Fitch senkt Bonitätsnote: Slowenien - vom Musterland zum Sorgenkind

Fitch senkt Bonitätsnote: Slowenien - vom Musterland zum Sorgenkind

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Der slowenische Ministerpräsident Janez Jansa (l) und EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso bei einer Pressekonferenz in Brüssel.

Einst galt Slowenien als Musterknabe, jetzt steht der Alpenrepublik wirtschaftlich das Wasser bis zum Hals. Auch Fitch hat jetzt die Kreditwürdigkeit um eine Stufe nach unten korrigiert. Der Ausblick sei zudem negativ.

Mitten in der gut laufenden Reisesaison kommen die wirtschaftlichen Tiefschläge für Slowenien fast im Tagestakt. Die Ratingagentur Moody's senkte Anfang August die Kreditwürdigkeit des Eurolandes gleich um drei Stufen. Bei Moody's steht das Euroland nur noch zwei Stufen über dem „Ramsch“-Status. Nachdem auch die Ratingagentur Standard and Poor's (S&P) den Daumen gesenkt hatte, musste das Land am letzten Freitag klar über sieben Prozent Zinsen für zehnjährige Staatsanleihen berappen.

Die großen drei Ratingagenturen

  • Standard & Poor’s Ratings Services

    Hauptquartier: New York

    Umsatz 2011: 1.767 Millionen Dollar (52 % USA, 48 % international)

    Profit 2011: 719 Millionen Dollar

    Zahl der Analysten Ende 2010: 1.345

    Zahl aller Ratings Ende 2010: 1.190.500

    Eigentümer: S&P Ratings Services zählt zum Finanzdienstleister S&P, der 3,1 Milliarden Dollar Umsatz erzielt und derzeit dem Verlagshaus McGraw-Hill gehört. Dieses steht vor der Aufspaltung – bald dürfte S&P allein an der Börse sein.

    Wurzeln: Die Anfänge reichen bis ins Jahr 1860 zurück, 1941 entstand S&P durch die Fusion zweier Firmen. In den achtziger Jahren folgte die globale Expansion. In Europa arbeiten heute rund 500 Analysten – zumeist Europäer.

  • Moody’s Investors Service

    Hauptquartier: New York

    Umsatz 2011: 1.569 Millionen Dollar (56 % USA, 44 % international)

    Profit 2011: 690 Millionen Dollar

    Zahl der Analysten Ende 2010: 1.204

    Zahl aller Ratings Ende 2010: 1.039.187

    Eigentümer: MIS ist Kern der börsennotierten Moody’s Corporation, die 2,3 Milliarden Dollar Umsatz erwirtschaftet. Ihre Anteilseigner decken sich stark mit denen McGraw-Hills. Unter ihnen: Capital World, Vanguard, BlackRock.

    Wurzeln: Moody’s gilt im Vergleich zu S&P als verschwiegener, zentralisierter und weniger zahlenfixiert. Die Geschichte der Firma beginnt 1909 in den USA. Derzeit führen Europäer die Teams zur Bewertung von Staaten und Banken.

  • Fitch Ratings

    Hauptquartier: New York/London

    Umsatz 2011: 733 Millionen Dollar (39 % USA, 61 % international)

    Profit 2011: 227 Millionen Dollar

    Zahl der Analysten Ende 2010: 1.049

    Zahl aller Ratings Ende 2010: 505.024

    Eigentümer: Seit einem Teilverkauf im Februar gehören 50 Prozent dem familieneigenen US-Medienkonzern Hearst. Der Rest gehört Fimalac, einer börsennotierten französischen Holding, dominiert von Marc Ladreit de Lacharrière.

    Wurzeln: 1992 erwarb der Franzose Ladreit de Lacharrière die britische Agentur IBCA. 1998 folgte der Zusammenschluss mit der US-Agentur Fitch, deren Anfänge bis 1913 zurück reichen. Fitch sieht sich in der Branche als Underdog.

In dieser Woche folgten die Abwertung der staatlichen Telekom Slovenije, der staatlich garantierten Bankschulden und am Dienstag der staatlichen Versicherung Triglav und des Rückversicherers Pozavarovanlnica Sava. Am Mittwoch schließlich kam die Abstufung durch die Ratingagentur Fitch. Die einst solide Slowenien AG, in der ausländische Investoren weitgehend ausgeschlossen wurden und der Staat in allen wichtigen Unternehmen und Fonds meist das Sagen hat, wankt.

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Wie in Spanien sind es auch in dem kleinen Adrialand mit zwei Millionen Einwohnern die Banken, die mit ihrer Schieflage das ganze System gefährden. Rund 18 Prozent aller Bankkredite sollen von Ausfall bedroht sein. Im eingebrochenen Bausektor sind es sogar 50 Prozent. Moody's schätzt, dass das marode Bankensystem, wo auch der Staat den Ton angibt, bis zu drei Milliarden Euro Sanierungskosten benötigt. Der slowenische Wirtschaftsprofessor Joze Damijan bezifferte den Bedarf an frischem Geld zur Aufstockung des Kapitals und zur Ablösung fauler Kredite auf bis zu acht Milliarden Euro.

Ratingagenturen ABC

  • Wie arbeiten Ratingagenturen?

    Ratingagenturen bewerten die Kreditwürdigkeit von Anleiheemittenten; das können Unternehmen, Banken oder Staaten sein. Das Urteil der Bonitätsprüfer bestimmt letztlich den Kurs der Papiere. In die Bewertung fließen veröffentlichte Zahlen ebenso ein wie Brancheneinschätzungen. Die weltweit einflussreichsten Ratingagenturen sind Standard & Poor's (S&P), Moody's und Fitch.

  • Welche Auswirkungen hat ein schlechtes Rating?

    Je schlechter Ratingagenturen die Bonität eines Marktteilnehmers beurteilen, desto schwieriger und teurer wird es für diesen, sich frisches Geld zu besorgen. Die Refinanzierungskosten steigen, im schlimmsten Fall ziehen Geldgeber ihr Kapital ab. Am Rating orientieren sich nicht nur Banken, sondern beispielsweise auch institutionelle Investoren.

  • Was bedeuten Ratings wie „AAA“ oder „BB+“?

    Für ihre Einstufungen verwenden die Agenturen Buchstabencodes. Bei Standard & Poor's und Fitch beginnt die Skala mit der Bestnote „AAA“ (englisch: „Triple A“). Es folgen „AA“, „A“, „BBB“, „BB“, „B“, „CCC“, „CC“, „C“. Die meisten Stufen können mit Plus- und Minuszeichen noch feiner unterteilt werden. Ab „BB+“ beginnt der spekulative Bereich, der auch „Ramsch“ (englisch: „Junk“) genannt wird. Die Skala reicht bis „D“ - das bedeutet, dass ein Ausfall des Schuldners eingetreten ist. Etwas anders verfährt die Ratingagentur Moody's, die bei der Bewertung große und kleine Buchstaben sowie Zahlen kombiniert. „Aaa“ bedeutet „erstklassig“ und ist die höchste Bewertung. Diese Note steht für höchste Qualität, geringstes Ausfallsrisiko, vergleichbar mit Staatsanleihen. Dann folgen „Aa1“, „Aa2“, „Aa3“ für „starke Zahlungsfähigkeit“ sowie in der nächsten Stufe „A1“, „A2“ und „A3“ für „gute Zahlungsfähigkeit“. Danach wird der erste Buchstabe durch ein „B“ ersetzt. Der «spekulative Bereich“ beginnt bei „Ba1“, die niedrigste Kategorie ist „E“.

  • Was bemängeln Kritiker an Ratingagenturen?

    Kritiker bemängeln, es bleibe oft unklar, welcher Anteil der Bonitätseinstufungen Mathematik und was Meinung ist. In der Finanzkrise kamen Ratingagenturen in die Schusslinie: In vielen Fällen behielten Unternehmen, die ein hohes Risiko trugen, zu lange ihre Topnoten. Sie wurden erst herabgestuft, als die Krise bereits akut war; Anlegern blieb keine Zeit zu reagieren. Daher ist es wenig ratsam, allein auf das Urteil von Moody's & Co zu vertrauen.

  • Welche Alternativen gibt es zu Ratingagenturen?

    Manche Profis verlassen sich inzwischen stärker auf das Urteil eigener Analysten. Deren Meinung findet umso mehr Beachtung, wenn sie eine abweichendes Urteil zu den Ratingagenturen fällen. Privatanleger können überlegen, wenig transparente Marktsegmente über Fonds abzudecken, statt direkt in Anleihen zu investieren. So profitieren sie quasi indirekt vom Know-How weiterer Experten.

Aber das ist nur ein Teil des Problems. „Sloweniens Unternehmen gehören in der EU zu den am höchsten verschuldeten“, analysiert Germany Trade&Invest. Und: „Schwierige Strukturreformen, unter anderem die des Rentensystems, des Arbeitsrechts und des Gesundheitssystems stehen noch bevor.“ Dazu bräuchte die Mitte-Rechts-Regierung von Janez Jansa wegen der geforderten Zwei-Drittel-Mehrheit auch die Unterstützung der Opposition, die weit und breit nicht in Sicht ist. Schlimmer noch. Die beiden größten Koalitionsparteien liegen im Clinch.

Die Atmosphäre zwischen Jansas SDS und der Bürgerliste von Parlamentspräsident Gregor Virant wird zunehmend vergiftet. Erst am letzten Wochenende teilten die eigentlich Verbündeten öffentlich wieder Vorwürfe und Ratschläge aus. Die wackelige Regierung wird denn von den meisten Wirtschaftsexperten auch als Risikofaktor angeführt.

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