Finanzexperte Hellwig: Banken müssen selbst an Haftung denken

Finanzexperte Hellwig: Banken müssen selbst an Haftung denken

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"Ich kann mir nicht vorstellen, dass man das Bankgeschäft wirksam regulieren kann.", so der Ökonom und Finanzexperte Martin Hellwig.

von Anne Kunz

Der Ökonom und Finanzexperte Martin Hellwig erklärt, wie der Staat Regulierungsvorschriften zu seinem Vorteil missbraucht, und zeichnet einen Weg aus der Bankenkrise.

WirtschaftsWoche: Herr Hellwig, Banken müssen Staatsanleihen – unabhängig vom Rating – mit null Eigenkapital unterlegen. Ist diese Reglung sinnvoll?

Hellwig: Nach der Erfahrung mit Griechenland halte ich das für absurd, glaube aber nicht, dass die Politik auf dieses Privileg in der Refinanzierung verzichten wird.

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Wenn die Regierung so eigennützig handelt, wer wäre denn ein geeigneter Regulator, der solch eigennütziges Verhalten verhindern könnte?

Die BaFin, die für die Bankenaufsicht zuständig ist, ist an Weisungen des Finanzministers gebunden. Das entspricht der Vorstellung, dass eine Behörde, die staatliche Gewalt ausübt, letztlich durch den Wähler legitimiert sein muss, wenn auch nur indirekt über Parlament und Regierung. Bei Banken ist auch daran zu denken, dass in der Krise der Steuerzahler in Anspruch genommen wird. Jedoch sieht die Politik in den Banken eher eine Quelle von Geld als eine Quelle von Risiken. Insofern besteht immer die Gefahr eines Missbrauchs der Bankenregulierung zu Politikfinanzierung.

...mit der BaFin macht man also den Bock zum Gärtner. Wäre eine Zentralbank, in unserem Fall die Deutsche Bundesbank, ein besserer Regulator?

Das ist weniger eine Frage der Instanz als eine Frage der Unabhängigkeit. Der damalige Bundesbank-Präsident Axel Weber hat dieses Thema fallen gelassen, als er merkte, dass die Regierung nicht bereit war, auf ihr Weisungsrecht gegenüber der Aufsicht zu verzichten, das übrigens stärker ist als in anderen Ländern.

Wie ließe sich Regulierung von politischem Missbrauch befreien?

Wir brauchen Bankenregulierung und Bankenaufsicht, weil die Risiken der Banken auf uns alle zurückschlagen können. Eine strikte Eigenkapitalregulierung sorgt dafür, dass die Bank den Risiken stärker Rechnung trägt. Je mehr eine Bank mit Eigenkapital finanziert ist, desto mehr fallen die Risiken auf die Aktionäre und das Management zurück. Dann erübrigt es sich, das Bankgeschäft selbst zu regulieren.

Wir bräuchten dann also keine Vorschriften, die das Bankgeschäft regulieren?

Ich kann mir nicht vorstellen, dass man das Bankgeschäft wirksam regulieren kann. Ich traue einer Behörde nicht zu, dass sie den Eigenhandel einer Investmentbank in Realzeit beaufsichtigen kann. Wir sind immer darauf angewiesen, dass die Bankmanager selbst an Risiken und Haftung denken. Das werden sie umso mehr tun, je mehr Eigenkapital da ist, das von den Verlusten absorbiert werden kann.

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