Fed-Präsident schwänzt Jackson Hole: Politiker rangeln um Bernanke-Nachfolge

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Fed-Präsident schwänzt Jackson Hole: Politiker rangeln um Bernanke-Nachfolge

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US-Notenbankchef Ben Bernanke.

In Jackson Hole findet kommende Woche das wichtigste Notenbankertreffen des Jahres statt. Während selbst Fed-Chef Ben Bernanke durch Abwesenheit glänzt, diskutieren die Demokraten über den geeigneten Nachfolger.

In der kommenden Woche tummeln sich die Notenbanker der Welt einmal mehr in Jackson Hole, bei ihrer wichtigsten Konferenz. Während das Treffen in den Vorjahren die Märkte ordentlich bewegte ist in diesem Jahr vor allem die Liste der Abwesenden von Interesse. Denn die erste Liga der Notenbanker, Fed-Chef Ben Bernanke und EZB-Präsident Mario Draghi, nimmt an dem Treffen gar nicht teil.

Dabei war Jackson Hole für Bernanke eine Art Pflichttermin, seit Beginn seiner Amtszeit 2006 ließ er keines der Treffen aus. In der kommenden Woche, vom 22. - 24. August, heißt es er sei aufgrund privater Termine verhindert. Auch Mario Draghi wird nicht nach Wyoming reisen, lediglich die Notenbanker Japans und Brasiliens schmücken die Diskussionsrunde.

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Dabei hätten die Notenbanker eigentlich einiges zu besprechen. Noch immer ist unklar, wie genau das Tapering, also der langsame Ausstieg aus der ultra-expansiven Geldpolitik, genau funktionieren soll. Während die EZB mit ihrer Ankündigung, die Zinsen noch für einen längeren Zeitraum so niedrig zu lassen, an den Märkten für Ruhe sorgte, warten die Investoren auf Aussagen Bernankes dazu, wann die Fed ihre Anleihekäufe reduzieren will. Fragen an Bernanke hätte es demnach vermutlich genug gegeben.

Vor allem die Abwesenheit Bernankes sorgt erneut für Spekulationen um seine Nachfolge. Allerdings lassen auch die beiden als mögliche Nachfolger gehandelten Notenbanker ihre Chance für einen vielbeachteten Auftritt weitgehend ungenutzt. Die zur Zeit als wahrscheinlichste Kandidatin geltende Janet Yellen, aktuell Bernankes Stellvertreterin bei der Fed, begnügt sich mit einer Moderationsrolle. Ex-Finanzminister Larry Summers wird wohl gar nicht anwesend sein.

US-Notenbank Der Fed droht ein Teufelskreis

Der Renditeanstieg wird zur Gefahr für die US-Notenbank. Die von ihr erzeugten Anlageblasen drohen zu platzen. Die BIZ, eine Art Zentralbank der Notenbanken, warnt, ähnlich drastisch wie vor Ausbruch der Finanzkrise.

US-amerikanische Geldscheine sind vor einer USA-Fahne zu sehen Quelle: dpa

Unabhängig davon gilt Yellen bei vielen Beobachtern als die Favoritin auf Bernankes Posten. "Ich denke Yellen ist gesetzt", sagt Amerika-Chefvolkswirt Evariste Lefeuvre von der Investmentbank Natixis. So wie er denken viele Ökonomen, bei denen sich Reuters nach den Chancen der potenziellen Nachfolger Bernankes erkundigt hat. Rund zwei Drittel der Befragten setzen auf die Arbeitsmarktexpertin. Diese Kompetenz bedeutet ein echtes Pfund in der jetzigen Lage, in der die mit einem Mandat zur Förderung der Vollbeschäftigung beauftragte Notenbank allmählich Fortschritte erzielt. Anders als stärker an Preiswertstabilität orientierte Geldpolitiker - sogenannte Falken - gehört die Ökonomin zum Lager der Tauben, das eher auf Konjunkturanreize setzt.

Mit der Nominierung Yellens würde Obama ein Zeichen geben, dass die Notenbank noch stärker als bisher auf eine Politik des billigen Geldes setzt. Kritiker geben aber zu bedenken, dass dies an den Märkten Befürchtungen auslösen könnte, dass die Fed mit ihrer Geldschwemme höherer Inflation Vorschub leistet.

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Summers ließ in der Diskussion über die Dosierung der Fed-Konjunkturspritzen Anfang des Jahres durchblicken, dass er diese nicht als Allheilmittel für die Wirtschaft sieht: "Sie stärken die Güterwirtschaft nicht so kräftig, wie viele denken." Summers, dem ein autoritärer Arbeitsstil nachgesagt wird, gilt vielen als rotes Tuch. In einem Brief an Obama legte eine Gruppe von Demokraten im US-Senat dem Präsidenten die Kandidatin Yellen ans Herz. Obama reagierte verschnupft auf den Vorstoß seiner Parteifreunde und ließ aus dem Urlaub wissen, er brauche "Freiraum" bei der Nominierung des Bernanke-Nachfolgers.

Bernankes Amtszeit endet im Januar. Die Entscheidung über die Nachfolge will Obama im Herbst treffen. Ein Hauptziel des neuen Fed-Chefs soll es sein, die Arbeitslosigkeit weiter zu senken. Über Bernanke heißt es, er wolle im Anschluss an seinen Notenbankerjob zurück an die Universität Princeton, an der er bereits vor seiner Zeit bei der Fed lehrte.

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