Frankreich: Sarkozy, der gescheiterte Reformer

Frankreich: Sarkozy, der gescheiterte Reformer

Bild vergrößern

Nicolas Sarkozy während eines TV-Auftritts im Wahlkampf.

von Benjamin Reuter

Als Nicolas Sarkozy sein Präsidentenamt antrat, wollte er Frankreich von Grund auf reformieren. Dabei orientierte er sich auch am deutschen Vorbild. Die Bilanz ist allerdings ernüchternd – Frankreich geht es heute schlechter als vor fünf Jahren. Die Folge: Bei den Präsidentschaftswahlen musste Sarkozy im ersten Durchgang eine deutliche Niederlange hinnehmen.

Eigentlich begann Nicolas Sarkozy mit dem Hauptprojekt seiner Präsidentschaft schon im Jahre 2004. Damals im April stand er als Wirtschaftsminister in einer Fabrik des angeschlagenen Technikkonzerns Alstom in der Nähe von La Rochelle an der Atlantik-Küste. Der französische Staat hatte gerade knapp eine Milliarde Euro in den maroden Konzern gepumpt. Sarkozy versprach unter dem Jubel der Angestellten, dass ihre Arbeitsplätze gerettet seien.

Im Februar dieses Jahres war Sarkozy wieder zu Besuch in der Zugfabrik von Alstom. Diesmal als Präsident am Ende seiner Amtszeit und mitten im Wahlkampf. Es war ein wohl inszenierter Auftritt, mit einer kleinen Rede, viel Händeschütteln und einer Tour durch die Werkshallen. Pathetisch erklärte Sarkozy: „Diese Fabrik ist ein Symbol für ein Frankreich der Industrie und der Arbeiter, das nicht sterben darf.“

Anzeige

Der Auftritt sollte die Bürger von etwas überzeugen, dass sie ihrem Präsidenten nicht mehr glauben: Nämlich, dass er erfolgreich gegen die Deindustrialisierung des Landes kämpft. Denn genau das Gegenteil ist der Fall. Seit Sarkozy 2007 in den Élysée-Palast eingezogen ist, haben über 4000 kleinere und größere Produktionsstandorte ihre Tore für immer geschlossen. Zu viel, um eine große Chance zu haben, wieder gewählt zu werden. François Hollande hat die erste Runde der französischen Präsidentschaftswahl klar gegen den Amtsinhaber gewonnen. Der Sozialist kam nach einer Hochrechnung des Senders TF1 von 20.00 Uhr auf 28,6 Prozent, Sarkozy auf 27 Prozent. Nach einer Hochrechnung von France 2 lag Hollande mit 28,4 zu 25,5 Prozent fast drei Punkte in Führung.

Gefahr für den Status

Das Scheitern Sarkozys als Retter der Fabriken ist nur ein Grund des mauen Wahlergebnisses im ersten Durchgang. Am Ende ist aus vielen Versprechen von 2007 nichts geworden. Statt fünf Prozent Arbeitslosigkeit, wie angekündigt, sind es heute knapp zehn Prozent. Außerdem ist die Wirtschaft weniger wettbewerbsfähig als vor fünf Jahren, die Staatsverschuldung ist höher und die Sozialsysteme sind immer noch ein Fass ohne Boden.

Damit gefährdet Frankreich nicht nur seinen eigenen Status als fünftgrößte Wirtschaftsmacht der Erde. Als zweitstärkste Volkswirtschaft auf dem europäischen Kontinent setzt das Land auch die Stabilität des Euro aufs Spiel. Erst vergangenen Donnerstag sackten die Kurse an der Pariser Börse ab, weil das Gerücht aufkam, die Rating-Agentur Moody’s wolle die Kreditwürdigkeit des Landes herabstufen.

Das Ergebnis nach fünf Jahren Sarkozy: Er hat kein „starkes Frankreich“ hinterlassen, wie er es im Wahlkampf immerzu beschwörte, sondern eine ökonomisch schwer angeschlagene Nation. Den Eindruck konnte auch der Besuch bei Alstom nicht übertünchen.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%