Flüchtlinge: Angela Merkel und Christian Kern fordern gerechte Verteilung

Flüchtlinge: Angela Merkel und Christian Kern fordern gerechte Verteilung

, aktualisiert 23. Juni 2016, 17:25 Uhr
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Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der neue österreichische Kanzler Christian Kern in Berlin.

Angela Merkel und ihr österreichischer Amtskollege Christian Kern betonen ihre ähnliche Sichtweise in der Flüchtlingspolitik. Beide fordern nach einem Treffen in Berlin eine faire Verteilung der Flüchtlinge in der EU.

Nach dem Bruch zwischen Berlin und Wien in der Flüchtlingspolitik sind Kanzlerin Angela Merkel und ihr neuer Amtskollege Christian Kern demonstrativ aufeinander zugegangen. Im Anschluss an ein Treffen im Kanzleramt in Berlin betonten sie am Donnerstag ihre Gemeinsamkeiten beim Kampf gegen Schlepper und bei der Forderung nach einer fairen Verteilung von Migranten innerhalb der Europäischen Union. Allerdings wollte Kern an der Obergrenze für die Aufnahme von Flüchtlingen in Österreich nicht rütteln lassen.

Merkel sagte, bis zu einer fairen Verteilung der Flüchtlinge in der EU sei es noch ein langer Weg. Sie lehnt Obergrenzen aus humanitären und rechtlichen Gründen ab. Kern sagte, Österreich habe im höchsten Maße Flüchtlinge aufgenommen. Es sei nicht hinnehmbar, dass sich einige Länder aus der Verantwortung zögen. „Hier geht es darum zu beweisen, dass Europa ein solidarisches Projekt zu sein hat.“

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Kern war im Mai zum Nachfolger des zurückgetretenen Kanzlers Werner Faymann bestimmt worden. Faymann hatte im vorigen September zunächst gemeinsam mit Merkel eine liberale Flüchtlingspolitik betrieben, im Frühjahr dann aber eine Kehrtwende vollzogen.

Die Entscheidung seines Vorgängers sei auch aus der Sorge heraus getroffen worden, dass die eigene Bevölkerung kein Verständnis mehr für den Kurs aufgebracht habe. „Das ist doch reichlich schnell gekippt“, sagte Kern, ohne das Erstarken der rechtspopulistischen FPÖ in seinem Land zu erwähnen. Österreich wolle sich nicht vor seinen Verpflichtungen drücken. „Aber auf der anderen Seite geht's halt auch darum, Probleme politisch so zu lösen, dass die Bevölkerung zumindest zu einem gewissen Teil auch noch dahinter steht.“

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Kern verwies auf die Aufregung in Deutschland nach der Silvesternacht in Köln. Dort waren Hunderte Frauen am Hauptbahnhof von ausländischen Männergruppen drangsaliert, beraubt und belästigt worden - auch Vergewaltigungen wurden angezeigt. Ein großer Teil der Beschuldigten ist nach Erkenntnissen der Ermittler nordafrikanischer Herkunft.

Auf die Frage, ob mit Kern das Verhältnis beider Länder besser als zuvor sei, antwortete Merkel: „Ich kann unmöglich erklären, dass die Beziehungen gestern schlecht waren. Das können Sie von mir wirklich nicht verlangen.“ Die österreichisch-deutschen Beziehungen seien gut, freundschaftlich und eng - „und werden das auch bleiben“. Wenn es unterschiedliche Meinungen gebe, habe man gelernt, sich „in gepflegter Art und Weise“ darüber auszutauschen. Kern sprach von einer „exzellenten nachbarschaftlichen Beziehung“.

Um das zu verdeutlichen, kam er auf Fußball zu sprechen: „Ich gehöre ja zur Cordoba-Generation. Das sportliche Erweckungsereignis war 1978.“ Am 21. Juni 1978 hatte Österreich bei der Fußball- Weltmeisterschaft im argentinischen Cordoba Deutschland mit 3:2 besiegt. Der Sieg gilt bis heute als legendär, weil Österreich bis dahin über Jahrzehnte im Fußball gegen Deutschland verloren hatte.

Nun sagte Kern: „Es gibt einen interessanten Kulturwandel.“ Nach dem Aus der österreichischen Nationalmannschaft bei der Fußball- Europameisterschaft am Mittwoch sei es so, dass sich die Österreicher nun „alle durch die Bank“ wünschten, dass Deutschland Europameister werde. „Da ist viel passiert in den 30 Jahren.“ Merkel bemerkte mit Blick auf die Niederlage Österreichs bei der EM gegen Island: „Auf Fußball bin ich heute lieber nicht gekommen.“ Und Kern: „Wir lecken unsere Wunden, aber wir haben Routine dabei. Das ist das Gute.“

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