EZB-Zinsentscheid: Draghis Spiel mit den Märkten geht weiter

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EZB-Zinsentscheid: Draghis Spiel mit den Märkten geht weiter

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Mario Draghi, der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB).

von Saskia Littmann

Was die konkrete Dauer der anhaltenden Niedrigzinspolitik der EZB angeht, wollte sich Mario Draghi nichts Neues entlocken lassen. Präziser wurde er bei den Sitzungsprotokollen: Die sollen im Herbst diskutiert werden.

Mario Draghi spielt weiter mit den Märkten. Beim letzten Zinsentscheid überraschte der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) noch mit einer ungewohnt offenen Kommunikation, in dem er ankündigte, die Zinsen werden für einen längeren Zeitraum niedrig bleiben. Solche Versprechen waren neu für Europas Währungshüter. Nach dem Zinsentscheid am Donnerstag wollte sich der Italiener dagegen nicht viel entlocken lassen und drückte während der anschließenden Pressekonferenz häufig auf die verbale Wiederholungstaste.

Wie erwartet haben die europäischen Währungshüter den Leitzins, zu dem sich die Banken der Eurozone refinanzieren können, auf seinem Rekordtief von 0,5 Prozent belassen. Auf die Frage aber, ob der 23-köpfige EZB-Rat eine weitere Zinssenkung diskutiert habe, wollte Draghi aber nicht richtig antworten. Wieder und wieder erläuterte er, man habe die Ankündigung langfristig niedriger Zinsen, im Fachjargon Forward Guidance genannt, diskutiert und einstimmig für weiterhin gültig befunden. Er sah sich auch nicht genötigt, seine Aussage aus dem Juli, es handle sich um einen "längeren Zeitraum" weiter zu konkretisieren. "Sie haben alle Parameter zur Verfügung, um sich ein Urteil über das Zeitmaß zu machen", sagte Draghi. Die Zentralbank hatte die längere Niedrigzinsphase an drei verschiedene Bedingungen geknüpft, namentlich eine mittelfristig gemäßigte Inflationserwartung, eine weiterhin schwächelnde Wirtschaft in der Eurozone und zu wenig Dynamik an den Geldmärkten.

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Was Europas Währungshüter bei ihren Treffen hinter verschlossenen Türen im Detail beraten, bleibt geheim. Doch das könnte sich bald ändern. Quelle: dpa

Zuletzt war viel über die Dauer der Forward Guidance und der damit einhergehenden niedrig bleibenden Zinsen diskutiert worden. Da allerdings der deutsche EZB-Direktor Jörg Asmussen sofort wieder eingefangen wurde, als er erläuterte, die Phase könne noch länger als ein Jahr andauern, hatten Beobachter schon vor der Sitzung am Donnerstag wenig Hoffnung auf eine noch präzisere Kommunikationsstrategie der Notenbank. "Die EZB hat in ihrem letzten Monatsbericht klar festgelegt, dass es sich um einen flexiblen Zeitraum handelt", sagt Michael Schubert, Zentralbank-Experte der Commerzbank. Dagegen warnt Kristian Tödtmann, Notenbank-Experte der Dekabank, vor zu großen Spielräumen innerhalb der Forward Guidance. "Langfristig stellt sich die Frage, was schwaches Wachstum genau heißt", sagt der Analyst. Draghi selber verwies am Donnerstag darauf, dass sich aus den genannten Bedingungen für niedrige Zinsen eine Reaktionsfunktion ableiten ließe, die auf eine mögliche Zeitspanne hindeute. Experten rechnen damit, dass die Niedrig-Zins-Politik bis weit in das kommende Jahr verfolgt wird. Anleger haben jetzt zumindest bis zum nächsten Zinsentscheid in einem Monat Ruhe und müssen sich keinerlei Sorgen über steigende Zinsen machen. Der Euro rutschte als Reaktion zeitweise unter die Marke von 1,32 US-Dollar, dem tiefsten Stand seit fast einer Woche.

Mehr noch hatten Analysten darauf spekuliert, die EZB könne ihre Zinspolitik konkrete Indikatoren binden - ähnlich wie die amerikanische Notenbank Fed die Arbeitslosenquote als Maßstab für ihre Handlungen nimmt. Sie will ihren Leitzins erst dann erhöhen, wenn die Quote unter 6,5 Prozent gefallen ist. "Anstatt die Zeitspanne der niedrigen Zinsen zu konkretisieren, könnte die EZB eine makroökonomische Größe als Anker für ihre Zinspolitik ausmachen", sagt Tödtmann. Draghi gab derartigen Spekulationen einen Korb. "So etwas hat der EZB-Rat nicht diskutiert", sagte der Italiener. Außerdem verwies er darauf, dass angekündigte Phase anhaltend niedriger Zinsen bereits an die Inflationserwartungen geknüpft sei. Konkrete Schwellenwerte, die Handlungen suggerierten, seien unnötig. Im Gegensatz zur Fed wäre eine solche Maßnahme für die EZB deutlich schwerer umzusetzen, denn aufgrund der großen Unterschiede innerhalb der Eurozone fallen Indikatoren wie die Arbeitslosenquote oder die Industrieproduktion aus. Außerdem haben Europas Währungshüter lediglich ein Mandat, nämlich ein stabiles Preisniveau zu garantieren. Die Fed dagegen hat ein duales Mandat und muss außerdem für maximale Beschäftigung sorgen.

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