Frankreich: Mutmaßliche IS-Hacker legen TV-Sender lahm

Frankreich: Mutmaßliche IS-Hacker legen TV-Sender lahm

, aktualisiert 09. April 2015, 12:25 Uhr
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Mutmaßliche IS-Hacker legen französischen TV-Sender lahm

Mutmaßliche Anhänger der radikalen Miliz Islamischer Staat (IS) haben einem Medienbericht zufolge mit einem Hackerangriff den Sendebetrieb der französischen Fernsehanstalt TV5 Monde lahmgelegt.

Hacker haben den französischen Sender TV5 Monde lahmgelegt und auf dessen Webseiten zeitweise Propaganda der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) platziert. „Wir sind noch nicht in der Lage, die Ausstrahlung und Produktion unserer Nachrichten wieder aufzunehmen, aber wir haben die Kontrolle über unsere Facebook- und Twitterkonten zurückerlangt“, sagte Generaldirektor Yves Bigot am Donnerstagmorgen dem Radiosender RTL.

Frankreichs Premierminister Manuel Valls verurteilte die Aktion über Twitter als „inakzeptable Verletzung der Informations- und Meinungsfreiheit“.

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Hintergrund TV-Hack

  • Wie ist die Lage für den IS in Syrien und im Irak?

    Der Cyber-Angriff auf TV5 Monde kommt zu einer Zeit, in der der IS in beiden Ländern an Boden verloren haben. Kurden drängten die sunnitischen Extremisten aus der nordsyrischen Stadt Kobane zurück, irakische Truppen aus der strategisch wichtigen Stadt Tikrit. Zudem hat die Miliz nach Geheimdienstinformationen die meisten Ölquellen und damit ihre Haupteinnahmequelle verloren. Zur üblichen Strategie des IS gehört es, in solchen Phasen woanders Schrecken zu verbreiten - etwa durch die Veröffentlichung von Terrorvideos.

  • Welche Cyber-Angriffe des IS gab es bisher?

    Schon in den vergangenen Monaten sorgten IS-Sympathisanten mit Angriffen im Netz für Aufsehen. So brachte eine Hackergruppe mit dem Namen CyberCaliphate die Konten des US-Militärkommandos Centcom bei Twitter und YouTube unter ihre Kontrolle. Auch das Twitter-Konto des US-Magazins Newsweek wurde Opfer dieser Gruppe. Der Angriff auf TV5 ist jedoch die bislang massivste Attacke von Hackern, die im Namen des IS agieren - die Angriffe zuvor waren zwar Aufsehen erregend, aber vergleichsweise einfach zu bewerkstelligen.

  • Wer steckt dahinter?

    Das lässt sich nicht sagen. Es ist nicht einmal sicher, ob die Hacker im Auftrag des IS oder auf eigene Faust handeln. In der Vergangenheit stand ein Brite unter Verdacht, der 2012 das Adressbuch des britischen Ex-Premiers Tony Blair hackte und veröffentlichte. Er soll sich in Syrien aufhalten. Die Gruppe CyberCaliphate rühmt sich auch der Angriffe auf TV5. Sie veröffentlichte einen Bekennerbrief online, in dem sie Frankreichs Regierung kritisiert. Wer dahinter steckt, ist jedoch ebenfalls unklar. Die Betreiber der Webseite nutzen einen australischen Dienst, um ihre Herkunft zu verschleiern.

  • Welche Rolle spielt das Internet für den IS?

    Der IS nutzt das Internet gezielt für seine Zwecke. In Online-Netzwerken werben die Fanatiker um Anhänger und jugendliche Gefolgschaft. Im Internet verbreiten sie auch Aufnahmen ihrer Gräueltaten ebenso wie Bilder, die das Leben im Herrschaftsgebiet der Milizen zeigen. Online-Netzwerke wie Twitter und YouTube bemühen sich, die Verbreitung von IS-Propaganda einzudämmen. Sie kommen aber teilweise mit dem Löschen von Profilen kaum hinterher.

Der Angriff hatte am Mittwochabend gegen 22.00 Uhr begonnen. Das Fernsehprogramm wurde unterbrochen, auf Webseiten und Social-Media-Konten waren IS-Forderungen zu sehen. Französische Medien zeigten am Donnerstag Screenshots der Facebookseite des Senders: Dort ist der Slogan „Je suIS IS“ („Ich bin IS“) zu sehen - eine Anspielung auf die Sympathiekundgebung „Je suis Charlie“ für die Opfer des blutigen Terrorangriffs auf die Redaktion des Satireblatts „Charlie Hebdo“ Anfang des Jahres.

Ob allerdings tatsächlich Mitglieder oder Sympathisanten der Terrormiliz dahinter stecken, ist noch unklar. Es sei noch zu früh, um zu wissen, von wo die Attacke ausgeführt wurde, sagte Innenminister Bernard Cazeneuve, der am Vormittag mit zwei weiteren Ministern den Sitz von TV5 Monde in Paris besuchte.

Die Führer des IS

  • Abu Musab az-Zarqawi († 2006)

    az-Zarqawi wurde 1966 geboren und 2006 getötet. Auf seinem Kopf hatten die USA ein Kopfgeld von 25 Millionen US-Dollar ausgesetzt – das entspricht dem Kopfgeld, das auf Saddam Hussein ausgesetzt war. Er galt als Experte für chemische und biologische Kampfstoffe.

    Während des Irak-Kriegs gründete er al-Qaida im Irak – der Organisation aus der heute der Islamische Staat (IS) hervorgegangen ist. Er ist für mehrere Terroranschläge und die Enthauptung des Amerikaners Nicholas Berg verantwortlich.

    Am 7. Juni 2006 töteten ihn US-Spezialkräfte nördlich von Bagdad. Nachdem zu einem Gefecht zwischen US-Militärs und Anhängern az-Zarqawis kam, forderten die US-Soldaten einen gezielten Luftschlag auf sein Lager an. Infolge dieses Luftschlags soll az-Zarqawi gestorben sein.

  • Abu Abdullah ar-Raschid al-Baghdadi (Abu Umar al-Baghdadi) († 2010)

    Die Person hinter dem Pseudonym Abu Umar al-Baghdadi ist immer schattenhaft geblieben. Nach irakischen Angaben war er ein ehemaliger irakischer Armeeoffizier. 1985 soll er in dem Widerstand gegen Saddam Hussein beigetreten sein.
    1987 floh er nach Afghanistan, um erst 1991 zurück in den Irak zu kommen. Seine Festnahme wie sein Tod wurden mehrfach gemeldet. Beobachter äußerten immer wieder die Vermutung, hinter dem Kampfnamen existiere keine reale Person – oder er wäre nacheinander von unterschiedlichen Kämpfern verkörpert worden.
    Seit 2010 sind keine Ankündigungen von ihm mehr in die Öffentlichkeit gelangt, weshalb man ihn für tot hält.

  • Abu Bakr al-Baghdadi

    Al-Baghdadi wurde 1971 im Irak geboren. Seit 2010 ist er der Anführer des IS. Seitdem er Mitte 2014 in Teilen Syriens und des Iraks das Kalifat ausgerufen hat, nennt er sich Kalif Ibrahim.
    In Bagdad soll er ab seinem 19. Lebensjahr zehn Jahre lang in einem privaten Moscheegebäude gelebt und Religion studiert haben. Sein Studium soll er zu Beginn der 2000er Jahre mit einer Promotion in Islamischen Recht beendet haben.
    Als die USA 2003 im Irak einmarschierten, gründete al-Baghdadi eine militante Islamistengruppe. 2004 soll er von US-Streitkräften im Irak interniert worden sein.
    Seitdem er 2014 das Kalifat auf syrischem und irakischem Boden ausgerufen hat, ist er nach Ansicht seiner Anhänger oberster Führer der Muslime.

Welche Rolle spielt das Internet für den IS?


Der IS nutzt das Internet gezielt für seine Zwecke. In Online-Netzwerken werben die Fanatiker um Anhänger und jugendliche Gefolgschaft. Im Internet verbreiten sie auch Aufnahmen ihrer Gräueltaten ebenso wie Bilder, die das Leben im Herrschaftsgebiet der Milizen zeigen. Online-Netzwerke wie Twitter und YouTube bemühen sich, die Verbreitung von IS-Propaganda einzudämmen. Sie kommen aber teilweise mit dem Löschen von Profilen kaum hinterher.Ermittlungen seien eingeleitet. Er unterstrich die Entschlossenheit der Regierung im Kampf gegen den Terrorismus und verwies auf frühere Ankündigungen, mehr Mittel für den Kampf gegen Cyberkriminalität bereitzustellen. Frankreich nimmt als Teil einer internationalen Koalition am Militäreinsatz gegen die sunnitischen IS-Extremisten im Irak und in Syrien teil.

Nach Berichten der französischen Nachrichtenagentur AFP waren auf der Facebookseite von TV5 Monde auch Drohungen gegen französische Soldaten zu lesen. „Soldaten Frankreichs, bleibt dem Islamischen Staat fern! Ihr habt die Chance, eure Familien zu retten, nutzt sie!“, zitierte die Agentur. Das „Cyber-Kalifat“ werde seinen „Cyber-Dschihad“ gegen die Feinde des IS fortsetzen, hieß es weiter.

Weitere Artikel

Am frühen Donnerstagmorgen waren auf den Twitter- und Facebook-Seiten des Senders keine IS-Forderungen mehr zu sehen. Auf der TV5-Webseite stand lediglich eine Wartungsmeldung. Im Fernsehen wurden vorab aufgezeichnete Sendungen ausgestrahlt, Live-Programm war noch nicht möglich.

Medien wie die „New York Post“, der „Boston Globe“ oder die britische Zeitung „The Independent“ waren in den vergangenen Monaten häufiger Ziel von Hackerangriffen. Zu einigen der Attacken hatte sich allerdings die Gruppe „Syrian Electronic Army“ bekannt, die der syrischen Regierung nahesteht - unter diesem Namen wurde im Januar auch der Twitter-Account der französischen Tageszeitung „Le Monde“ gehackt.

Bei Angriffen auf die Redaktion des Satiremagazins „Charlie Hebdo“, einen jüdischen Supermarkt und eine Polizistin waren im Januar in Frankreich 20 Menschen getötet worden, darunter die Terroristen. Einer der Attentäter hatte angegeben, er habe Instruktionen vom sogenannten Islamischen Staat erhalten.

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