Der Commerzbank-Experte rechnet nicht damit, dass die Institute ihre Anleihen zu jedem Preis verkaufen werden.

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