Finanzminister Vilks im Interview: Lettland will unbedingt den Euro einführen

Finanzminister Vilks im Interview: Lettland will unbedingt den Euro einführen

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Der lettische Finanzminister Vilks

von Silke Wettach

Der Finanzminister von Lettland lässt sich von der negativen Stimmung gegen den Euro nicht beeindrucken. Er will die Währung in seinem Land unbedingt einführen und "Mitglied des einflussreichen Clubs werden".

WirtschaftsWoche: Herr Vilks, warum will Ihr Land unbedingt der Euro-Zone beitreten, einem Club kränkelnder Volkswirtschaften?

Vilks: Wir wollen dabei sein – und wenn alle Mitglieder die Regeln befolgen, kann die Euro-Zone schon bald wieder ein sehr einflussreicher Club sein.

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Was verspricht sich Lettland ganz konkret vom Euro?

Noch stärkeres Wachstum und neue Arbeitsplätze. Wie Estland und Litauen sind wir auf ausländische Direktinvestitionen angewiesen. Wir beobachten, dass Estland, das den Euro schon eingeführt hat, mehr ausländische Direktinvestitionen anzieht als wir. Bisher fürchten Investoren bei uns Währungsschwankungen und fragen sich, ob unser Bankensystem sicher ist. Wenn wir in der Euro-Zone sind und die Regeln befolgen, werden diese Fragen verstummen.

Griechenland erfüllt nur mit großer Mühe, die Rettungsauflagen, während Ihr Land einen harten Weg hinter sich hat. Ärgert Sie das?

Andere Länder in der Euro-Zone müssten mehr tun. Wir haben den Staatshaushalt um 17 Prozent des BIPs zurückgefahren, zwei Drittel davon durch Ausgabenkürzung. Im öffentlichen Dienst sanken die Gehälter um 25 bis 30 Prozent. Rund 20 Prozent der Beschäftigten im öffentlichen Dienst verloren ihren Job. Aber wir haben nicht nur gespart, wir haben den Staatsapparat dabei auch effizienter gemacht.

Wie genau?

Wir haben die Regierungsdienststellen halbiert, Krankenhäuser fusioniert, Schulen zusammengeschlossen. Wir führen dieselben Aufgaben mit weniger Leuten aus.

Warum hat die Austerität in Lettland funktioniert?

Wir haben der Bevölkerung gesagt, was dem Land bevorsteht, und schnell gehandelt. Wir mussten die Banken sanieren, und die Unternehmen mussten ihre Wettbewerbsfähigkeit wiederherstellen. Die haben heute eine höhere Produktivität als vor der Krise.

Gab es nie Proteste?

Unsere Demonstrationen bestanden aus maximal 100 Menschen, die lächelnd eine halbe Stunde protestierten. Das kann man nicht mit den aufgebrachten Massen vergleichen, die in Portugal auf die Straße gehen. Wir hatten allerdings auch von Anfang an einen sehr guten sozialen Dialog, und die Regierung hat alle Austeritätsmaßnahmen gemeinsam mit den Gewerkschaften und den Unternehmen beschlossen.

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