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EZB: Wilde Spekulationen um Euro-Rettung

Die EZB rudert bei den umstrittenen Anleihenkäufen offenbar zurück. Am Donnerstag solle noch keine Entscheidung fallen, heißt es aus Kreisen. Unterdessen wollen Südeuropäer unbegrenzte Mittel für den Rettungsschirm.

Francois Hollande und Mario Monti stoßen mit ihrem Vorschlag, dem zukünftigen Euro-Rettungsschirm ESM eine unbegrenzte Kreditaufnahme zu gewähren, auf Gegenwehr Quelle: dapd
Francois Hollande und Mario Monti stoßen mit ihrem Vorschlag, dem zukünftigen Euro-Rettungsschirm ESM eine unbegrenzte Kreditaufnahme zu gewähren, auf Gegenwehr Quelle: dapd

An Kreativität mangelt es den vermeintlichen Euro-Rettern wahrlich nicht. Mit immer neuen Forderungen drängen der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB) Mario Draghi, Eurogruppenchef Jean-Claude Juncker und das französisch-italienische Regierungspärchen Francois Hollande/ Monti in die Öffentlichkeit.

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Der neueste Vorschlag des Duos: Der künftigen Schutzschirm ESM soll quasi unbegrenzte Mittel zur Verfügung gestellt werden. Zu den Befürwortern zählten neben Italien und Frankreich auch führende Mitglieder des Rates der Europäischen Zentralbank, berichtete die „Süddeutsche Zeitung“. Dem ESM soll es nach diesen Bestrebungen erlaubt werden, ohne jedes Limit Kredite bei der EZB aufzunehmen. Die Bundesregierung und die Bundesbank lehnten die Idee ab, da sie die Inflation anheizen, die Unabhängigkeit der EZB gefährden und gegen die EU-Verträge verstoßen könnten.

Auch der ehemalige Chefökonom der Europäischen Zentralbank (EZB), Jürgen Stark, kritisiert den französisch-italienischen Vorstoß. Eine Banklizenz für den Rettungsschirm sei juristisch nicht gedeckt, denn dieser Schritt würde eine indirekte Staatsfinanzierung durch die EZB bedeuten. Auch politisch sei die Idee zweifelhaft. Denn: „Jedes Mal, wenn die Zentralbank die Märkte flutet, gehen auf Regierungsseite die Reformanstrengungen zurück“, so Stark im Interview mit der WirtschaftsWoche vor wenigen Wochen.

Dämpfer für die Südländer

Wie also lässt sich der Zinsdruck auf Italien und Spanien, deren Renditen auf über 6,5 Prozent gestiegen sind, abmildern? Die Hoffnung der Südländer sowie der Börsianer, der EZB-Rat könne bei seiner Sitzung am Donnerstag den Aufkauf neuer Staatsanleihen beschließen, erhielt einen Dämpfer. Mehrere Notenbanker sagten der Zeitung „Die Welt“, wer einen konkreten Beschluss für sofortige Anleihekäufe erwarte, werde womöglich enttäuscht.

EZB-Präsident Mario Draghi hatte in der vergangenen Woche angekündigt, alles Erforderliche zum Erhalt des Euros zu tun, was von vielen als Fingerzeig für neue Käufe von Staatsanleihen interpretiert wurde. „Draghi dürfte sich aber rhetorisch ein wenig vergaloppiert haben“, mutmaßte laut „Welt“ ein Euro-Notenbanker. Die Erwartungen an die Donnerstagssitzung seien wohl zu hoch.

Die Hilfsmittel der EZB

  • Billige Kredite

    Draghi senkte den Zinssatz für wöchentliche Kreditgeschäfte auf ein Rekordtief von 0,75 Prozent. Banken, die dringend frisches Geld brauchen, können sich so leichter refinanzieren.

  • Unbegrenzte Liquidität

    Seit dem Herbst 2008 verleiht die EZB unbegrenzt Geld. Draghi setzte noch eins drauf: Die Institute durften sich zusätzlich mit dreijährigen Krediten von insgesamt einer Billion Euro eindecken.

  • Weniger Sicherheiten

    Die EZB hatte die Anforderungen an Wertpapiere, die Banken bei den Refinanzierungsgeschäften mit der Zentralbank als Sicherheiten benutzen dürfen, deutlich gesenkt. Draghi hat diese nun noch weiter gelockert.

  • Kauf von Pfandbriefen

    Die EZB hat für 70 Milliarden Euro Pfandbriefe gekauft und belebte so den Markt für dieses sehr wichtige Refinanzierungsinstrument der Banken.

  • EZB zahlt keine Zinsen mehr

    Draghi hat den Zinssatz für Einlagen der Geschäftsbanken auf null gesenkt. Die Geldhäuser sollen ihre überschüssige Liquidität lieber an Konkurrenten verleihen – oder als Kredite an die Realwirtschaft geben. So will er den Geldmarkt wiederbeleben.

  • Strengere Aufsicht

    Draghi hat es satt, von nationalen Aufsehern beschummelt zu werden. Er will auf wichtige Bankdaten zugreifen können.

Der luxemburgische Außenminister Jean Asselborn sagte zu möglichen unbegrenzten Krediten an den ESM: „Es heißt nicht, Geld ohne Limit und ohne Bedingungen zu bekommen. Aber wir müssen ein Instrument entwickeln, das effektiv die Spekulation unterbindet. Wenn wir das nicht schaffen und wenn wir auch nicht umgesetzt bekommen und wieder zerreden die Entscheidungen, die vom letzten Gipfel getroffen wurden, dann geht das schief.“

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Der Eurogruppenchef und luxemburgische Regierungschef Jean-Claude Juncker hatte Deutschland am Montag vorgeworfen, "andauernd Innenpolitik in Sachen Eurofragen" zu machen und die Eurozone "wie eine Filiale" zu behandeln. Außerdem bezeichnete er die deutsche Debatte über einen Austritt Griechenlands aus der Eurozone als "Geschwätz". Führende Unionspolitiker wiesen die Kritik zurück. Die CSU legte Juncker indirekt den Rücktritt von der Spitze der Eurogruppe nahe.

5 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 01.08.2012, 16:20 Uhrmichel

    Es ist sowie so schon alles zu spät. Die Staatsschulden sind nur vorgeschoben um die Zockerverluste der Banken auszugleichen. Die haben Billionen an real ungedeckten Verlusten in den Bilanzen und nahe null Eigenkapital. Da Amerika den Währungskrieg gegen den Euro über seine Ratingagenturen und Hedgefonds eröffnet hat um die eigene Währung zu stützen, kann man bei der Dimension der umlaufenden Dollars nur verlieren. Deshalb raten die USA auch dazu, Euros unbegrenzt zu drucken bis das Schiff gesunken ist. Nichts anderes macht Amerika seit Jahrzehnten. Da glaubt doch auch wohl niemand ersthaft daran, das Amerika jemals seine Schulden bezahlt. Also spielen wir jetzt gemeinsam ein Spiel auf Zeit zu Lasten der größten Bevölkerungsteile. Wie immer ergibt sich während eines solchen Währungs- und Wirtschaftsdebakels für Insider und Strippenzieher die Möglichkeit noch größere Vermögenswerte zu ergaunern. Der ESM, noch dazu mit Banklizenz zur unbegrenzten Geldvermehrung, ist der Beginn des monetären und politischen Untergangs der westlichen Welt. Unsere vermeintlichen Eliten haben peinlich versagt oder waren einfach nur zu dümmlich und naiv um die Zockerei weit an der Realität vorbei rechtzeitig zu unterbinden. Wenn man bedenkt, das dieses Europrojekt erst etwas älter als 10 Jahre ist, und selbst einfache Bürger in Deutschland ahnten, das sie bald die Zeche für beschämendes Politikversagen zahlen müssen, kommt Wut auf. Und die gleichen Kasper laufen (bzw. rollen) jetzt rum und wollen uns erzählen, das man mit noch mehr Geld dieses kaputte System retten kann. Hinzu kommt, das kaum beschlossenes schon wieder Makulatur ist. Eine Bananenrepublik ist besser organisiert. Am besten tritt Deutschland aus dem Euro aus und lässt die restlichen Länder Geld drucken bis sie drin ersticken. Wir sollten uns ähnlich wie die Schweiz entwickeln und unseren eigenen erfolgreichen Weg gehen. Die paar Jahre Schmerzen und Verluste für die Umstellung würde ich mit Freuden tragen.

  • 31.07.2012, 18:54 UhrFreiheit

    Es ist einfach nur noch lächerlich, wegen diesem offensichtlichen Hochverrat durch den ESM das Bundesverfassungsgericht beauftragen zu müssen grenzt an kompletten Schwachsinn. Merkel, Schäuble & Co. wurden in den letzten 48h bereits so oft entlarvt - es ist nur noch lächerlich.
    Eine verräterische, ideologiebehaftete Clique hat Meineid, Hochverrat und den Tatbestand der Untreue erfülllt. Das ist den Chearleadern im Bundestag bewusster als den Abnickern über Listenplätze.
    Jetzt stellt sich langsam die finale moralische Frage - stehen sie zu ihrer Verantwortung oder reissen sie alles mit in den Abgrund!

  • 31.07.2012, 15:22 Uhrraentnaer

    Wenn das BVerfG den ESM passieren lässt.... sind die Erparnisse futsch. Und genau das haben die Deutschen schon verstanden, wenn man ihre physischen Goldkäufe beobachtet. Das werden dann aber auch die restlichen Europäer verstehen. Dann kann Geldpolitik nur noch nach einem Reset wirken.

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