Flüchtlingskrise: Schweden führt Grenzkontrollen ein

Flüchtlingskrise: Schweden führt Grenzkontrollen ein

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Täglich nehmen die Fähren von TT-Line und Stena Line mehrere hundert Flüchtlinge mit nach Schweden. Nun sollen Grenzkontrollen eingeführt werden.

Wegen Flüchtlingszahlen in Rekordhöhe vollzieht das traditionell liberale Schweden eine Kehrtwende und führt Grenzkontrollen wieder ein.

Die Maßnahme gelte von Donnerstag an zunächst für zehn Tage, erklärte Innenminister Anders Ygeman am Mittwoch auf einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz. Die Kontrollen können demnach um je 20 Tage verlängert werden. Betroffen sei vor allem die Öresundbrücke, die die dänische Hauptstadt Kopenhagen mit dem schwedischen Malmö verbindet, sowie die Fährhäfen in der Region.

Der sozialdemokratische Minister forderte zugleich eine faire Lastenverteilung. "Unser Signal an die restliche EU ist glasklar: Schweden ist das Land, das in der Flüchtlingskrise die größte Verantwortung übernommen hat." Der Staat zählt neben Deutschland zu den am meisten betroffenen EU-Mitgliedern und hat im Vergleich zur Bevölkerungszahl so viele Asylbewerber wie kein anderes Land aufgenommen. In diesem Jahr erwartet die Regierung 190.000 Neuankömmlinge - doppelt so viele wie die bisherige Rekordzahl, die in den 90er Jahren erreicht wurde. Das Land hat knapp zehn Millionen Einwohner.

Über das Mittelmeer nach Europa: Zahlen zu Flüchtlingen

  • Flucht nach Europa

    Trotz der lebensgefährlichen Fahrt über das Mittelmeer wagen viele Tausend Menschen die Flucht nach Europa. 219.000 Menschen flohen laut Flüchtlingshilfswerk UNHCR 2014 über das Mittelmeer nach Europa; 2015 waren es bis zum 20. April 35.000.

  • Tot oder vermisst

    3.500 Menschen kamen 2014 bei ihrer Flucht ums Leben oder werden vermisst; im laufenden Jahr sind es bis zum 20. April 1600.

  • Zahl der Flüchtlinge in Europa

    170.100 Flüchtlinge erreichten 2014 über das Meer Italien (Januar bis März 2015: mehr als 10.100); weitere 43.500 kamen nach Griechenland, 3.500 nach Spanien, 570 nach Malta und 340 nach Zypern.

  • Syrer

    66.700 Syrer registrierte die EU-Grenzschutzagentur Frontex 2014 bei einem illegalen Grenzübertritt auf dem Seeweg, 34.300 Menschen kamen aus Eritrea, 12.700 aus Afghanistan und 9.800 aus Mali.

  • Asylantrag

    191.000 Flüchtlinge stellten 2014 in der EU einen Asylantrag (dabei wird nicht unterschieden, auf welchem Weg die Flüchtlinge nach Europa kamen). Das sind EU-weit 1,2 Asylbewerber pro tausend Einwohner.

  • 123.000 Syrer...

    ...beantragten 2014 in der EU Asyl (2013: 50.000).

  • Asylbewerber in Deutschland

    202.700 Asylbewerber wurden 2014 in Deutschland registriert (32 Prozent aller Bewerber), 81.200 in Schweden (13 Prozent) 64.600 in Italien (10 Prozent), 62.800 in Frankreich (10 Prozent) und 42.800 in Ungarn (7 Prozent).

  • Steigende Zahl der Asylbewerber

    Um 143 Prozent stieg die Zahl der Asylbewerber im Vergleich zu 2013 in Italien, um 126 Prozent in Ungarn, um 60 Prozent in Deutschland und um 50 Prozent in Schweden.

  • Aufnahme der Flüchtlinge

    Mit 8,4 Bewerbern pro tausend Einwohner nahm Schweden 2014 im Verhältnis zur Bevölkerung die meisten Flüchtlinge auf. Es folgten Ungarn (4,3), Österreich (3,3), Malta (3,2), Dänemark (2,6) und Deutschland (2,5).

  • Überfahrt nach Italien oder Malta

    600.000 bis eine Million Menschen warten nach Schätzungen der EU-Kommission allein in Libyen, um in den nächsten Monaten die Überfahrt nach Italien oder Malta zu wagen.

Wegen des Flüchtlingsstromes gibt es in Schweden, das für seine liberale Asylpolitik bekannt ist, zunehmend Unruhe. Die Regierung warnte in der vergangenen Woche, dass sie Neuankömmlingen keine Unterkunft mehr garantieren könne. Die Einwanderungsbehörde plant die Unterbringung von Flüchtlingen in beheizten Zelten. Manche könnten auch in Wintersportorten oder einem Freizeitpark unterkommen.

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Weitere Artikel

Flüchtlinge aus Richtung Südosteuropa erreichen Schweden auch über Deutschland. So verbinden Fähren Rostock, Rügen oder Travemünde mit Trelleborg sowie Kiel mit Göteborg. Eigentlich sind Grenzkontrollen in den meisten EU-Ländern im Rahmen des Schengen-Abkommens abgeschafft worden. Allerdings hat sie Deutschland wegen der Flüchtlingskrise zumindest an der österreichisch-bayerischen Grenze wiedereingeführt. In Skandinavien hat das kontrollfreie Reisen eine längere Tradition: Die Staaten verständigten sich darauf bereits in den 50er Jahren.

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