Flüchtlingsstrom: Zugverkehr zwischen Österreich und Ungarn gestoppt

Flüchtlingsstrom: Zugverkehr zwischen Österreich und Ungarn gestoppt

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Im Lager Röszke in Ungarn warten Flüchtlinge an einer Essensausgabe.

Zwischen Österreich und Ungarn fahren derzeit keine Züge mehr. Österreichs Bahn blockt wegen des massive Flüchtlingsandrangs. Das ungarische Innenministerium erwägt, den nationalen Krisenfall auszurufen.

Die österreichische Bahn hat am Donnerstag den Zugverkehr zwischen Österreich und Ungarn angesichts des Andrangs von Flüchtlingen vorübergehend eingestellt. Grund sei die „massive Überlastung“ der aus Ungarn kommenden Züge, teilte das Unternehmen mit. Eine Prognose, wann Züge wieder fahren könnten, sei schwierig, hieß es. Das ungarische Innenministerium schlägt die Ausrufung eines nationalen Krisenfalles aufgrund der Flüchtlingskrise vor. Über diese Frage solle bei der Kabinettssitzung am 15. September diskutiert werden.

Das Sicherheitsrisiko sei zu groß, sagte ÖBB-Sprecher Michael Braun. „Die aus Ungarn kommenden Züge sind so dermaßen überfüllt, dass wir sie auf keinen Fall weiterfahren lassen können. In Österreich dürfte so ein Zug den Bahnhof gar nicht verlassen.“
Eingestellt wurde demnach der Zugverkehr in beide Richtungen. Betroffen waren die Railjet/EuroNight- und die Eurocity-Verbindung auf der Strecke Wien-Budapest sowie grenzüberschreitende Regionalzüge. Bis auf weiteres sollten keine Tickets für Fahrziele in Ungarn verkauft werden.

Über das Mittelmeer nach Europa: Zahlen zu Flüchtlingen

  • Flucht nach Europa

    Trotz der lebensgefährlichen Fahrt über das Mittelmeer wagen viele Tausend Menschen die Flucht nach Europa. 219.000 Menschen flohen laut Flüchtlingshilfswerk UNHCR 2014 über das Mittelmeer nach Europa; 2015 waren es bis zum 20. April 35.000.

  • Tot oder vermisst

    3.500 Menschen kamen 2014 bei ihrer Flucht ums Leben oder werden vermisst; im laufenden Jahr sind es bis zum 20. April 1600.

  • Zahl der Flüchtlinge in Europa

    170.100 Flüchtlinge erreichten 2014 über das Meer Italien (Januar bis März 2015: mehr als 10.100); weitere 43.500 kamen nach Griechenland, 3.500 nach Spanien, 570 nach Malta und 340 nach Zypern.

  • Syrer

    66.700 Syrer registrierte die EU-Grenzschutzagentur Frontex 2014 bei einem illegalen Grenzübertritt auf dem Seeweg, 34.300 Menschen kamen aus Eritrea, 12.700 aus Afghanistan und 9.800 aus Mali.

  • Asylantrag

    191.000 Flüchtlinge stellten 2014 in der EU einen Asylantrag (dabei wird nicht unterschieden, auf welchem Weg die Flüchtlinge nach Europa kamen). Das sind EU-weit 1,2 Asylbewerber pro tausend Einwohner.

  • 123.000 Syrer...

    ...beantragten 2014 in der EU Asyl (2013: 50.000).

  • Asylbewerber in Deutschland

    202.700 Asylbewerber wurden 2014 in Deutschland registriert (32 Prozent aller Bewerber), 81.200 in Schweden (13 Prozent) 64.600 in Italien (10 Prozent), 62.800 in Frankreich (10 Prozent) und 42.800 in Ungarn (7 Prozent).

  • Steigende Zahl der Asylbewerber

    Um 143 Prozent stieg die Zahl der Asylbewerber im Vergleich zu 2013 in Italien, um 126 Prozent in Ungarn, um 60 Prozent in Deutschland und um 50 Prozent in Schweden.

  • Aufnahme der Flüchtlinge

    Mit 8,4 Bewerbern pro tausend Einwohner nahm Schweden 2014 im Verhältnis zur Bevölkerung die meisten Flüchtlinge auf. Es folgten Ungarn (4,3), Österreich (3,3), Malta (3,2), Dänemark (2,6) und Deutschland (2,5).

  • Überfahrt nach Italien oder Malta

    600.000 bis eine Million Menschen warten nach Schätzungen der EU-Kommission allein in Libyen, um in den nächsten Monaten die Überfahrt nach Italien oder Malta zu wagen.

Nach Angaben der Polizei stieg die Zahl der aus Ungarn kommenden Flüchtlinge am Donnerstag an. Tagsüber passierten demnach auch etwa 1000 Menschen zu Fuß die ungarisch-österreichische Grenze. Die ÖBB riefen freiwillige Helfer und Busunternehmen auf, keine weiteren Reisenden an die Bahnhöfe zu bringen. „Eine geordnete Abwicklung der aktuellen Situation kann sonst nicht mehr gewährleistet werden. Der ohnehin schon starke Zustrom in Kombination mit der großen Zahl der schon jetzt an den Bahnhöfen auf die Weiterfahrt wartenden Menschen übersteigt die vorhandene Zugkapazität bereits seit den Morgenstunden.“

Die Lage an den großen Wiener Bahnhöfen sei angespannt, sagte Braun. Würden nun weiter zahlreiche Menschen aus Ungarn auf dem Weg nach Westen dort eintreffen, könne die Situation „kippen“. Wien liegt an der Hauptflüchtlingsroute von Ungarn in Richtung Deutschland. Nahe des Wiener Westbahnhofs wurde unter anderem ein Aufnahmelager mit rund 600 Betten eingerichtet.

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Sonderzüge nach München seien vorerst allerdings nicht vorgesehen, sagte Braun. Derzeit stünden insgesamt weniger Züge zur Verfügung, da etliche noch vom Wochenende gewartet und gereinigt werden müssten. Am Wochenende waren nach offiziellen Angaben deutlich mehr als 15 000 Menschen nach Österreich gekommen, nachdem sich Wien und Berlin in Absprache mit Budapest darauf verständigt hatten, Flüchtlinge aus Ungarn ohne bürokratische Hürden und Kontrollen einreisen zu lassen.

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