Finanzkrise: EZB bläst zum Angriff auf Schattenbanken

Finanzkrise: EZB bläst zum Angriff auf Schattenbanken

Bild vergrößern

Seit Beginn der Finanzkrise bemüht sich die EZB um andere Banken, doch nun droht auch ihr ein Übel namens Schattenbank.

von Mark Fehr

Europas Zentralbank will mehr Transparenz in den boomenden Schattenbankensektor bringen. Gut gebrüllt – doch die EZB muss aufpassen, nicht selbst zur Schattenbank zu werden.

Während klassische Banken erheblich schrumpfen, wächst der Schattenbankensektor. Das Problem dieser schleichenden Verlagerung von finanziellen Risiken beschäftigt nicht nur Wissenschaftler, sondern auch Finanzaufseher und Notenbanker. Die Frankfurter Finanzmarktkonferenz an der altehrwürdigen Goethe Universität steht daher heute unter dem Motto „Banking Beyond Banks“ – Bankgeschäft ohne Banken. Das Forschernetzwerk SAFE hat hochrangige Praktiker und Finanzexperten nach Frankfurt geladen, um über das brisante Thema zu diskutieren. Die SAFE-Wissenschaftler wollen mit ihrer Arbeit dazu beitragen, ein nachhaltiges und sicheres Finanzsystem zu schaffen.

 

Anzeige

Hans-Werner Sinn Die Europäische Zentralbank mutiert zur Bad Bank

Mit den angekündigten Käufen von kreditbesicherten Wertpapieren übernimmt die EZB die Ausfallrisiken der Banken und überträgt sie auf die Steuerzahler. Damit überschreitet sie ihr geldpolitisches Mandat.

Quelle: dpa

Entsprechend hochkarätig war die Eröffnungsrede besetzt, gehalten von Vítor Constâncio. Der Vize-Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) gab die Devise aus, mehr Transparenz in das boomende aber undurchsichtige Schattenbankenwesen zu bringen. Ein besserer Durchblick für Marktteilnehmer und Finanzaufseher ist natürlich immer angesagt. Doch beim Stichwort Schattenbank lässt sich eine Assoziation mit dem von der EZB geplanten Anleihekaufprogramm nicht verkneifen. Denn dabei will die Notenbank Bilanzrisiken aus dem offiziellen Bankensektor absaugen. Sie verhindert dadurch zwar, dass Schattenbanken als Käufer zum Zug kommen. Doch zugespitzt formuliert könnte sie mit ihrem Kaufprogramm selbst zu einer Art Schattenbank werden.

Reaktionen auf EZB-Zinssenkung und Wertpapierkäufe

  • Worum es geht

    Die EZB senkt im Kampf gegen eine drohende Deflation ihren Leitzins überraschend auf das neue Rekordtief von 0,05 Prozent. Der Schlüsselsatz für die Versorgung des Bankensystems mit Zentralbankgeld lag seit Juni bei 0,15 Prozent. In der anschließenden Pressekonferenz kündigte Zentralbank-Chef Mario Draghi zudem an, dass die EZB sogenannte Kreditverbriefungen (ABS) sowie Pfandbriefe aufkaufen wird. Ökonomen und Händler sagten dazu in ersten Reaktionen:

  • Hans-Werner Sinn, ifo-Präsident

    "Die EZB hatte ihr Pulver schon viel zu früh verschossen und die Zinsen zu weit gesenkt. Jetzt ist sie in der Liquiditätsfalle. Sie kann an dieser Stelle kaum noch etwas tun. Bedauerlicherweise deutet sich auch der Kauf von Anleihen durch die EZB an. Damit würde sie das Investitionsrisiko der Anleger übernehmen, wozu sie nicht befugt ist, weil es sich dabei um eine fiskalische und keine geldpolitische Maßnahme handelt. Eine solche Politik ginge zulasten der Steuerzahler Europas, die für die Verluste der EZB aufkommen müssten."

  • Ralf Umlauf, Helaba

    "Die Notenbanker argumentieren mit den zuletzt schwachen Konjunkturdaten und der geringen Inflation. Auch die gesunkenen mittelfristigen Inflationserwartungen wurden thematisiert. In diesem Zusammenhang wurden auch die Projektionen für Wachstum und Inflation in diesem Jahr nach unten angepasst. Insofern bleibt die Tür für weitergehende Lockerungsschritte weit geöffnet."

  • Eugen Keller, Metzler Bank

    "EZB-Chef Mario Draghi hat geliefert, warum auch immer. Für uns ist das nicht gerade eine glückliche Maßnahme. Alle Banken und Vermögensverwalter sind jetzt in noch größerer Not, ihre Liquidität irgendwo zu parken, ohne bestraft zu werden. Auch die Sparer dürften sich verraten fühlen und werden immer mehr ins Risiko gezwungen."

  • Michael Kemmer, Hauptgeschäftsführer Bankenverband BDB

    "Die ökonomischen Wirkungen der heutigen Zinssenkung sind vernachlässigbar. Die EZB hat sich im Vorfeld der Zinsentscheidung unnötig unter Zugzwang gesetzt. Die Gefahr, dass der Euro-Raum in eine gefährliche Deflationsspirale rutscht, ist nach wie vor gering. Auf der anderen Seite wächst mit den Aktivitäten der EZB die Gefahr, dass die in mehreren Euro-Ländern dringend erforderlichen Wirtschaftsreformen weiter verschleppt werden."

  • Marco Bargel, Postbank-Chefvolkswirt

    "Das ist überraschend. Eine Zinssenkung hatte niemand so richtig auf der Agenda - zumal sie konjunkturell nichts bringt und verpuffen wird. Die Deflationsgefahr lässt sich damit nicht vertreiben. Dazu bedarf es eher eines Anleihen-Kaufprogramms. Die EZB signalisiert mit ihrer Maßnahme aber, dass sie sehr weit zu gehen bereit ist. Das ist eher ein symbolischer Schritt. Die realwirtschaftlichen Folgen sind bescheiden."

  • Carsten Brzeski, ING

    "Beginnt jetzt auch EZB-Chef Mario Draghi damit, Geld aus dem Hubschrauber abzuwerfen? Wenn Draghi um 14.30 Uhr mit der Pressekonferenz beginnt, wissen wir mehr. Dann wird sich zeigen, ob die Zinssenkung nur das Vorspiel für weiteres geldpolitisches Feuerwerk sein wird oder er damit den bequemsten Weg wählte, um unkonventionelle Maßnahmen in großem Stil ohne Gesichtsverlust abzuwenden."

  • Ein Aktienhändler

    "Das war schon eine heftige Überraschung, mit einer Zinssenkung hat kaum einer gerechnet. Bei der Senkung der Zinsen handelt es sich zwar nur noch um Nuancen, aber das ist ein wichtiges Signal an die Kapitalmärkte, dass die EZB bereit ist, alles zu tun, was nötig ist."

 Das klingt provokativ, zumal derzeit Versuche Konjunktur feiern, die Notenbank wegen ihrer krisenbedingt extrem expansiven Geldpolitik und den dabei verwendeten außergewöhnlichen Instrumenten in der öffentlichen Debatte umzutaufen. So führen Top-Ökonomen einen Streit darüber, ob die EZB als Bad Bank, also als Schrottbank zu bezeichnen sei. Was steckt dahinter?

 Bei den großen Banken ist gerade Schrumpfen angesagt. Weil die Finanzaufsicht höhere Kernkapitalquoten fordert, werfen die Institute milliardenschwere Kreditpakete und Geschäftsbereiche auf den Markt, um sich von Bilanzrisiken zu trennen. Der große Bankenstresstest, durchgeführt von der EZB, dessen Ergebnisse am kommenden Sonntag veröffentlicht werden, hat diesen Trend noch verstärkt. Denn die Aufseher testen dabei, ob die Banken ihre lebenswichtige Kernkapitalquote auch im Fall einer drei Jahre anhaltenden Krise halten können. Und mit dem vorsorglichen Abstoß von Risiken können die Institute ihr Abschneiden beim Stresstest verbessern.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%