Finanzstabilitätsbericht: Bundesbank warnt vor Nebenwirkungen der Minizinsen

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Finanzstabilitätsbericht: Bundesbank warnt vor Nebenwirkungen der Minizinsen

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huGO-BildID: 33604194 The Frankfurt skyline is seen from the meeting room of the European Central Bank (ECB) council meeting room on the 41st floor at the construction site of the new headquarters of the ECB during a guided media tour in Frankfurt, October 31, 2013. The ECB plans to move into its new headquarters by the end of 2014. REUTERS/Kai Pfaffenbach (GERMANY - Tags: BUSINESS CITYSPACE)

von Saskia Littmann

Im aktuellen Stabilitätsbericht warnt die Bundesbank: Je länger die Zinsen niedrig bleiben, desto schlimmer wird es für deutsche Banken und Versicherer. Vor allem Banken müssen ihre Geschäftsmodelle überprüfen.

Die niedrigen Zinsen in der Euro-Zone bergen mit zunehmender Dauer Gefahren für die Stabilität des Finanzsystems. Davor warnte die Bundesbank in ihrem am Donnerstag veröffentlichten Finanzstabilitätsbericht. Zwar hätten die günstigen Refinanzierungskosten zusammen mit dem hohen Angebot an Liquidität dazu beigetragen, dass die Spannungen an den internationalen Finanzmärkten nachgelassen hätten. Allerdings wuchsen auch die Risiken und Nebenwirkungen, je länger die Zinsen so niedrig blieben, sagte Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret am Donnerstag. "Das Niedrigzinsumfeld wird mehr und mehr zu einer Belastung für das deutsche Finanzsystem. Sobald wir Gefahren für die Finanzstabilität sehen werden wir handeln."

Belastungen durch die Mini-Zinsen sieht die Bundesbank insbesondere für deutsche Banken und Versicherer. "Die strukturelle Ertragsschwäche der deutschen Banken wird durch das niedrige Zinsniveau verstärkt", schreibt die Bundesbank. Bereits Anfang November hatte Dombret im Interview mit der WirtschaftsWoche davor gewarnt, dass gerade bei einlagenstarken Instituten die Margen unter Druck gerieten. "Deshalb sind die Banken aufgefordert, ihre Geschäftsmodelle zu prüfen", sagte Dombret der WirtschaftsWoche. Besonders hoch sind die Ausfallrisiken der deutschen Banken laut Stabilitätsbericht bei Schiffskrediten. Auch Kredite für ausländische Gewerbeimmobilien und Verbriefungen seien gefährdet.

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Versicherer setzten auf Unternehmensanleihen
Neben den Banken geraten vor allem Lebensversicherer immer stärker in die Bredouille. Niedrige Zinsen zehren die finanziellen Puffer der Lebensversicherer auf, warnte Dombret. Laut dem Bundesbank-Bericht haben die Versicherer anders als Banken mehr Unternehmensanleihen in ihre Portfolios geholt. Von Ende 2009 bis Mitte 2013 habe sich der Bestand auf 83 Milliarden Euro verdoppelt. Der Anteil der am Markt schon hoch bewerteten Anleihen am Gesamtportfolio stieg von 3,4 auf sechs Prozent. Die meisten der Papiere würde laut Bundesbank indirekt über Spezialfonds gehalten. Die Bundesbank sieht das kritisch. "Aus dieser Anlagepolitik können sich Belastungen ergeben, falls sich die derzeitigen Bewertungen im Niedrigzinsumfeld als nicht haltbar herausstellen", schreiben die Notenbanker. Neu ist diese Entwicklung am Versicherungsmarkt allerdings nicht. Einige Versicherer fahren ihr Engagement aufgrund der hohen Bewertungen bereits wieder zurück.

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Mit den niedrigen Zinsen steigen auch die Risiken am Immobilienmarkt. "Am deutschen Wohnimmobilienmarkt besteht das Risiko einer Spirale aus steigenden Preisen und einer nicht nachhaltigen Kreditvergabe", schreibt die Bundesbank. Bereits vor einigen Wochen teilten die Frankfurter Notenbanker mit, dass insbesondere in Ballungsräumen Immobilien teilweise bereits deutlich überbewertet seien. Allerdings bestehe noch keine Gefahr für eine Blase, da die Kreditvergabe nicht nennenswert steigt. "Wir können bisher nicht feststellen, dass Banken ihre Kreditvergabe erhöhen oder ihre Vergabestandards senken", sagte Dombret im WirtschaftsWoche-Interview.

Fest steht: Je länger die Zinsen auf ihrem Rekordtief bleiben, desto gefährlicher wird die Situation für die Finanzstabilität. Bisher spricht allerdings wenig für eine baldige Wende. Erst in der vergangenen Woche hat die Europäische Zentralbank (EZB) die Leitzinsen für die Euro-Zone auf nur noch 0,25 Prozent gesenkt. Gleichzeitig stellte EZB-Chef Mario Draghi klar, dass damit noch nicht Schluss sein muss. "Wir könnten auch noch weiter senken", sagte der Italiener nach der letzten Sitzung des EZB-Rats. Die Bundesbanker dürften angesichts Draghis Äußerung aufgehorcht haben. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters stimmten sechs der insgesamt 23 Mitglieder des EZB-Rats gegen die Zinssenkung der vergangenen Woche. Darunter soll demnach auch Bundesbank-Präsident Jens Weidmann gewesen sein.

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