Fiktiver Brief: "Jens, ich finde dich reichlich naiv"

Fiktiver Brief: "Jens, ich finde dich reichlich naiv"

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Vor kurzem erhielt EZB-Chef Draghi Ratschläge von Bundesbank-Chef Weidmann.

von Anne Kunz

In einem Schreiben an EZB-Präsident Mario Draghi warnte Jens Weidmann vor den Risiken im Eurosystem. Eine fiktive Antwort.

Lieber Jens,

Danke für deinen Brief. Da hast du es mir ja mal wieder ordentlich gegeben und mit Kritik an meiner Geldpolitik nicht gerade gespart.  Aber ehrlich gesagt finde ich dich auch reichlich naiv:  Wie bitte sonst soll ich den Karren aus dem Dreck ziehen ohne dass das ganze System kollabiert? Manchmal bin ich echt froh, dass die Stimme von euch Deutschen genauso viel zählt wie die der Malteser.

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Du hast vorgeschlagen, dass es zu prüfen gilt – so hast du es formuliert – ob Sicherheiten für die Targetverbindlichkeiten bei der EZB hinterlegt werden sollen. Warum sollten wir das prüfen? Das willst du doch selbst nicht. Die Sicherheiten der Griechen sind ohnehin Schrott. Ob die nun in Athen bei der Bank of Greece lagern oder bei uns in Frankfurt – wo ist da der Unterschied?

Du hast gefordert bei den Sicherheiten, die wir für Zentralbankgeld fordern, wieder zu den Anforderungen von 1871 zurückzukehren. Will heißen: nur Staatsanleihen mit höchster Bonitätsnote. Sorry, das geht nun wirklich nicht. Oder willst du das gesamte Bankensystem zum Erliegen bringen? Dass wir den nationalen Notenbanken erlauben, auch für Unternehmenskredite gutes Geld in den Orbit zu schießen, hat dich rasend gemacht. Aber bitte siehe doch ein: Die Banken sind vollkommen blank. Sie haben keine Sicherheiten und erst recht  keine Kohle. Wir müssen derzeit alles nehmen, um den Jungs unter die Arme zu greifen. Sonst können wir die Banken alle dicht machen. Oder willst du die zukünftig auch mit Steuergeldern durchfüttern? Das wird deiner Angela nicht gefallen.

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Jens, jetzt mal im Ernst: Deine edlen Grundsätze und dein fester Glaube an die Stabilitätskultur ehren dich sehr. Aber bitte siehe endlich ein: In einer Krise kommt auch eine Zentralbank nicht daran vorbei, sich die Hände schmutzig zu machen. Was nutzt es der EZB, dass ihre Reputation unbeschadet ist, wenn es sie nicht mehr gibt, weil die Währungsunion zerbrochen ist? Siehste!

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