Forderung aus Zweitem Weltkrieg: Deutschland soll Griechenland Geld schulden

Forderung aus Zweitem Weltkrieg: Deutschland soll Griechenland Geld schulden

, aktualisiert 12. Januar 2015, 07:51 Uhr

Deutschland soll Griechenland einem vertraulichen Bericht des griechischen Rechnungshofs zufolge elf Milliarden Euro aus einer Zwangsanleihe aus dem Zweiten Weltkrieg schulden.

Einem vertraulichen Bericht des griechischen Rechnungshofs zufolge soll Deutschland Griechenland elf Milliarden Euro aus einer Zwangsanleihe aus dem Zweiten Weltkrieg schulden. Dies berichtete die Athener Sonntagszeitung „To Vima“ unter Berufung den Bericht, der letzte Woche der griechischen Regierung vorgelegt wurde.

Der mit der Anleihe verbundene Zwangskredit in Höhe von ursprünglich 476 Millionen Reichsmark war 1942 der Deutschen Reichsbank von der griechischen Zentralbank gewährt worden, um die Besatzungskosten zu decken. Die griechische Regierung hatte im Frühjahr eine Sonderkommission gebildet, die mögliche Forderungen aus dem Zweiten Weltkrieg konkretisieren sollte.

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Zukunftsszenarien für Griechenland

  • Szenario 1: Die Rettungspläne funktionieren

    Die Eurogruppe billigt einen Schuldenschnitt, die Banken erlassen dem Land daraufhin 100 Milliarden Euro. Somit gibt es auch grünes Licht für weitere Hilfen der Eurozone in Höhe von insgesamt 130 Milliarden Euro. Die Europäische Zentralbank (EZB) füllt eine Finanzlücke, damit Griechenlands Schuldenstand bis 2020 wie angepeilt sinken kann. Im Gegenzug unterwirft sich Griechenland einer strikten Überwachung der EU und gibt Kompetenzen in der Haushaltspolitik ab. Das Land leidet noch jahrelang unter Einsparungen, innenpolitischer Unruhe und Rückschlägen. Der Weg zu einer Erholung ist lang und mühsam.

  • Szenario 2: Rettung auf Raten

    Die Eurozone will zunächst keine weitere Hilfe zusagen. Problem ist der für 2020 trotz Hilfspaket und Gläubigerverzicht erwartete Schuldenstand von 129 Prozent der Wirtschaftskraft, anstatt der angestrebten 120 Prozent. Der Rettungsplan muss also überdacht werden. Zudem wählen die Griechen im April. Die Euro-Länder wollen das Votum abwarten und mit den dann regierenden Parteien Vereinbarungen über Einsparungen und Reformen treffen, bevor sie weiteres Geld überweisen. Mit restlichen Mitteln aus dem ersten Hilfsprogramm wird ein im März drohender Bankrott vorerst verhindert.

  • Szenario 3: Die Rettung scheitert, Griechenland bleibt aber im Euro

    Nach zwei Jahren Schuldenkrise nimmt die Eurozone einen Kurswechsel vor: Griechenland soll kontrolliert in die Pleite geführt werden, jedoch in der Eurozone bleiben. Nun kommen Milliardenkosten nicht nur auf die privaten Gläubiger, sondern auch auf die EZB zu: Athen ändert per Gesetzesänderung die Haftungsklauseln für seine Staatsanleihen - und erzwingt einen Verzicht. Die EU arbeitet an einem finanziellen und wirtschaftlichen Neustart des Landes, der ebenfalls viel Geld kostet.

  • Szenario 4: Athen geht bankrott und steigt aus dem Euro aus

    Der Rettungsplan scheitert, die Griechen haben zudem Vorschriften und Kontrolle der Euro-Länder satt. Das Land erklärt seinen Bankrott und die Rückkehr zur Drachme. Wirtschaft und Finanzbranche werden über das Land hinaus erschüttert, Firmen und Banken gehen pleite. Die Kaufkraft der Griechen nimmt massiv ab, soziale Unruhen sind die Folge. Mit der Drachme sind griechische Produkte auf dem Weltmarkt zwar billiger, ein positiver Effekt auf die marode Wirtschaft zeigt sich jedoch nur sehr langsam. Die Europäische Union bemüht sich mit Konjunkturprogrammen, den weiteren Absturz des Landes zu mildern.

Derweil wird weiter über neue Hilfen spekuliert, die für das hoch verschuldete Krisenland nötig werden könnten. Griechenland hatte bereits zwei internationale Hilfsprogramme mit Milliardenkrediten bekommen - und zusätzliche Erleichterung durch einen Schuldenschnitt. Dabei waren 2012 Forderungen privater Gläubiger wie Banken in Milliardenhöhe erlassen worden. Einem Bericht der Tageszeitung „Die Welt“ zufolge wächst allerdings in Brüssel die Überzeugung, dass ein weiterer Schuldenerlass nötig wird.

Samaras verspricht 770.000 Arbeitsplätze

„Ein Schuldenschnitt in Griechenland ist unausweichlich, weil das Land sonst mit seiner Schuldenlast nicht fertig wird“, zitiert das Blatt hohe EU-Kreisen, die mit den Beratungen über Griechenland vertraut seien. Als Größenordnung für den Schuldenschnitt werde „ein Drittel bis die Hälfte der Staatsschulden“ genannt. Die Gesamtschuld Griechenlands liege derzeit bei rund 320 Milliarden Euro. Davon befänden sich 80 Prozent in der Hand öffentlicher Gläubiger.

Weitere Artikel

In Griechenland wird am 25. Januar ein neues Parlament gewählt. Die konservative Nea Dimokratia des Regierungschefs Antonis Samaras liegt in den Umfragen an zweiter Stelle. Führend ist das oppositionelle Linksbündnis Syriza unter Alexis Tsipras, das den Bürgern eine Neuverhandlung der Sparabkommen verspricht, die Griechenland eingehen musste, damit die EU-Partner und der IWF das Land mit 240 Milliarden Euro Notkrediten vor der Pleite bewahren.

Samaras versprach am Samstag in einer landesweit ausgestrahlten Wahlkampfrede für die kommenden sechs Jahre 770.000 neue Arbeitsplätze. Zuletzt lag die Arbeitslosenquote in Griechenland bei knapp 26 Prozent. Durch die Fortsetzung des Reformkurses in Griechenland sollen die Wettbewerbsfähigkeit gestärkt und Investitionen angelockt werden. Außerdem stellte Samaras schrittweise Steuererleichterungen und eine umfassende Reform des Sozialsystems in Aussicht. „Und das ohne neue Defizite.“

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