Finanzmärkte: Europäische Ratingagentur vor dem Aus

Finanzmärkte: Europäische Ratingagentur vor dem Aus

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Das Projekt der eigenen, europäischen Ratingagentur ist aufgrund von fehlender, politischer Unterstützung gescheitert.

von Silke Wettach und Henning Krumrey

Die Unternehmensberatung Roland Berger scheitert mit ihren Plänen, eine europäische Ratingagentur zu gründen. Überraschend kam das nicht.

Zu Jahresbeginn hatte sich der bei der Beratungsfirma zuständige Partner Markus Krall noch optimistisch zu dem Projekt einer europäischen Ratingagentur gezeigt. Er kündigte an, dass im zweiten Quartal eine privat finanzierte, nicht Gewinn orientierte Stiftung gegründete werde, die es mit den Großen der Rating-Branche aufnehmen wollte. Nun kam das kleinlaute Eingeständnis, dass Roland Berger das notwendige Kapital – die Rede ist von 300 Millionen Euro – nicht bei Investoren einsammeln konnte.

Erster Versuch bereits gescheitert

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Für Branchenkenner war die Entwicklung absehbar. Der zuständige EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier hatte im November ausdrücklich von einer europäischen Rating-Agentur abgesehen, als er im vergangenen Jahr seine Regulierungspläne für die Branche vorstellte. Zu teuer, zu langwierig lautete seine Einschätzung des Projekts. Josef Ackermann, der scheidende Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, warnte von Anfang an, dass es Jahre dauern würde, „bis eine solche Rating-Agentur sich ein entsprechendes Renommée aufgebaut hat.“

Die großen drei Ratingagenturen

  • Standard & Poor’s Ratings Services

    Hauptquartier: New York

    Umsatz 2011: 1.767 Millionen Dollar (52 % USA, 48 % international)

    Profit 2011: 719 Millionen Dollar

    Zahl der Analysten Ende 2010: 1.345

    Zahl aller Ratings Ende 2010: 1.190.500

    Eigentümer: S&P Ratings Services zählt zum Finanzdienstleister S&P, der 3,1 Milliarden Dollar Umsatz erzielt und derzeit dem Verlagshaus McGraw-Hill gehört. Dieses steht vor der Aufspaltung – bald dürfte S&P allein an der Börse sein.

    Wurzeln: Die Anfänge reichen bis ins Jahr 1860 zurück, 1941 entstand S&P durch die Fusion zweier Firmen. In den achtziger Jahren folgte die globale Expansion. In Europa arbeiten heute rund 500 Analysten – zumeist Europäer.

  • Moody’s Investors Service

    Hauptquartier: New York

    Umsatz 2011: 1.569 Millionen Dollar (56 % USA, 44 % international)

    Profit 2011: 690 Millionen Dollar

    Zahl der Analysten Ende 2010: 1.204

    Zahl aller Ratings Ende 2010: 1.039.187

    Eigentümer: MIS ist Kern der börsennotierten Moody’s Corporation, die 2,3 Milliarden Dollar Umsatz erwirtschaftet. Ihre Anteilseigner decken sich stark mit denen McGraw-Hills. Unter ihnen: Capital World, Vanguard, BlackRock.

    Wurzeln: Moody’s gilt im Vergleich zu S&P als verschwiegener, zentralisierter und weniger zahlenfixiert. Die Geschichte der Firma beginnt 1909 in den USA. Derzeit führen Europäer die Teams zur Bewertung von Staaten und Banken.

  • Fitch Ratings

    Hauptquartier: New York/London

    Umsatz 2011: 733 Millionen Dollar (39 % USA, 61 % international)

    Profit 2011: 227 Millionen Dollar

    Zahl der Analysten Ende 2010: 1.049

    Zahl aller Ratings Ende 2010: 505.024

    Eigentümer: Seit einem Teilverkauf im Februar gehören 50 Prozent dem familieneigenen US-Medienkonzern Hearst. Der Rest gehört Fimalac, einer börsennotierten französischen Holding, dominiert von Marc Ladreit de Lacharrière.

    Wurzeln: 1992 erwarb der Franzose Ladreit de Lacharrière die britische Agentur IBCA. 1998 folgte der Zusammenschluss mit der US-Agentur Fitch, deren Anfänge bis 1913 zurück reichen. Fitch sieht sich in der Branche als Underdog.

Trotzdem machte sich Berater Krall an die Arbeit, wohl wissend um den Groll auf die etablierten Ratingagenturen. Standard & Poor´s, Moody´s und Fitch hatten die Finanzkrise in den USA nicht rechtzeitig heraufziehen sehen und waren wegen des Timings ihrer Herabstufungen von angeschlagenen Euroländern im vergangenen Jahr massiv in die Kritik geraten. Als die US-Ratingagentur Standard & Poor´s im vergangenen November dann auch noch Frankreich „versehentlich“ herabstufte, war bei vielen Politikern das Maß voll. Eine Alternative schien dringend notwendig.

Keine politische Unterstützung

Doch die Neugründung einer eigenen europäischen Agentur war eine Totgeburt. Dass das Projekt zum Scheitern verurteilt war, lässt sich schon daran ablesen, dass ein früherer Anlauf der europäischen Politik ebenfalls ohne Ergebnis geblieben war. 

Auch diesmal stieß das Projekt zwar auf Interesse, fand aber kaum politische Unterstützung. In Berlin beispielsweise hoffte Krall zwar lange auf einen Termin bei Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble, kam aber über ein Treffen mit Mitarbeitern des Chefs nicht hinaus. Und auch in den Regierungsfraktionen fand er nicht viel Beifall. „Zu glatt“ nannte beispielsweise ein hochrangiger Koalitionär den Auftritt Kralls.

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