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Frankreich: Herausforderer Hollande will die Reichen schröpfen

von Benjamin Reuter

Der Sozialist François Hollande will als Frankreichs Präsident den maroden Staat sanieren, indem er Wohlhabende drastisch besteuert. "Ich mag die Reichen nicht", sagt Hollande. Kann so einer Präsident werden?

Francois Hollande Quelle: dpa
Fühlt sich fast am Ziel. Frankreichs Präsidentschaftskandidat Hollande. Quelle: dpa

Es ist ein Sonntag im März. François Hollande besucht die Pariser Buchmesse und gewährt Einblick in sein Innenleben. Was sein Lieblingsbuch sei, fragt ein Journalist den sozialistischen Präsidentschaftskandidaten. „Unter anderem Albert Camus’ ,Der Mythos des Sisyphos‘, antwortet Hollande. Die Umstehenden schauen sich an, tuscheln. „Ist Sisyphos nicht verdammt zu scheitern, weil er mit seinem Fels nie auf der Bergspitze ankommt?“

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Hollande bemerkt die Verwunderung und sagt: „Auch ich trage seit langer Zeit einen schweren Fels. Jetzt bin ich fast am Ziel.“ Am 22. April will er die erste Runde der Präsidentschaftswahl in Frankreich für sich entscheiden, und dafür hat Hollande mehr als ein Jahr lang gekämpft – ewig lächelnd und unzählige Hände schüttelnd. Zu „schlaff und höflich“ für den Élysée-Palast sei er, spotten seine Gegner und verhöhnen ihn als „Wackelpudding“. Von Sisyphos erzählt er jetzt mit steinerner Miene und Entschlossenheit. Seine Botschaft lautet: Ich schaffe das.

Eigentlich will Hollande auf der Messe aber nicht über griechische Mythologie sprechen, sondern sein Buch signieren, das gleichzeitig sein Wahlkampfprogramm ist. Der Titel: „Das Schicksal ändern“. Und tatsächlich könnte er demnächst Frankreichs Schicksal bestimmen. In den Umfragen für den zweiten, entscheidenden Wahlgang am 6. Mai ist Hollande seinem stärksten Konkurrenten, dem amtierenden Präsidenten Nicolas Sarkozy, weit voraus.

Marine Le Pen – die Wütende

Die 43-jährige Marine Le Pen ist Vorsitzende des Front National, der wahrscheinlich erfolgreichsten rechtsextremen Partei Europas. In den Umfragen liegt Le Pen bei rund 15 Prozent. „Frankreich geht vor die Hunde“, schimpft sie. Schuld daran seien vor allem muslimische Einwanderer aus Nordafrika, die Frankreich angeblich überschwemmen, die Sozialsysteme missbrauchen und für Terrorismus werben. Außerdem für den Abstieg der Grande Nation verantwortlich: Die internationale Finanzwirtschaft, die Bürokraten in Brüssel und der Euro. Ein Ausstieg aus EU und der gemeinsamen Währung ist für sie deshalb unumgänglich.

Mit ihrem Programm zieht Le Pen vor allem Protestwähler an, die ihrem Ärger über die regierenden Politiker schlagzeilenträchtig Luft machen wollen. Beängstigend ist: Laut einer Untersuchung des Umfrageinstitutes CSA führt sie bei den Wählern zwischen 18 und 24 Jahren. Ganze 26 Prozent in dieser Altersgruppe wollen für sie stimmen. François Hollande kommt nur auf 25 Prozent.

Bei der letzten Präsidentschaftswahl im Jahr 2007 stimmten im zweiten Wahlgang über 80 Prozent der Wähler des Front National für Nicolas Sarkozy. Damit verhalfen sie ihm zum Sieg. Diesmal wollen in der zweiten Runde am 6. Mai nur rund 40 Prozent für Sarkozy stimmen.

Bild: dpa

Eine Schicksalswahl ist es aber nicht nur für Frankreich, sondern ebenso für Europa und damit auch für Deutschland. Denn das Nachbarland steckt in einer tiefen Wirtschaftskrise mit ausufernder Staatsverschuldung. Setzt die sich fort, steuert das Land auf eine Kreditklemme mit unabsehbaren Folgen für den Euro zu. Schon im Januar entzog die US-Ratingagentur Standard & Poor’s Frankreich das begehrte Dreifach-A. Auch Moody’s droht, die Kreditwürdigkeit herabzustufen. All das weiß auch Hollande, der die Lage der Nation in seinem Buch so zusammenfasst: „Rekordarbeitslosigkeit, eine historisch einmalige Verschuldung, zunehmende Deindustrialisierung, schrumpfende Wettbewerbsfähigkeit und ausbleibendes Wirtschaftswachstum.“

So drastisch Hollandes Bestandsaufnahme ist, von Sparen spricht er im Wahlkampf nicht. Konkret geworden ist der 57-Jährige bisher nur bei Maßnahmen, die mehr Geld in die Staatskasse spülen sollen. Seine Zauberformel dafür: Umverteilung!

Wer zur Kasse gebeten wird, ist auch schon klar: „Ich mag die Reichen nicht“, hat Hollande erklärt. In seinem Buch schreibt er: „Die ungehörige Bereicherung an der Spitze der Gesellschaft“ und die „ausufernde Macht des Geldes müssen bekämpft werden“. Die Vermögen der Reichen – geparkt in Form von Immobilien, Aktien und Bankanlagen – dienen in seinen Augen nur einer kleinen Elite und nicht der gesamten Gesellschaft. Deshalb will Hollande das Geld der Wohlhabenden durch eine Steuerreform und Abgabenerhöhungen wieder in Umlauf bringen.

6 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 07.05.2012, 05:42 UhrJoselyn

    Ich wünsche mir, dass Herr Hollande gewinnt. Herr Sarkozy hat nichts für Frankreich s Bürger getan, genauso wenig wie Frau Merkel für die deutsche Bevölkerung.

    Das der Euro noch zu retten ist, glaube ich persönlich nicht.

  • 24.04.2012, 23:26 UhrNathan

    Schade das Cheminade es nicht so weit geschafft hat. - Der ist für das Trennbankensystem.
    Aber die Guten kommen nie an die Macht oder müssen zurücktreten/sterben.
    Dafür sorgen diese kriminellen Netzwerke wie die der Zionisten und Freimaurer.
    Kontakte sind nunmal alles in dieser Geldgeilen Welt und Netzwerke sind der Trupf!

    Und seitdem wir dummen Bürger erstmals auch ein "Netzwerk" namens "Internet" haben, erkennen wir so langsam selbst die Lüge mit der sie uns ausbeuten.

  • 23.04.2012, 08:18 UhrRDA

    Sprüche wie "ich mag die Reichen nicht" sind ein riesengroßes Eigentor. Das eigentliche Problem waren doch der Steuersenkungswettlauf ab den 80er-Jahren, die zig Steuerschlupflöcher für Besserverdienende und die Deregulierung des Finanzsektors, kurz auch "Gewinne privatisieren, Verluste sozialisieren". Eine fairere Verteilung von gewinnen und Verlusten ist also das Gebot der Stunde.

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