Frankreich: Hollande greift den Bankensektor an

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Frankreich: Hollande greift den Bankensektor an

von Karin Finkenzeller

Der französische Präsident hatte im Frühjahr die Finanzbranche zum Staatsfeind Nummer eins erklärt und versprochen, sie zu bändigen. Nun will er seinen Worten Taten folgen lassen. Doch Frankreichs Banken sind mächtig.

Als der Investmentbanker Jérôme Kerviel bei seiner Bank Société Générale mit 50 Milliarden Euro jonglierte, brachte er das zweitgrößte französische Finanzhaus an den Rand des Ruins. In wenigen Tagen steht das Berufungsurteil gegen den Wertpapierhändler an, und die seit Mai amtierende sozialistische Regierung verspricht Maßnahen, die einfachen Bankkunden vor solch riskanten Geschäften zu schützen.

"Die Bankenreform wird stattfinden, ehe 2012 zu Ende geht", betont Wirtschafts- und Finanzminister Pierre Moscovici. Spekulationsgeschäfte sollen demnach von jenen Finanzaktivitäten getrennt werden, "die die Franzosen brauchen für die Finanzierung des Mittelstandes, der Konzerne und der Haushalte."

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Auch SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück hat eine Aufspaltung der Geschäftsfelder vorgeschlagen. Sie sollten künftig unter dem Dach einer Holding getrennt agieren. In Frankreich würde die sozialistische Regierung mit ihrem Vorstoß eine Bringschuld einlösen, die Präsident François Hollande im Wahlkampf einging. Im Frühjahr hatte der Sozialist die Finanzbranche zum Staatsfeind Nummer eins erklärt und angekündigt, sie zu bändigen.

Die Macht der französischen Banken

Das allerdings wird nicht einfach. Denn Frankreichs Banken sind mächtig. "Sie sind eine Industrie. Eine Industrie, die in Frankreich 400.000 Menschen beschäftigt", weiß der Minister.  Zudem haben die Institute aktuell mehr als 800 Milliarden Euro an Unternehmenskrediten verliehen. Angesichts der zahlreichen Hiobsbotschaften über eine stagnierende Wirtschaft und die bevor stehende Streichung tausender Arbeitsplätze in den Betrieben will sich Moscovici nicht dem Vorwurf aussetzen, er gefährde nun das Geschäft und damit die Arbeitsplätze der Banken.

"Das französische Modell der Universalbank hat sich krisenfester erwiesen als andere", zitiert der Minister deshalb aus den PR-Textbausteinen des französischen Bankenverbandes - und plant keine strikte Trennung der beiden Geschäftsfelder. "Ich denke, dass man bei einer Trennung beide Aktivitäten schwächen würde." Es gehe der Regierung aber nicht um eine Schwächung, sondern um eine Regulierung. Einzelheiten nannte er nicht.

"Moscovici gehört eindeutig zum liberalen Flügel der Sozialistischen Partei. Er hört deshalb auf die Meinung der Bankenbranche", urteilt Jean Dermine, Finanzprofessor an der französischen Business School Insead. Allerdings löst die Trennung von Investment- und Kreditgeschäft nicht das seiner Meinung nach viel wichtigere Problem: "Es gibt keine Rechtsgrundlage, wie die Pleite einer Großbank gehandhabt werden sollte. In Spanien und Irland waren es nicht die Investmentbanker, sondern klassische Kredite, die die Branche in erhebliche Schwierigkeiten brachten."

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