Frankreich nach der Präsidentschaftswahl: Hollandes schwere Aufgabe beginnt

Frankreich nach der Präsidentschaftswahl: Hollandes schwere Aufgabe beginnt

Bild vergrößern

François Hollande

von Benjamin Reuter

Auf den neuen französischen Präsidenten François Hollande wartet in den kommenden Monaten eine Herkulesaufgabe: Er muss ein wirtschaftlich schwer angeschlagenes Frankreich mitten in der Eurokrise wieder auf Kurs bringen und außenpolitisch seine Wahlversprechen umsetzen. Seine ersten Regierungsentscheidungen stehen schon fest.

„Am Tag danach gibt es den großen Kater.“ Das sagte in weiser Voraussicht am Samstag Olivier Faure, einer der Berater des neuen französischen Präsidenten François Hollande. Und tatsächlich wird das Fest, dass von Sonntag auf Montag auf dem Platz der Bastille im Herzen von Paris stattfand, bei vielen Besuchern Nachwehen gehabt haben. Denn den Machtwechsel begossen mehrere Hunderttausend Anhänger von Hollande an dem historischen Ort mit flaschenweise Wein, Champagner und Bier. Dicht an dicht drängte sich gefühlt halb Paris auf dem riesigen, aber an diesem Abend viel zu kleinen Platz. Zeit zum Anstoßen hatten die Besucher dabei reichlich, denn der frisch gekürte Präsident trat erst weit nach Mitternacht vor seine Anhänger.

Hollande hatte sich um kurz nach 21 Uhr noch in Tulle, dem Zentrum seines Wahlkreises, einer begeisterten Menge präsentiert und eine kurze Rede gehalten. Dann eilte er, schon begleitet vom präsidialen Sicherheitsdienst, zum Flughafen mit Ziel Paris. Dort stand er also einige Stunden später vor der singenden und klatschenden Masse. Die empfing ihren Helden mit einem roten Fahnenmeer, rosa Rosen, Dutzenden bengalischen Freudenfeuern und knallenden Sylvesterraketen. Auf dem Platz der Bastille hatte auch der letzte sozialistische Präsident der Fünften Republik, François Mitterrand, 1981 seinen Sieg gefeiert.

Anzeige

Die Erwartungen der Franzosen an den neuen Herrscher im Élysée-Palast, das wurde an diesem Abend deutlich, sind gewaltig. Die Rede des erschöpften Hollande war es in dieser Nacht nicht mehr. In Paris versprach Hollande einmal mehr, die Franzosen „zu vereinen“, der Jugend ein besseres Leben als ihren Eltern zu ermöglichen und das europäische Spardiktat zu beenden. All das hatten seine Anhänger während des Wahlkampfes hunderte Male gehört, vorgetragen aber mit festerer Stimme. Als Hollande zehn Minuten vor ein Uhr seine Rede in Paris beendet hatte, war damit auch der Wahlkampf endgültig vorbei.

Den Kater, den der Präsidentenberater Faure für den Montag vorhersagte, bezog sich aber nicht nur auf die schweren Köpfe nach dem Fest. Denn jetzt nach der Wahl, das war die Botschaft, beginnt die wirklich schwierige Aufgabe für Hollande und seinen Stab. Mit wohlgemeinten Ankündigungen ist es nicht mehr getan. Nicht mehr Worte zählen, sondern Resultate.

Und die muss er ab 15. Mai liefern, wenn die Arbeit für den neuen Präsidenten offiziell beginnt. Schon gestern telefonierte er länger mit Merkel, dem US-Präsidenten Barack Obama und ließ sich über die Entwicklungen in Nahost von Israels Premier Benjamin Netanjahu unterrichten. Sein erster Auslandsbesuch, wohl schon am 16. Mai, wird ihn nach Berlin zu Angela Merkel führen. Der deutschen Kanzlerin hatte er mit seiner Ankündigung, den Fiskalpakt neu zu verhandeln und um einen Wachstumspakt zu ergänzen im März das Projekt Eurorettung verhagelt. Mittlerweile so scheint es, hat sich Berlin mit der Idee abgefunden. Es geht nicht mehr um das Ob, sondern nur noch um das Wie.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%