Flüchtlingsdrama in Mazedonien: Tausende setzen Weg in Richtung Ungarn fort

Flüchtlingsdrama in Mazedonien: Tausende setzen Weg in Richtung Ungarn fort

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In den letzten zwei Monaten durchquerten rund 45.000 Flüchtlinge Mazedonien.

Nach den Tumulten vom Samstag lässt Mazedonien Flüchtlinge wieder ungehindert ins Land. Die meisten wollen ohnehin nicht bleiben, sondern über Serbien und Ungarn in reichere EU-Staaten weiterreisen.

Nach Überwindung der mazedonischen Grenze haben Tausende Flüchtlinge am Sonntag ihren Weg Richtung Europäische Union fortgesetzt. Sie bestiegen Züge und Busse nach Serbien. Von dort wollten sie ins EU-Mitgliedsland Ungarn einreisen, das gerade einen meterhohen Stacheldrahtzaun an seiner Grenze zu Serbien errichtet.

Am Samstag hatten rund 2000 vom Regen durchnässte Flüchtlinge die mazedonischen Polizeiabsperrungen an der Grenze zu Griechenland durchbrochen. Auch Blendgranaten hielten sie nicht auf. Sie überwanden Stacheldrahtverhaue und stürmten an den Polizisten vorbei auf mazedonisches Gebiet. Dutzende wurden dabei verletzt.

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Die mazedonische Polizei hatte die Grenze zu Griechenland drei Tage lang dichtgemacht. Nach den Vorfällen vom Samstag entschied sie, die Flüchtlinge wieder ungehindert über die Grenze zu lassen.

Viele Flüchtlinge beklagten sich über das Vorgehen der mazedonischen Polizei. „Es war sehr hart in Mazedonien“, sagte die Syrerin Emina, bevor sie mit ihrem zweieinhalb Monate alten Baby in den Zug stieg. „Ich habe drei Tage nicht geschlafen und nicht gegessen. Gerade als wir an der Grenze ankamen, haben sie sie geschlossen. Es war schrecklich.“

Während der Nacht erreichten mehr als 5000 Migranten serbisches Gebiet. „Eine große Zahl von Menschen ist angekommen und wir erwarten dieselbe Intensität für die nächsten ein oder zwei Tage“, sagte Serbiens Verteidigungsminister Bratislav Gasic.

Die Migranten drängten sich in einem überfüllten Flüchtlingszentrum, wo sie Asyl beantragten. Mit den Dokumenten, die sie dort bekommen, dürfen sie binnen drei Tagen nach Ungarn weiterreisen. Das serbische Staatsfernsehen berichtete, viele seien krank oder bei den Tumulten am Samstag verletzt worden. Eine Frau habe ein Kind zur Welt gebracht.

Was Flüchtlinge dürfen

  • Betriebliche Ausbildung

    Wer eine sogenannte Aufenthaltsgestattung bekommt, darf nach drei Monaten in Deutschland eine betriebliche Ausbildung beginnen. Wer geduldet ist, kann vom ersten Tag an eine Ausbildung machen. In beiden Fällen ist jedoch eine Erlaubnis durch die Ausländerbehörde nötig.

  • Praktika

    Gleiches gilt für Praktika oder den Bundesfreiwilligendienst beziehungsweise ein freiwilliges, soziales Jahr: Personen mit Aufenthaltsgestattung können nach drei Monaten ohne Zustimmung der ZAV damit beginnen, wer den Status „geduldet“ hat, darf das ab dem ersten Tag.

  • Hochqualifizierte

    Wer studiert hat und eine Aufenthaltsgestattung besitzt, darf ohne Zustimmung der ZAV nach drei Monaten eine dem Abschluss entsprechende Beschäftigung aufnehmen, wenn sie einen anerkannten oder vergleichbaren ausländischen Hochschulabschluss besitzen und mindestens 47.600 Euro brutto im Jahr verdienen werden oder einen deutschen Hochschulabschluss besitzen (unabhängig vom Einkommen).
    Personen mit Duldung können dasselbe bereits ab dem ersten Tag des Aufenthalts.

  • Nach vier Jahren Aufenthalt

    Personen mit Aufenthaltsgestattung können nach vierjährigem Aufenthalt jede Beschäftigung ohne Zustimmung der ZAV aufnehmen.

Der französische Außenminister Laurent Fabius mahnte am Sonntag eine schnelle Lösung in der Flüchtlingskrise an der griechisch-mazedonischen Grenze an. Sein tschechischer Amtskollege Lubomir Zaoralek sprach nach einem Treffen am Sonntag in Prag von einer „außerordentlichen Belastung“ für die Regierung in Skopje.

Beide Außenminister forderten Anstrengungen aller EU-Staaten, um die weltweiten Migrationsströme zu bewältigen. Lösungen müssten gemeinsam gefunden werden, betonte Fabius. Dabei sei die Beibehaltung des Schengen-Systems für weitgehend freien Personenverkehr für Tschechien von großer Bedeutung, betonte Zaoralek.

Die meisten Migranten sind auf der Flucht vor den Kämpfen und Anschlägen in Afghanistan, Syrien und Irak und gelangen über die Türkei nach Griechenland. Dort sind in diesem Jahr mehr als 160.000 Flüchtlinge angekommen. In den vergangenen beiden Monaten durchquerten etwa 45.000 Flüchtlinge Mazedonien.

Auch von Libyen aus versuchen Flüchtlinge nach Europa zu gelangen. Die weite Überfahrt in kaum seetüchtigen Booten ist jedoch sehr gefährlich. Allein am Samstag rettete die italienische Küstenwache nach eigenen Angaben bei 22 Einsätzen rund 4400 Menschen von motorisierten Schlauch- und Fischerbooten nahe der libyschen Küste. Insgesamt seien damit in diesem Jahr rund 110.000 Menschen gerettet und in italienische Hafenstädte gebracht worden. Am Sonntag bat die Küstenwache drei Frachtschiffe, ihr bei der Rettung mehrerer Schmugglerboote zu helfen.

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Flüchtlinge Quelle: dpa

Als Reaktion auf die sich zuspitzende Flüchtlingslage forderte die Linkspartei-Politikerin Annette Groth einen Politikwechsel. "Das Dublin-System mit der Registrierung der Flüchtlinge im ersten EU-Staat ist am Ende. Die Flüchtlinge sollten sich mit einem humanitären Visum direkt ein Zielland in der EU aussuchen können", sagte Groth am Sonntag im Reuters-Interview. Die Abgeordnete hält sich an der griechisch-mazedonischen Grenze auf. "Die EU-Staaten und auch Deutschland sollten eine direkte Aufnahme ermöglichen und den Flüchtlingen die sehr gefährlichen Transitwege über das Mittelmeer und die Balkanroute ersparen." Die Menschenrechtspolitikerin warnte vor Illusionen: "Es ist hier eine wahre Völkerwanderung im Gange." Die Schließung von Grenzen sei schon aus humanitären Gründen keine Lösung.

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