Flüchtlingstragödie vor ägyptischer Küste: Martin Schulz plädiert für Abkommen mit Ägypten

Flüchtlingstragödie vor ägyptischer Küste: Martin Schulz plädiert für Abkommen mit Ägypten

, aktualisiert 23. September 2016, 19:28 Uhr
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Angehörige der auf der Flucht Gekenterten warten nahe Rosetta, 250 Kilometer nördlich von Kairo, auf Nachricht.

Ein Flüchtlingsboot ist vor der ägyptischen Küste gekentert. Mehr als 160 Tote wurden bereits geborgen. Ägypten wird zunehmend zum Hotspot in der Flüchtlingskrise. EU-Parlamentspräsident Schulz schlägt ein Abkommen vor.

Mindestens 162 Flüchtlinge und andere Migranten sind beim Untergang eines voll besetzten Bootes vor der ägyptischen Küste ums Leben gekommen. Das teilte der Gouverneur der ägyptischen Provinz Beheira, Mohamed Sultan, am Freitag mit. 164 Menschen seien gerettet worden, zitierte ihn die Tageszeitung „Al-Masry al-Youm“.

Das Boot war am Mittwoch nahe der Stadt Alexandria gekentert. Über die Zahl der Passagiere gab es widersprüchliche Angaben. Die staatliche Nachrichtenagentur Mena berichtete von etwa 600. Andere Medien sprachen von 300 bis 400 Menschen an Bord. Außer Ägyptern, seien das Syrer, Sudanesen, Somalier und Eritreer gewesen, berichtete die Zeitung „Al-Shourouk“.

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Helfer hätten am Freitag Dutzende weitere Leichen geborgen, berichtete das ägyptische Staatsfernsehen unter Berufung auf Behördenangaben. Viele Schiffbrüchige würden noch vermisst. Die Rettungsaktion im Mittelmeer dauert an.

Der Überlebende Ahmed Darwisch sagte der privaten Zeitung „Al-Masry al-Youm“: „Das Boot kippte über und sank, kurz nachdem wir losgefahren waren“. Der 25 Jahre alte Ägypter, der nach neun Stunden aus dem Wasser gerettet worden war, gab schwierige Lebensumstände und die schlechte Situation auf dem Arbeitsmarkt als Grund für die gefährliche Reise an.

Abkommen mit Ägypten?

EU-Parlamentspräsident Martin Schulz plädierte für ein Flüchtlingsabkommen mit Ägypten, das so ähnlich aussehen könnte wie der EU-Deal mit der Türkei. „Diesen Weg müssen wir einschlagen“, sagte Schulz der „Süddeutschen Zeitung“. Der Schutz der Flüchtlinge und die Bekämpfung des Schlepperwesens müssten im Vordergrund stehen.

Lesbos Tausende Flüchtlinge fliehen aus brennendem Lager

Auf der griechischen Insel Lesbos hat ein Feuer das Flüchtlingslager "Moria" zerstört. Rund 3000 Migranten flohen vor den Flammen. Verletzt wurde nach ersten Erkenntnissen niemand.

Polizisten stehen Wache. Im Hintergrund steht das Flüchtlingslager "Moria" auf Lesbos in Flammen. Quelle: AP

Die Grünen-Politikerin Franziska Brantner warnte die EU angesichts der schlechten Menschenrechtssituation in Ägypten davor, Milliarden an die Regierung von Präsident Abdel Fattah al-Sisi zu überweisen. Das Militär sei in Ägypten tonangebend und entscheide, wohin das Geld fließe. „Es kann nicht im europäischen Interesse sein, dass unsere Hilfsgelder im ägyptischen Militärapparat versickern“, sagte Brantner, die im Bundestag den Unterausschuss für Zivile Krisenprävention leitet.

Bei der Fahrt über das Mittelmeer Richtung Europa sterben immer wieder Flüchtlinge, weil die Boote überfüllt und schrottreif sind. Die meisten Migranten, überwiegend Afrikaner, starten die Überfahrt vom Bürgerkriegsland Libyen aus.

Doch Ägypten entwickelt sich nach Angaben der europäischen Grenzschutzagentur Frontex zu einem immer wichtigeren Startpunkt für Schlepperboote nach Europa. Die Odyssee, oft mit alten Fischkuttern, von dort sei besonders gefährlich und dauere oft länger als zehn Tage. Als Fluchtgründe werden vor allem Konflikte im Heimatland und eine hohe Arbeitslosenquote gesehen.

In diesem Jahr kamen der internationalen Organisation für Migration zufolge bereits mehr als 300.000 Bootsflüchtlinge in Italien oder Griechenland an. Mehr als 3000 seien auf der sogenannten mittleren und östlichen Mittelmeerroute ums Leben gekommen.

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