Bild: dpaWas die Franzosen mit Deutschland verbinden
Am 22. Januar jährt sich der Elysee-Vertrag zum 50. Mal. Aus diesem Anlass hat die Deutsche Botschaft am Montag in Paris das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage vorgestellt. Die Frage lautete: Welches Bild haben die Franzosen von den Deutschen und umgekehrt? Fest steht: Es ist eine lange Geschichte der Anerkennung, aber auch der Anfeindung. Ein kurzer Überblick, über die Begriffe, mit denen die Franzosen uns Deutsche identifizieren.
Bild: APAbgeschlagen auf den hinteren Plätzen landeten Begriffe wie „Hitler“, „Nazis“ und „Krieg“. Die Autoren der Studie schlussfolgern daraus: Germanophobie gibt es in Frankreich kaum noch. Gerade die jüngeren Franzosen denken mit Blick auf die vergangenen Jahrzehnte eher an den Fall der Mauer, als an Deutschlands Rolle unmittelbar vor und während des Zweiten Weltkrieges.
Bild: dpaDie Franzosen reden bei Deutschland von "Respekt" (33 Prozent); die Deutschen eher von "Sympathie" (65 Prozent). Die Frage, ob Deutschland ein Verbündeter oder gar ein Freund ist, haben die Franzosen in der Vergangenheit auch mal giftig beantwortet. Der französische Schriftsteller Francois Mauriac sagte einst: "Ich liebe so sehr Deutschland, dass ich mich freue, dass es gleich zwei davon gibt". Er meinte die Bundesrepublik und die DDR.
Nun wählen die Franzosen den Begriff "Partnerschaft", um ihre Beziehung zu Deutschland zu beschreiben. Daran soll sich auch künftig nichts ändern - laut der Umfrage der Deutschen Botschaft in Paris schätzen 45 Prozent der Befragten Deutschland als privilegierten Partner. Anders sehen das die Deutschen: 72 Prozent wollen Frankreich als ein Land wie jeden anderen Partnerstaat sehen.
Bild: dpaDie Würstchen oder das Sauerkraut nannten zwölf Prozent der Befragten als was typisch Deutsches. Man muss davon ausgehen, dass die deftige Küche als Beispiel deutscher Kochkünste herhalten muss.
Bild: dpaDas deutsche Auto genießt bei den Franzosen ein hohes Ansehen. 18 Prozent der Befragten gaben das an erster Stelle an - genauso viele, die "Strenge" nannten.
Gerade in Wirtschaftsangelegenheiten dient Deutschland aus französischer Sicht als Vorbild: 63 Prozent der Befragten gaben an, dass sich Frankreich stärker am deutschen Modell ausrichten sollte. Entsprechend hoch ist auch der Wille, dass die künftige Kooperation mit deutschen Unternehmen verstärkt werden sollte - 38 Prozent der Franzosen vertraten diese Meinung.
Bild: APDie deutschen Rheinnachbarn werden auch stark mit ihrem Bier assoziiert: 23 Prozent der Befragten nannte als erst das deutsche Getränk par excellence.
Bild: REUTERSGefragt nach einem spontanen Gedanken zu Deutschland, wurde der Nachname der deutschen Bundeskanzlerin bei der Umfrage der Deutschen Botschaft am meisten genannt. 29 Prozent der Befragten gaben "Merkel" an.
Nicht nur für die Franzosen verkörpert die Bundeskanzlerin die Werte Fleiß, Disziplin und Rechtschaffenheit. Dass Merkel in Paris einen hohen Stellenwert genießt, zeigte sich schon im Sommer 2011. Eine breite Mehrheit der Franzosen hatte in einer Umfrage der französischen Zeitung "Le Parisien" erklärt, sie trauen der Deutschen eher als dem damaligen französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy zu, die Schuldenkrise zu lösen. Mit dem sozialistischen Präsidenten Francoise Hollande dürfte die Zahl nicht kleiner geworden sein.
Was die Franzosen mit Deutschland verbinden
Am 22. Januar jährt sich der Elysee-Vertrag zum 50. Mal. Aus diesem Anlass hat die Deutsche Botschaft am Montag in Paris das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage vorgestellt. Die Frage lautete: Welches Bild haben die Franzosen von den Deutschen und umgekehrt? Fest steht: Es ist eine lange Geschichte der Anerkennung, aber auch der Anfeindung. Ein kurzer Überblick, über die Begriffe, mit denen die Franzosen uns Deutsche identifizieren.
Als der Investmentbanker Jérôme Kerviel bei seiner Bank Société Générale mit 50 Milliarden Euro jonglierte, brachte er das zweitgrößte französische Finanzhaus an den Rand des Ruins. In wenigen Tagen steht das Berufungsurteil gegen den Wertpapierhändler an, und die seit Mai amtierende sozialistische Regierung verspricht Maßnahen, die einfachen Bankkunden vor solch riskanten Geschäften zu schützen.
"Die Bankenreform wird stattfinden, ehe 2012 zu Ende geht", betont Wirtschafts- und Finanzminister Pierre Moscovici. Spekulationsgeschäfte sollen demnach von jenen Finanzaktivitäten getrennt werden, "die die Franzosen brauchen für die Finanzierung des Mittelstandes, der Konzerne und der Haushalte."
Auch SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück hat eine Aufspaltung der Geschäftsfelder vorgeschlagen. Sie sollten künftig unter dem Dach einer Holding getrennt agieren. In Frankreich würde die sozialistische Regierung mit ihrem Vorstoß eine Bringschuld einlösen, die Präsident François Hollande im Wahlkampf einging. Im Frühjahr hatte der Sozialist die Finanzbranche zum Staatsfeind Nummer eins erklärt und angekündigt, sie zu bändigen.
Die Macht der französischen Banken
Das allerdings wird nicht einfach. Denn Frankreichs Banken sind mächtig. "Sie sind eine Industrie. Eine Industrie, die in Frankreich 400.000 Menschen beschäftigt", weiß der Minister. Zudem haben die Institute aktuell mehr als 800 Milliarden Euro an Unternehmenskrediten verliehen. Angesichts der zahlreichen Hiobsbotschaften über eine stagnierende Wirtschaft und die bevor stehende Streichung tausender Arbeitsplätze in den Betrieben will sich Moscovici nicht dem Vorwurf aussetzen, er gefährde nun das Geschäft und damit die Arbeitsplätze der Banken.
"Das französische Modell der Universalbank hat sich krisenfester erwiesen als andere", zitiert der Minister deshalb aus den PR-Textbausteinen des französischen Bankenverbandes - und plant keine strikte Trennung der beiden Geschäftsfelder. "Ich denke, dass man bei einer Trennung beide Aktivitäten schwächen würde." Es gehe der Regierung aber nicht um eine Schwächung, sondern um eine Regulierung. Einzelheiten nannte er nicht.
"Moscovici gehört eindeutig zum liberalen Flügel der Sozialistischen Partei. Er hört deshalb auf die Meinung der Bankenbranche", urteilt Jean Dermine, Finanzprofessor an der französischen Business School Insead. Allerdings löst die Trennung von Investment- und Kreditgeschäft nicht das seiner Meinung nach viel wichtigere Problem: "Es gibt keine Rechtsgrundlage, wie die Pleite einer Großbank gehandhabt werden sollte. In Spanien und Irland waren es nicht die Investmentbanker, sondern klassische Kredite, die die Branche in erhebliche Schwierigkeiten brachten."
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