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Fahndung: Rekordbetrug mit EU-Geldern

Plastiktüten, Biodiesel, Zigaretten, selbst Straßen bieten Betrügern die Möglichkeit, sich am EU-Haushalt zu bedienen. Für den Straßenbau in Süditalien wollten Betrüger gar die Rekordsumme von knapp 400 Millionen Euro abzweigen, wie Brüsseler Fahnder aufdeckten.

"Haben Sie Bargeld dabei?"

Zöllner kontrollieren stichprobenartig, ob Reisende hohe Bargeldsummen im Gepäck haben. Die Kontrollen können direkt am Grenzübergang stattfinden, aber auch durch mobile Einsatztrupps, die einige Kilometer im Landesinneren lauern. Wer mehr als 10.000 Euro dabei hat, muss dies den Zöllnern mitteilen. Wenn Reisende schweigen und die Ermittler trotzdem hohe Summen finden, informieren sie per Kontrollmitteilung das Finanzamt des Betroffenen.

Bild: Hauptzollamt Ulm

Die europäische Betrugsbekämpfungsbehörde Olaf (Office européen de lutte anti-fraude) hat ihren bislang größten Coup gelandet: 389 Millionen Euro EU-Gelder sind im süditalienischen Kalabrien zu Unrecht in den Straßenbau geflossen. Auf den Rekordbetrug entfällt somit mehr als die Hälfte der 691 Millionen Euro an Rückzahlungen an den EU-Haushalt, die die Olaf-Fahnder im vergangenen Jahr erwirkten. Das geht aus dem Jahresbericht 2011 hervor, den die Behörde am Dienstag in Brüssel vorstellte.

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Betrug bei der Wareneinfuhr

Viele Betrüger schummelten bei der Einfuhr von Gütern. So zum Beispiel ein chinesischer Plastiktütenproduzent: Er hatte seinen Tüten den Namen eines anderen chinesischen Herstellers gegeben, der wegen seines hochwertigen Produkts geringere Anti-Dumping-Abgaben beim Export in die EU zahlen muss. Solche Abgaben sollen verhindern, dass die oft sehr günstige chinesische Konkurrenz die europäischen Hersteller unterbietet. Auch andere Hersteller hatten es dem Schwindler im Laufe der Zeit gleichgemacht und sich auf diese Weise Abgaben in Höhe von 3 Millionen Euro gespart. Unzulässig bei Anti-Dumping-Abgaben sparten auch Biodiesel-Betrüger: Aus den USA importierter Biodiesel unterliegt beim EU-Import ebenfalls Anti-Dumping-Abgaben.

Parlamentarier beteiligt

Eine indische Firma kaufte den Kraftstoff in den USA. Von Indien aus schickten die Händler ihn mit indischer Herkunftsbezeichnung nach Europa. Allein für Spanien und Belgien entstand ein Verlust von mehr als 32 Millionen Euro. In einem anderen Fall nahm Olaf zusammen mit deutschen Behörden eine Tabak-Schmugglerbande hoch. Die Mitglieder schmuggelten Zigaretten von Russland und der Ukraine aus über Weißrussland und Litauen nach Deutschland und Polen. Dort verkauften sie sie auf dem Schwarzmarkt. Rund 6,5 Millionen Euro an Steuern und Zollabgaben entgingen so dem EU-Haushalt. Dank Olaf bekommt der Haushalt jedes Jahr aber auch etwas zurück. Der Löwenanteil der Rekord-Rückzahlungen von 2011 stammt aus falsch ausgezahlten Strukturfonds (525 Millionen Euro). Darunter fiel auch die Rekordsumme aus Italien. Auf den Plätzen zwei und drei lagen die Zolleinnahmen (114 Millionen Euro) und die Landwirtschaft (34 Millionen Euro).

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Im bisherigen Rekordjahr 2009 bekamen die Fahnder durch die Aufdeckung von Korruption, Schmuggel oder Steuerhinterziehung insgesamt gerade einmal 251 Millionen Euro zusammen. 2010 hat der Wert bei 68 Millionen Euro gelegen. Eine weitere Ursache für das gute Ergebnis ist laut Olaf die vergleichsweise hohe Zahl an abgeschlossenen Fällen, die die Ermittler mehrere Jahre lang beschäftigt hatten. 208 Fälle konnte Olaf 2011 zu den Akten legen und die daraus resultierenden Rückzahlungen in die Bilanz aufnehmen. Zu einem Fall, der im vergangenen Jahr im Europaparlament für Aufsehen gesorgt hatte, wollte Olaf-Generaldirektor Giovanni Kessler jedoch nichts sagen. Die Korruptionsermittlungen von Olaf gegen vier Abgeordnete laufen noch.

1 KommentarAlle Kommentare lesen
  • 03.07.2012, 23:15 UhrSiggi40

    Damit wir wieder wissen, weshalb wir jeden Morgen um 6 Uhr aufstehen. Und dies alles ist nur die Spitze des Eisbergs. Ebenso wurde ermittelt, dass Italien Subventionen für Oliven erhielt, da hätte Italien 4 mal so groß sein müssen!!!
    Auf Zypern bekamen Landwirte Subventionen für Kühe und Rinder, die vor dem Ort grasten. Die Reporter klärten auf, dass zig Bauern Ansprüche für diese Kühe geltend machten und Subventionen dafür erhielten.
    Die Bauern wurden während des Tages in den unzähligen Straßencafes interviewt, wo sie ihre Freizeit verbrachten – die ganze Woche über!!

    Doch wir haben nicht den geringsten Anlass dazu, uns über diese Betrügereien zu brüskieren. Diese Länder sind doch nur sehr lernfähig – von unseren Griechen – direkt vor unserer Haustüre, und dies schon seit 21 Jahren.
    Schon seit Jahren werden die Milliarden der Solidarpaktmittel nicht für den dafür vorgesehenen, vertraglich vereinbarten Zweck verwendet, sondern illegal für den privaten Konsum abgezweigt. Nicht mal im Großraum Stuttgart, der Wiege des europäischen Wohlstands, habe ich so viel Luxus gesehen, als in Leipzig und Dresden. Und als ich den Winter 2003/2004 bei Alicante verbrachte, um eine Marktanalyse für wohnwirtschaftlich genutzte Immobilien anzufertigen, bewunderte ich die unzähligen Villen am Beach, mit den standesgemäßen Oberklasselimousinen in den Einfahrten, nicht selten mit Leipziger Kennzeichen.
    Das Geschäftsmodell DDR funktioniert schon seit 21 Jahren zur vollsten Zufriedenheit. Die anderen EU-Länder haben es nur übernommen. Mit 2000 Milliarden Euro hätte man ganz Afrika zu Wohlstand und Vollbeschäftigung verhelfen können, doch für die DDR reicht es immer noch nicht. Man hat gerade mal 15% Arbeitslosigkeit geschafft und dies, obwohl schon fast alle im erwerbsfähigem Alter bereits in den Westen rübergemacht haben.
    Helmut´s Lebenswerk, die deutsche Einheit und der €uro, beides ist zum Scheitern verurteilt, beides wurde dillethantisch ausgeführt.

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